Sicherheitstechnik demonstriert Weiße Nebelwand aus Leer verscheucht Bankräuber
Die Firma Sandersfeld sichert unter anderem auch Bankfilialen. Mit einer Nebeltechnik sollen Geldautomatensprengungen verhindert werden. Die Leeraner haben die Technik einmal präsentiert.
Leer - Der Nebel wabert durch den Konferenzraum. Wo zuvor noch die Sonne durch die großen Fenster schien und zusätzlich die Lampen an der Decke für ausreichend Licht sorgten, herrscht jetzt eine Atmosphäre wie in einem Horrorfilm. Die Menschen im Raum sind nur noch schemenhaft zu erkennen. Dass Jens Boelen diese Nebelschlacht ausgelöst hat, ist allerdings erst wenige Augenblicke her. Er drückte einfach einen Knopf und schon schoß die Nebelfontäne los. Boelen, Geschäftsführer von Sandersfeld Sicherheitstechnik in Leer, hat damit demonstriert, wie die Firma mit einer Art Nebelanlage die Geldautomaten-Räume in Banken schützen kann.
Was und warum
Darum geht es: Die Firma Sandersfeld aus Leer hat eine Technik vorgeführt, mit der die Räume von Geldautomaten bei einem Raubüberfall vernebelt werden können.
Vor allem interessant für: Menschen, die sich für Sicherheit interessieren.
Deshalb berichten wir: Immer wieder gibt es Attacken auf und Sprengungen von Geldautomaten. Die Leeraner Technik soll das vereiteln. Die Autorin erreichen Sie unter: n.nording@zgo.de
Bereits elf Mal sind in Niedersachsen allein in diesem Jahr Geldautomaten von Unbekannten gesprengt und ausgeraubt worden. Auch in Leer gab es in jüngster Zeit Überfälle auf Geldautomaten. Mitte Januar war der Sparkassen-Geldautomat beim Supermarkt Multi-Nord gewaltsam geöffnet worden, im November gab ein eine Attacke auf den Geldautomaten im Ems-Park. Auch in Augustfehn, Ihlow oder Bunde gab es in den vergangenen Jahren Sprengungen in Banken oder von Bankautomaten.
Elf Sprengungen in diesem Jahr
Nachdem sich diese Taten weiterhin häufen, hat in der vergangenen Woche Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens (SPD) zeitnahe Gespräche mit Banken angekündigt. Anlass war die Sprengung eines Geldautomaten am Mittwochmorgen in Achim bei Bremen. Behrens war vor Ort: „Das Ausmaß auch der Explosion hier in Achim ist erschreckend, die eingesetzten Festsprengstoffe können dazu führen, dass Splitter, Türen oder Teile der Geldtresore zu tödlichen Geschossen werden“, sagte sie. Die Innenministerin forderte die Banken auf, die Sicherheitsmaßnahmen zu verstärken.
Auch zu den Kunden der Sicherheitsfirma Sandersfeld gehören Banken – und dort hat das Unternehmen bereits mehrfach die Nebeltechnik eingebaut. „Die Räuber sind wahnsinnig schnell“, sagt Geschäftsführerin Merle Sandersfeld-Kelm. Man habe anhand von Videomaterial die Zeit stoppen können. „75 Sekunden hat es vom Aufbrechen der Tür mit einer Axt über die Sprengung bis zur Flucht gedauert. Das sind eingespielte Profis“, sagt Boelen. Es habe schon Vorfälle gegeben, die sogar nur 60 Sekunden gedauert hätten. Da setzt die Vernebelungstechnik an. Denn sobald sich jemand gewaltsam Zutritt verschafft, dauert es nur einen kleinen Moment und die Nebelaggregate schießen los.
„Ein Gerät hat Nebel für gut 400 Kubikmeter“, erklärt Boelen. Die Räume, in denen die Geldautomaten stehen, seien allerdings deutlich kleiner. „Außerdem verbauen wir mehrere Anlagen in einem Raum“, sagt er. Das bedeutet: Ist die Anlage erstmal ausgelöst, sehen die Täter binnen weniger Augenblicke gar nichts mehr. „Ihnen bliebe dann nur noch der Rückzug“, sagt Sandersfeld-Kelm.
Bewegungsmelder löst aus
Voraussetzung sei eine professionelle Alarmanlage. Türen und Fenster müssten gesichert werden. Ausgelöst werde die Nebelmaschinen von einem Bewegungsmelder. Was bei einem Einbruch gut ist, führt allerdings zu einem anderen Problem: Wenn sich jemand im SB-Bereich versteckt, um dort die Nacht zu verbringen, löst derjenige, sobald er sich bewegt, auch die Nebelsysteme aus. „Wir arbeiten mit Kameras, die unsere Sicherheitsleitzentrale beobachtet“, sagt Boelen.
Trotzdem sei es schon zu Situationen gekommen, in denen sich jemand versteckt hat und mitten in der Nacht dann die Systeme auslöste. „Wenn man nicht darauf gefasst ist, kann einen das ganz schön erschrecken“, sagt Boelen. Ein weiterer Nachteil der Nebeltechnik: Ist sie erstmal ausgelöst, sieht man nichts mehr. „Daher wollen wir auf Wärmebildkameras umsteigen, damit wir die Täter durch den Nebel hindurch sehen“, so Boelen. Auch für die Polizei sei das ein Problem. Bis der Nebel verflogen ist, dauert es recht lange. In der Zeit sei es für die Einsatzkräfte eine unübersichtliche Lage. Außerdem löse der Nebel auch die Brandmeldeanlage aus, „da kommt dann unter Umständen auch die Feuerwehr“, sagt Merle Sanderfeld-Kelm.
Alarm für Nachbarn
Dennoch ist Boelen von seinem Produkt überzeugt. „Es dient der Straftatvereitelung“, sagt der Geschäftsführer des Leeraner Unternehmens. Gerade bei Bankfilialen, über denen Wohnungen seien, sei jeder Schutz vor Sprengungen wichtig. Bei dem Test im Konferenzraum dauert es trotz geöffnetem Fenster, bis der Nebel – der einen leichten Minzgeruch hat – verflogen ist. „Bei einem Test sind unsere Nachbarn einmal vorbeigekommen, weil sie Sorge hatten, dass es bei uns brennt“, sagt Merle Sandersfeld-Kelm. Mittlerweile wüssten sie es aber besser.