Hamburg  Fastenzeit: Sechs kreative Vorsätze und Tipps zum Durchhalten

Rebecca Niebusch
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Von Rebecca Niebusch
| 20.02.2023 18:39 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Das Smartphone in der Fastenzeit auch mal weglegen: So klappt es wirklich. Foto: dpa/Sven Hoppe
Das Smartphone in der Fastenzeit auch mal weglegen: So klappt es wirklich. Foto: dpa/Sven Hoppe
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Zur Fastenzeit ist Verzicht angesagt: Aber welche Vorsätze sind wirklich sinnvoll? Wir haben sechs Vorschläge gesammelt – und verraten, wie Sie das Fasten wirklich durchziehen.

In der Fastenzeit bereiten sich Christen auf das kommende Osterfest vor: Es ist eine Zeit der Buße und Besinnung. 2023 beginnt sie am 22. Februar und endet am 8. April. Viele Menschen in Deutschland, nämlich 61 Prozent, haben schon mindestens einmal in ihrem Leben während der Fastenzeit auf etwas verzichtet. Das zeigt eine Forsa-Umfrage im Auftrag der DAK-Gesundheit.

Auf die Frage, worauf sie am ehesten verzichten würden, nannten die Befragten am häufigsten Alkohol und Süßigkeiten (jeweils 73 Prozent). Auf Verzichtsplatz drei landete ein weiterer Klassiker: der Verzehr von Fleisch. Mehr als jede und jeder Zweite (55 Prozent) würde der Umfrage zufolge darauf eine Weile verzichten.

Sie sind noch auf der Suche nach neuen Fasten-Ideen? Wir haben alternative Vorschläge gesammelt und geben Tipps zum Durchhalten.

Bewusst haben wir nicht „Handy fasten“ geschrieben: Es geht tatsächlich um Smartphones; also smarte Mobiltelefone mit Apps und Internetzugang. Laut diverser Studien kann zu ihnen eine psychische Abhängigkeit entstehen. Auch körperliche Effekte wie die Schädigung des Rückens oder der Hände bei der Dauernutzung können auftreten.

Wie wäre es, wenn Sie dieses Jahr mal wieder den alten Nokia-Klotz hervorholen, um nicht ständig gekrümmt am Smartphone zu kleben? So bleiben Sie erreichbar, aber vom Sog der Apps wie Instagram, Youtube, Tiktok, Whatsapp und Co. verschont.

Tipp: Im Alltag ist das Smartphone ganz schön praktisch; beispielsweise beim Navigieren des Weges. Hier lohnt sich eine gute Vorbereitung zu Hause, um Frust zu vermeiden.

Und keine Angst: Eine Studie legt nahe, dass Sie nicht für immer auf das Smartphone verzichten müssen, um positive Effekte zu spüren. Wissenschaftler der Ruhr Universität Bochum ließen jeweils 200 Testpersonen eine Woche komplett aufs Handy verzichten, die tägliche Nutzung um eine Stunde reduzieren oder das Smartphone genauso nutzen wie bisher.

Langfristig ging es den Teilnehmern am besten, die die Nutzung reduziert hatten. Bereits die einwöchige Intervention änderte die Nutzungsgewohnheiten langfristig. Noch vier Monate nach dem Ende des Experiments nutzten die Mitglieder der Abstinenzgruppe ihr Smartphone im Durchschnitt 38 Minuten pro Tag weniger als zuvor.

Die evangelische Pfarrerin Dorothee Löser verriet 2018 gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ ihren Vorsatz für die Fastenzeit: Aufzug-Fasten. Für sie ginge es in der Fastenzeit auch darum, Dinge wieder bewusst wahr zu nehmen und zu reflektieren. „Man überdenkt, was man wirklich braucht und was man weglassen kann“, so die Pfarrerin.

Tipp: Neben der körperlichen Fitness soll das Treppensteigen auch das psychische Wohlbefinden steigern, wie eine Studie aus dem Jahr 2020 belegt. Verantwortlich sei dafür ein Bereich in der Großhirnrinde. Noch eine Motivation mehr, es auszuprobieren.

Dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft zufolge entstehen in Deutschland 11 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle im Jahr (Stand 2020). Rechnet man mit 83,2 Millionen Menschen in Deutschland, sind das etwa 132 Kilo pro Kopf.

Gegen die Lebensmittelverschwendung hilft vor allem eine gute Planung. Gehen Sie Schritt für Schritt vor: Vorratskammer checken, Einkaufsliste schreiben, passende Mengen kaufen und frische Produkte rasch verbrauchen.

Tipp: In dieser Fastenzeit können Sie nicht nur Verschwendung reduzieren, sondern auch Lebensmittel vor der Mülltonne retten. Bei Anbietern wie „Too Good To Go“ und „Motatos“ werden Sie fündig.

Weiterlesen: Lebensmittel: Wie viele Tonnen hat Deutschland 2022 gerettet?

Passend zur Fastenzeit startet auch der Frühjahrsputz und damit auch das Ausmisten. Im Kleiderschrank, in der Küche und im Keller befinden sich unter Umständen so einige Dinge, die Sie vergessen hatten – oder gar nicht mehr brauchen.

All das können Sie auf dem Flohmarkt oder Online-Verkaufsportalen wie Ebay Kleinanzeigen oder Vinted loswerden. Ganz getreu dem Motto von Pfarrerin Löser: „Weniger ist mehr: das ist für mich das Spannende beim Fasten.“

Tipp: Besonders effektiv ist dieser Vorsatz, wenn Sie gleichzeitig das Shopping für die Dauer der Fastenzeit auf Eis legen.

Noch schnell einen Kaffee unterwegs oder ein Brötchen auf die Hand: Essen „to go“ ist praktisch. Gesund ist es aber eher weniger, sagt die Techniker Krankenkasse: „Wir verlieren den Überblick, was und vor allem wie viel wir zu uns nehmen. Das führt dazu, dass wir über den Tag verteilt mehr essen als wenn wir die einzelnen Mahlzeiten ganz bewusst genießen würden“, so die Krankenkasse.

Das To-Go-Fasten reduziert auch Verpackungsmüll: Die Deutsche Umwelthilfe hat 2021 dazu aufgerufen. Auf diese Weise wurden laut Organisation 10.000 To-Go-Verpackungen eingespart.

Tipp: Seit Anfang 2023 gilt in Deutschland die Mehrwegangebotspflicht: Caterer, Lieferdienste und Restaurants sind verpflichtet, auch Mehrwegbehälter als Alternative zu Einwegbehältern für Essen und Getränke zum Mitnehmen anzubieten.

Betriebe mit maximal fünf Beschäftigten und maximal 80 Quadratmetern Verkaufsfläche sind davon ausgenommen und sollen ihrer Kundschaft Speisen und Getränke auch in mitgebrachte Behälter abfüllen können. Wer also Einwegverpackungen fasten will, sollte beim Kauf nachfragen, welche Möglichkeiten es gibt.

Weiterlesen: Essen und Getränke zum Mitnehmen: Was sich für Verbraucher ändert

Dass gesüßte Erfrischungsgetränke nicht gesund sind, legen diverse Untersuchungen nahe: Laut einer Studie aus China sind dabei auch Light-Getränke nicht gesünder als die gezuckerte Variante. Egal, welche der beiden Getränkearten getrunken wurde, ein hoher Konsum führte den Wissenschaftlern zufolge in beiden Fällen zu einem um zwölf Prozent erhöhten Sterberisiko – insbesondere ausgelöst durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Eine weitere Studie aus China kam bei über 1000 Befragten zu einem – im wahrsten Sinne des Wortes – haarsträubendem Ergebnis: Haarausfall trat rund 30 Prozent häufiger bei den Männern auf, die mindestens ein mit Zucker versetztes Getränk am Tag tranken. Wer sich jetzt nervös durchs Haar fährt, hat nun eine Idee, worauf er bis Ostern verzichtet.

Tipp: Neben Wasser ist auch abgekühlter Früchtetee in der Fastenzeit eine Alternative zu Softdrinks. Frische Kräuter wie Minze und Zitronenscheiben bringen zusätzlich Geschmack.

Mit dpa-Material

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