Kolumne „Alles Kultur“  Ihr jungen Frauen habt mich inspiriert

Annie Heger
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Eine Kolumne von Annie Heger
| 20.02.2023 09:42 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Annie Heger
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Eine Rede zu schreiben ist gar nicht so einfach. Unsere Kolumnistin kann davon ein Lied singen.

Nur weil in der Kulturwelt etwas Skandalöses passiert, muss man nicht drüber schreiben. Ich zumindest nicht. Hundekot im Gesicht einer Kulturkritikerin, geworfen durch einen Ballettdirektor des Staatsballetts im fernen Hannover, füllt die Spalten vieler Zeitungen. Ich empfinde diese Reaktion auf ihre angeblich „gehässigen“ Kritiken als sehr unkultiviert, bin keine Freundin solcher Kinski-Momente und bin gleichzeitig sehr froh, viel zu groß gewachsen zu sein, um eine wahre Chance in einem professionellen Corps de Ballet hätte ergattern zu können.

Doch widmen wir uns positiveren und regionaleren Nachrichten. Der Zonta Club Leer-Ostfriesland hat neulich den „Young Woman in Public Affairs Award“ verliehen. Ein Preis für herausragendes ehrenamtliches Engagement junger Frauen. Warum diese Unterstützung von „Young Women“ auch heute noch unglaublich wichtig ist, können wir gerne in einer anderen Kolumne thematisieren, doch heute geht es um etwas anderes.

Ich war dort eingeladen um eine „Keynote“ zu halten. Das ist eine Art Impulsvortrag, der zur Einstimmung der Veranstaltung gehalten wird. Sie kennen vielleicht die viel geteilten Reden von eingeladenen Alumni, oft Promis von A bis D, die bei amerikanischen Universitätsabsolventenfeiern eine Aneinanderreihung von Kalender- wahlweise Glückskekssprüchen zur Motivation der nun nicht mehr Studierenden gehalten werden.

Manche sind sehr unterhaltsam und lustig, doch die meisten sind überbordend pathetisch. Und nun sollte ich also etwas für diese großartigen jungen Menschen sagen, das irgendwie lebensverändernd und inspirierend ist. Ich habe beim Schreiben oft den Kopf geschüttelt, weil so eine wie ich, eine ohne Berufsabschluss, nun eine Rede in diesem Kontext halten soll. Doch währenddessen hat sich viel in mir sortiert: Warum ich bin, wo ich bin und vor allen Dingen die Gewissheit, dass ich jemand bin. Auch ohne Zertifikate und Abschlüsse.

Ich gratuliere Karlotta und Laura zu ihren verdienten Preisen, ihr habt mich sehr inspiriert.

Kontakt: kolumne@zgo.de

Zur Person

Annie Heger (39), geboren in Aurich und heute hauptsächlich in Berlin lebend, ist abgebrochene Religionslehrerin, abgebrochene Diätassistentin und geprüfte Heilpraktikerin für Psychotherapie, aber vor allem ist sie als Künstlerin bekannt. Sie singt, ist Schauspielerin und moderiert Shows, Festivals, Varietés und Galas. Außerdem ist sie Plattdeutsch-Aktivistin, unter anderem als Intendantin des „PLATTart“-Festivals.

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