Hamburg Olympiasieger verliert Füße und Hände: Das steckt hinter einer Sepsis
2006 triumphierte der russische Eiskunstläufer Roman Kostomarow noch bei den Olympischen Winterspielen in Turin. Jetzt, knapp siebzehn Jahre später, mussten dem Sportler in Folge einer Sepsis beide Hände und Füße amputiert werden. Wie konnte es so weit kommen?
Es ist der 10. Januar 2023, als der ehemalige Eiskunstläufer Roman Kostomarow mit einer schweren Lungenentzündung in ein Moskauer Krankenhaus eingeliefert wird. Auslöser war laut russischen Medien offenbar eine Infektion mit dem Coronavirus. Kostomarows Gesundheitszustand verschlechtert sich rapide, die Ärzte versetzten ihn Anfang Februar ins Koma und schließen ihn an eine Herz-Lunge-Maschine an.
Doch allein dabei bleibt es nicht. Das medizinische Personal diagnostiziert zudem eine Blutvergiftung, die sich der russische Sportler vermutlich infolge der Lungenentzündung zuzog. Die Ärzte sehen sich dazu gezwungen, Kostomarow beide Füße zu amputieren, mittlerweile soll der Olympiasieger von 2006 auch seine beiden Hände verloren haben. Eine offizielle Bestätigung dafür steht allerdings noch aus.
Die Mediziner hatten zuvor ein sogenanntes Gangrän bei Kostomarow festgestellt. Dabei sterben Teile des Körpers aufgrund einer Blutunterversorgung ab. Im Falle des russischen Sportlers war das Gangrän zunächst in den Füßen diagnostiziert worden, weshalb sie amputiert werden mussten. Dennoch breitete sich die Krankheit weiter im Körper aus, weshalb nun auch die Hände abstarben.
Dass sich Kostomarows Gesundheitszustand so rapide verschlechterte, entspricht nach Angaben des MDR dem gewöhnlichen Krankheitsverlauf einer Sepsis, die umgangssprachlich auch Blutvergiftung genannt wird. Die Erkrankung beginnt mit einer Infektion. Dies kann, wie in Kostomarows Fall, eine Lungenentzündung sein, aber auch eine Wunde.
Wenn Bakterien dabei in den Blutkreislauf gelangen, entwickelt sich häufig innerhalb kürzester eine Blutvergiftung, die mitunter lebensgefährlich sein kann. Zwar gelingt es der körpereigenen Abwehr meist, eine Infektion erfolgreich zu bekämpfen. Doch manchmal schaffen es die Erreger, sich im Körper über das Lymph- und Blutgefäßsystem auszubreiten. Das Immunsystem antwortet dann mit einer Reaktion, die den Organismus nicht schützt, sondern ihm Schaden zufügt.
Grundsätzlich ist jeder Mensch anfällig für eine Sepsis. Zur Vorbeugung helfen jedoch gängige Hygienemaßnahmen sowie Impfungen. Trotzdem sind manche Gruppe besonders gefährdet. Dazu gehören sowohl Frühchen als auch ältere Menschen ab 60 Jahren. Hinzu kommen Menschen mit einem schwachen Immunsystem oder einer chronischen Erkrankung, aber auch Menschen mit Wunden oder Verletzungen sowie Alkohol- und Drogenabhängige.
Sehen Sie in der Statista-Grafik die Anzahl der Hauptdiagnosen von Sepsis in deutschen Krankenhäusern nach Altersgruppe im Jahr 2020:
In Deutschland gehört die Blutvergiftung zu den häufigsten Todesursachen. Laut MDR erkranken hierzulande jährlich 340.000 Menschen an einer Sepsis, wobei 75.000 Betroffene sterben. Zwischen 15.000 und 20.000 Todesfälle gelten dabei als vermeidbar, da die Krankheit sowohl von den Betroffenen als auch vom medizinischen Personal häufig zu spät erkannt wird.
Nach Angaben des Uniklinikums Jena ist ein Grund dafür, dass die Symptome einer Sepsis oft recht unspezifisch sind. Demnach gehört zu den Anzeichen einer Blutvergiftung Verwirrung und Orientierungslosigkeit, Atemnot beziehungsweise schnelles Atmen sowie niedriger Bluthochdruck oder eine hohe Herzfrequenz.
Hinzu kommen ein extremes Krankheitsgefühl, Fieber, Schüttelfrost, Schwitzen und eine feuchte Haut. Noch bevor eine Sepsis überhaupt sicher diagnostiziert wurde, verabreichen Ärzte meistens eine Antibiotikum, da die Überlebenschance steigt, je früher mit der Therapie begonnen wird.