Statistik des Landes So groß ist der Lehrermangel in Ostfriesland
Die neue Kultusministerin hat kürzlich landesweite Defizite in der Unterrichtsversorgung offengelegt. Trifft es zu, dass in Ostfriesland nur „in Einzelfällen“ Pflichtunterricht ausfällt?
Ostfriesland/Hannover/Lüneburg - „Die Lage ist aufgrund des Fach- und Lehrkräftemangels an vielen Schulen angespannt.“ Das hat das Regionale Landesamt für Bildung und Schule Lüneburg auf eine Anfrage unserer Zeitung mitgeteilt, die an das niedersächsische Kultusministerium gerichtet war. Unsere Zeitung wollte wissen, wie es um die Unterrichtsversorgung in Ostfriesland bestellt ist.
Nach Statistiken der Landesschulverwaltung sind die Defizite noch größer als im Schuljahr zuvor. In den Kreisen Aurich und Wittmund liegt die Unterrichtsversorgung demnach schulartenübergreifend bei 97,5 Prozent, im Landkreis Leer bei 95,7 Prozent und in Emden bei 94,7 Prozent.
Die schlechteste Unterrichtsversorgung – im Kreis Wittmund und in Emden
Am schlechtesten ist es um die Versorgung im Oberschulbereich des Kreises Wittmund bestellt: Hier kommt die Landesschulverwaltung nur auf 85 Prozent. Auf jeweils 20 Lehrerstellen gerechnet, sind demnach drei nicht besetzt. Es folgen der Förderschulbereich in Emden mit 87,1 Prozent und die Integrierte Gesamtschule Emden mit 89,6 Prozent.
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Ostfriesland braucht dringend neue Lehrkräfte
Abgesehen davon, dass Emden in Ostfriesland am schlechtesten mit Lehrkräften versorgt ist, gibt es Unterschiede zwischen Schularten. Am besten versorgt sind tendenziell die Gymnasien. Sie kommen in den drei Kreisen und in Emden auf 98 bis 101,9 Prozent.
Diese Gründe nennt das Landesschulamt für die Versorgungsdefizite
Das Landesschulamt begründet die Lage mit einem Bewerbermangel, „insbesondere in ländlich strukturierten Gebieten und für bestimmt Schulformen“. Für Haupt-, Real- und Oberschulen sei es „besonders schwer“, ausreichend Interessenten zu finden. Auch Grundschulen hätten Probleme. Hinzu komme, dass die Unterrichtsfächer der zu wenigen Bewerber „oftmals nicht mit benötigten Fächern zusammenpassen“. In mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern gebe es einen großen Bedarf.
Zudem hat sich laut der Lüneburger Behörde der Unterrichtsbedarf erhöht – unter anderem durch Ganztagsunterricht, Inklusion und Sprachförderung, den Schüler-Zuzug aus der Ukraine, steigende Geburtenzahlen sowie den „vermehrten Ausfall von Lehrkräften wegen Schwangerschaft, Kinder- und Familienzeiten und Erkrankung über sechs Monate“.
Was unternimmt die Landesregierung gegen den Lehrermangel?
Die Landeschulverwaltung plant kurzfristig folgendes: „Schulen, die offene Stellen für Lehrkräfte absehbar nicht besetzen können, können die zur Verfügung stehenden Ressourcen für alternative Personalverstärkungen einsetzen.“ Pädagogische Mitarbeiter sollen zur Unterstützung im Unterricht eingesetzt werden – im Bereich der Informationstechnik (IT), als therapeutische Fachkräfte, im sozialpädagogischen Bereich sowie als Kunst- oder Musikpädagogen. „Ein entsprechendes Umsetzungskonzept ist in Vorbereitung“, teilte das Landesschulamt mit. Und „die bestehende Kooperation mit dem Wissenschaftsministerium in Sachen Bedarfsplanung und Studienplatzkapazitäten“ werde „intensiv fortgeführt“.
Die Studienkapazitäten hätten erhöht werden müssen, bevor der Lehrkräftebedarf mit Ganztagesunterricht und anderem erhöht worden sei, bemängelt der Leeraner Lehrer Stefan Störmer, der auf Landesebene die Gewerkschaft GEW führt. Schnell beseitigen lasse sich der Fachkräftemangel leider nicht. Die Lehramtsausbildung dauere sieben Jahre, erklärt Störmer. Ein Gutachten geht laut Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) davon aus, „dass das Problem Lehrkräftemangel in den nächsten 20 Jahren präsent bleiben wird“.
Fällt Pflichtunterricht in Ostfriesland nur „in Einzelfällen“ aus?
Unsere Zeitung wollte wissen, wie viele Unterrichtsstunden der zu wenigen Lehrer zuletzt ausgefallen sind. Doch die „kurzfristigen Vertretungen oder Ausfälle sowie Krankmeldungen von Lehrkräften“ würden den Landesschulämtern „nicht gemeldet“, hieß es aus Lüneburg. Eine Statistik gebe es nicht. Aber: „Sollten Kürzungen notwendig sein, dann eher bei den Zusatzbedarfen (Ganztag oder Ähnlichem).“ Lediglich „in Einzelfällen“ könne es „auch zu Kürzungen beim Pflichtunterricht kommen“.
Fällt Pflichtunterricht in Ostfriesland nur in Einzelfällen aus? Schüler und Eltern können der Redaktion ihre Erfahrungen schildern: E-Mail a.ellinger@zgo.de.