Deutschland Teilverkauf Ihrer Immobilie kann Geld einbringen – doch Verbraucherschützer warnen
Viele Rentner leben in einer abbezahlten Immobilie, sind aber nicht flüssig. Der Traum von der Weltreise oder von einem luxuriösen Wohnmobil fällt oft mangels Rücklagen ins Wasser. Doch es gibt Finanzmodelle, die Abhilfe schaffen können.
Viele Rentnerinnen und Rentner erhalten bei Banken keine Kredite. Denn die monatliche Rate aus Zins und Tilgung ist so hoch, dass dafür die Rente oder die Pension einfach nicht reicht. Doch es gibt zwei Auswege: Darlehen ohne Tilgung und der Teilverkauf. Beide haben Vor- und Nachteile.
Immer mehr Volks- und Raiffeisenbanken und die Allianz Versicherung haben dieses Problem erkannt und bieten daher Kredite ohne Tilgung an. Oder besser gesagt: Kredite mit aufgeschobener Tilgung. Das heißt: Die Senioren, die das Darlehen erhalten, zahlen erstmal nur die Zinsen. Die Tilgung erfolgt später. Entweder durch sie selbst oder durch die Erben. Dadurch ist die monatliche Belastung viel geringer.
Ein Rechenbeispiel: Ein 73-jähriger Rentner, der 100.000 Euro möchte, würde aufgrund seines Alters nur ein Darlehen erhalten, das in zehn Jahren komplett getilgt werden müsste. Dafür müsste er aktuell rund 965,00 Euro im Monat zahlen. Das können sich die meisten nicht leisten. Zugrunde liegt ein Zins von 3,0 Prozent und eine Tilgung von 8,59 Prozent.
Verzichtet der Anbieter auf die Tilgung, fallen nur noch 250 Euro im Monat an. Das kann man sich schon eher leisten. Zumal man Teile der aufgenommenen Summe auch für die Ratenzahlung verwenden kann.
Die mögliche Darlehenshöhe solcher Modelle richtet sich nach dem Wert der bereits abgezahlten beziehungsweise nahezu schuldenfreien Immobilie. Im ersten Schritt wird der Wert der Immobilie ermittelt. Von diesem können sich Eigentümer bis zu 60 Prozent flexibel auszahlen lassen. Dieser Betrag wird über eine Grundschuld abgesichert. Abrufbar sind Beträge ab 20.000 Euro. Vorteilhaft: Zinsen fallen nur für die Beträge an, die tatsächlich abgerufen wurden. Nehmen Sie also 50.000 Euro in Anspruch, so liegt die monatliche Zinsbelastung in diesem Beispiel bei rund 150,00 Euro.
Das Darlehen kann jederzeit ganz oder teilweise zurückgeführt werden. Man kann die Tilgung jedoch auch seinen Erben überlassen und nur die Zinsen zahlen, sodass eine niedrige monatliche Belastung herauskommt. Kundinnen und Kunden, die eine längerfristige Zinssicherheit wünschen, können einen festen Satz vereinbaren. Angeboten werden Laufzeiten zwischen zwei und zehn Jahren.
Sollten Sie bei Ihrer Bank, aber auch bei Allianz oder der Dortmund-Nordwest einen Korb bekommen, hat das in den meisten Fällen damit zu tun, dass Ihr Haushaltseinkommen zu niedrig ist. Mit einem Teilverkauf gibt es aber eine Alternativlösung. Beim Verkauf eines Teils Ihrer Immobilie (maximal 50 Prozent) bleiben Sie wohnen, können die ganze Immobilie weiter für sich nutzen: Denn Sie erhalten ein lebenslanges Nießbrauchrecht. Nießbrauch heißt: Sie können die Immobilie ganz für sich nutzen, sie aber auch ganz oder teilweise vermieten und die Mieteinnahmen für sich behalten.
Der Preis richtet sich nach dem aktuellen Verkehrswert der Immobilie, der von einem Gutachter festgestellt wird. Dessen Rechnung und die des Notars übernimmt meistens der Käufer. Da dieser Ihnen seinen Teil überlässt, zahlen Sie ihm ein Nutzungsentgelt zwischen 3,0 und 5,0 Prozent im Jahr. Bei einem Verkaufspreis von 300.000 Euro, die direkt an Sie fließen, wären also zwischen 750 und 1.260 Euro monatlich zu zahlen.
Diese Form der Immobilien-Verrentung hat folgende Vorteile: Hohe Transparenz, schnelle Abwicklung, notarielle Verträge mit Vorab-Einsicht und eine weitere Beteiligung an der Wertsteigerung der Immobilie. Allerdings gibt es auch Nachteile: Der Teilverkauf ist vergleichsweise teuer, Renovierungen müssen auch für den verkauften Teil meist allein getragen werden und einige Teilkäufer verlangen ein Mitspracherecht. Darüber hinaus können Gebühren von rund fünf Prozent für den späteren Verkauf der gesamten Immobilie anfallen. Die Plattform Finanztest rät von dem Modell eher ab, weil der Teilverkäufer das Risiko der Wertentwicklung der Immobilie allein trägt.