Osnabrück Knappe Arzneimittel? Minister Lauterbach, Sie sind dran!
In Deutschland fehlen Medikamente – ein Mangel, den man eher mit ärmeren Ländern verbindet. Schuld ist ein System, das auf Sparsamkeit und Festpreis setzt.
Das Gesundheitssystem in Deutschland gehört – trotz mancher Probleme – strukturell zu den besten der Welt. Die Grundversorgung sucht ihresgleichen und das Rettungssystem funktioniert. Doch obwohl Deutschland unter allen OECD-Ländern besonders viel für Gesundheit ausgibt, gibt es seit diesem Winter ein Phänomen, das vielen Menschen Angst macht: Die Medikamentenknappheit.
Erst waren es Fiebersäfte für Kinder, dann kamen Antibiotika, Krebsmittel und Blutdrucksenker hinzu, die in vielen Apotheken nicht mehr zu bekommen waren und sind. Das ist einigermaßen überraschend, zumal bei recht einfachen und günstigen Produkten wie etwa Fiebersaft, den jeder Apotheker zu mixen weiß. Kein Wunder, dass Kranke sich fürchten, zumal es ja auch um lebensrettende Medikamente geht. Fast jeder dritte Befragte hat laut Umfrage schon einmal ein Arzneimittel nicht bekommen – ein Jahr zuvor waren es erst 18 Prozent gewesen.
Die Bundesregierung behauptete schon zum Jahresende vollmundig, das Problem erkannt zu haben. Doch die Statistik spricht eine andere Sprache. Denn die Zahl der knappen Medikamente, die das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte BfArM auf seiner Webseite mit Lieferengpässen meldet, wächst – auf inzwischen 426 Produkte. Offiziell lautet der Grund meist Produktionsprobleme.
In Wirklichkeit ist es übertriebene Sparsamkeit, ein überzogenes Gerechtigkeitsempfinden und der Festpreis, der zu diesen Engpässen führt. Hersteller können mit vielen Standard-Medikamenten nur noch wenig Geld verdienen, so dass sie nicht mehr in Deutschland, sondern in Indien und China produzieren oder nicht mehr hierher liefern. Das brachte die Corona-Pandemie zutage, als Lieferketten abbrachen.
Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) will nun gesetzlich vorschreiben, dass mehr Medikamente auf Lager liegen und setzt auf neue Preisregeln. Sein Plan wird aber nicht aufgehen. Denn in Wirklichkeit geht es um etwas ganz anderes: Deutschland muss als Produktionsland für Arzneimittel wieder interessant werden. Das durchaus vorhandene Geld im Gesundheitssystem muss anders verteilt werden. Dabei handelt es sich allerdings um so dicke Bretter, dass Minister Lauterbach diese kaum angehen dürfte. In absehbarer Zeit wird sich daher wohl leider nichts an der Medikamenten-Knappheit ändern.