Arzneimittel-Knappheit Dicke Bretter für Karl Lauterbach
In Deutschland fehlen Medikamente – ein Mangel, den man eher mit ärmeren Ländern verbindet. Schuld ist ein System, das auf Sparsamkeit und Festpreis setzt.
Das Gesundheitssystem in Deutschland gehört – trotz mancher Probleme – strukturell zu den besten der Welt. Dennoch gibt es seit diesem Winter ein Phänomen, das vielen Menschen Angst macht: die Medikamentenknappheit.
Die Bundesregierung behauptete schon zum Jahresende vollmundig, das Problem erkannt zu haben. Doch die Statistik spricht eine andere Sprache. Offiziell lautet der Grund meist Produktionsprobleme. In Wirklichkeit sind es übertriebene Sparsamkeit, ein überzogenes Gerechtigkeitsempfinden und der Festpreis, der zu Engpässen führt. Hersteller können mit vielen Standard-Medikamenten nur noch wenig Geld verdienen, so dass sie nicht mehr in Deutschland, sondern in Indien und China produzieren oder nicht mehr hierher liefern.
Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) will nun gesetzlich vorschreiben, dass mehr Medikamente auf Lager liegen und setzt auf neue Preisregeln. Sein Plan wird aber nicht aufgehen. Denn in Wirklichkeit geht es um etwas ganz anderes: Deutschland muss als Produktionsland für Arzneimittel wieder interessant werden. Das vorhandene Geld im Gesundheitssystem muss anders verteilt werden. Dabei handelt es sich allerdings umso dicke Bretter, dass Lauterbach diese kaum angehen dürfte. In absehbarer Zeit wird sich daher wohl leider nichts an der Medikamenten-Knappheit ändern.