Landesamt half erst nicht Wiefelsteder Schule rief Vier-Tage-Woche aus – wegen Personalnot
Das Osnabrücker Landesschulamt hat der Wiefelsteder Grundschule trotz akuter Personalnot keine kurzfristige Personalhilfe geboten. Das änderte sich erst, als die Schule eine 4-Tage-Woche ankündigte.
Ostfriesland/Wiefelstede - Niedersachsens Schulverwaltung hat für die öffentlichen allgemeinbildenden Schulen in Ostfriesland zu Beginn des Schuljahres einen Unterrichtsbedarf von 82.552,4 Stunden errechnet – doch es fehlen Lehrkräfte für 2825 Stunden. Das geht aus Statistiken für die Landkreise Aurich, Leer und Wittmund sowie die Stadt Emden hervor, die das Regionale Landesamt für Schule und Bildung Lüneburg auf Anfrage unserer Zeitung übersandt hat.
Die Lücke in der Unterrichtsversorgung an niedersächsischen Schulen sei „noch größer“ geworden – „die Zahlen bestätigen einmal mehr den großen Handlungsbedarf“. Diese Aussage stammt weder vom Landeselternrat noch von der Lehrer-Gewerkschaft GEW – so ließ sich die neue Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) in einer Mitteilung vom 1. Februar zitieren.
Kurzfristige Maßnahme im Sinne der Kultusministerin?
Ein paar Tage früher äußerte sich Hamburg wie folgt zum Lehrermangel: „Allen Beteiligten in Niedersachsen ist klar, dass wir zusammen Maßnahmen definieren müssen, um kurzfristig mit dem Fachkräftemangel umzugehen – aber auch langfristig für die Behebung des Fachkräftemangels zu sorgen.“
Die Grundschule Wiefelstede (Kreis Ammerland) hat nun eine kurzfristige Maßnahme definiert. Sie hat für mehr als 300 Schülerinnen und Schüler die Vier-Tage-Woche eingeführt, wie die Deutsche Presse-Agentur (DPA) am Dienstag unter Berufung auf Medienberichte schrieb. Das Landesschulamt Lüneburg bestätigte unserer Zeitung: „Die Personalsituation an der Grundschule Wiefelstede ist angespannt.“ Drei Lehrerinnen seien wegen Corona-Mutterschutzbestimmungen der Gesundheitsbehörden für den Präsenzbetrieb ausgefallen, eine weitere Lehrkraft aus anderen Gründen längerfristig.
Landesschulamt korrigiert am Abend seine Stellungnahme
In seiner ersten Stellungnahme schrieb das Landesamt: „Gleichwohl war die getroffene Entscheidung, für einzelne Jahrgänge einen Unterrichtstag zu streichen, weder alternativlos noch mit dem zuständigen Regionalen Landesamt für Schule und Bildung in Osnabrück – und auch nicht mit dem Kultusministerium – abgestimmt.“ Mehrere Maßnahmen würden nun „sofort umgesetzt“, so dass „die ,Vier-Tage-Woche‘ damit vom Tisch ist“.
Am Abend schickte die Lüneburger Behörde eine korrigierende Ergänzung: Die Schule habe das Osnabrücker Landeschulamt bereits am Freitag über die Situation informiert. Das Amt habe „mittelfristig“ eine „umfassende und schnellstmögliche Unterstützung zugesagt“, unter anderem „Abordnungen und Vertretungsverträge, um den Unterricht laut Stundentafel aufrecht erhalten zu können“. Obwohl die Behörde demnach keine kurzfristige Personalhilfe bot, war sie offenbar überrascht, dass die Schule per Elternbrief eine Vier-Tage-Woche ankündigte.
Jetzt soll der Wiefelsteder Grundschule geholfen werden
„Der Fokus“ des Osnabrücker Schulamtes liege „nun darauf, die Schule umfassend zu unterstützen“, heißt es in der Ergänzung aus Lüneburg. „Ab Donnerstag dieser Woche wird damit an allen fünf Tagen der Unterricht verlässlich stattfinden.“ Dazu hätten „bereits heute“ – also am Dienstag, nachdem die Schule am Freitag ihre Lage geschildert hatte – „erste Gespräche in der Schule stattgefunden“.
Warum bis dahin – seit dem Hilferuf der Schule – mehrere Tage vergingen, blieb offen. Das Lüneburger Amt hatte in seiner ersten Auskunft erklärt: „Das Streichen ganzer Unterrichtstage ist insbesondere an Grundschulen mit ihrer Verlässlichkeit grundsätzlich nicht vorgesehen.“
Auch wenn eine „Vier-Tage-Woche“ eine gewerkschaftliche Forderung sein könnte – im Falle der Wiefelsteder Grundschule sprach GEW-Landesvorsitzender Stefan Störmer von einem „absoluten Notfall“. Der Lehrer aus Leer bewertete diesen Vorgang als erstes Anzeichen, dass „das System kollabieren“ könnte. Laut Kultusministerium ist die Unterrichtsversorgung auf 96,3 Prozent gesunken.
Lehrkräftemangel – eine glatte 6 für die Landesschulverwaltung
Der Kampf gegen die Personalnot in ostfriesischen Schulen
Vier-Tage-Woche – so schnell können Schulen in Notlagen geraten
So groß ist der Lehrermangel in Ostfriesland