Halber Schweinskopf Ostfriesland hat kreative Straßennamen zu bieten – neue gesucht
In Jemgum darf man Ideen für Straßennamen einreichen. Manchmal fragt man sich, wer die Einfälle für bestehende Namen hatte: Halber Schweinskopf allen voran.
Jemgum/Ostfriesland - Hauptstraße, Schulstraße, Gartenstraße – das kann ja jeder. In Jemgum sollen die Bürgerinnen und Bürger jetzt ihre Ideen dazu einreichen, wie die Straßennamen in den Neubaugebieten in Ditzum und Jemgum ausfallen sollen. Die Verwaltung hatte Vorschläge gemacht, aber es war Wunsch der Gremien, dass auch die Bürger ein Wort mitzureden haben sollten.
Was und warum
Darum geht es: Straßennamen können lustig sein, sie ehren ihre Namensgeber oder lassen einen verdutzt zurück. So manches Straßenschild in der Region ist einen zweiten Blick wert.
Vor allem interessant für: diejenigen, die etwas schmunzeln möchten
Deshalb berichten wir: In Jemgum sollen Bürgerinnen und Bürger abstimmen und ihre eigenen Einfälle einreichen. Die Autorin erreichen Sie unter: v.vogt@zgo.de
„Also haben wir uns überlegt, wie das gehen könnte. Wir werden ein Online-Formular dafür anbieten, aber auch Zettel im Rathaus und der Tourist-Info in Ditzum auslegen für die, die nicht internetaffin sind“, sagt Bürgermeister Hans-Peter Heikens. Drei Wochen lang soll man auf den Formularen Vorschläge auswählen und eigene eintragen können. In Jemgum schlägt die Verwaltung zum Beispiel vor, eine Straße nach Wilhelmine Siefkes (1890-1984) zu benennen. Die bekannte Leeraner Politikerin und Autorin hatte 1910 in Jemgum ihre erste Stelle als Lehrerin angetreten.
Schon jetzt wilde Namen dabei
Es gibt einige bekannte Beispiele für ungewöhnliche Straßennamen: Das Schulterblatt oder die Rutschbahn in Hamburg, der Unterer Fauler Pelz in Heidelberg, die Milchstraße in Offenburg oder die Beamtenlaufbahn, die gleich in mehreren Städten zu finden ist. Ostfriesland muss sich aber nicht verstecken, wenn es um kuriose Straßennamen geht. Wahrscheinlich der Spitzenreiter: Halv Schwienskopp, eine Straße in Blomberg (Kreis Wittmund) in Ostfriesland. Übersetzt: Halber Schweinskopf. Aber auch Brummelburg (Leer), Rotzmense (Bensersiel), Sandkastenweg (Uplengen) oder Fetter Strich (Neuharlingersiel) könnten den ein oder anderen zum Schmunzeln bringen oder verdutzt zurücklassen.
Neben den Straßen und Plätzen, die nach bekannten Persönlichkeiten benannt sind, gibt es in der Region viele, die eine weniger offensichtliche Geschichte haben. Unter anderem die Flurnamensammlung der Ostfriesischen Landschaft beschäftigt sich mit der Namensgebung von Feldlagen, einzelnen Flurstücken, Wegen und Gewässern. Eine Arbeitsgruppe hat mehr als 73.000 Namen zusammengestellt. Viele davon gründen auf Sagen. Darunter zum Beispiel der Conrebbersweg (auch mit K). Davon gibt es mehr als einen in Ostfriesland, heißt es auf der Internetseite flurnamen-ostfriesland.de. Man findet ihn zum Beispiel auch in Veenhusen, in Emden und in Westoverledingen. Dazu passt die Sage: Wilhelmine Siefkes schreibt in ihrem Buch „Ostfriesische Sagen und sagenhafte Geschichten“ von 1968: „Die Konrebberswege sind uralt. König Radbod soll sie angelegt haben und auf ihnen durchs Land geritten sein. Oft ging’s durch Moor und Sumpf und abgelegene Weiten. In den wilden Nächten raste sein Geisterheer über sie hinweg.“ Autorin ist übrigens eben die Wilhelmine Siefkes, die vielleicht bald in Jemgum eine Straße bekommt.
Grenzen der Namensgebung
Immer wieder führen Straßennamen aber auch zu Konflikten. Ein Beispiel ist die Diskussion über die Bavinkstraße in Leer. Der gebürtige Leeraner Bavink hatte sich als Wissenschaftler und Naturphilosoph einen Namen gemacht. Er war ein Anhänger der Nationalsozialisten und hatte mit anderen die theoretischen Grundlagen für das Dritte Reich gelegt. Die Verwaltung favorisierte eine Auseinandersetzung mit Bernhard Bavink. Anstatt umzubenennen, sollte aufgeklärt werden. Dem stimmte die Politik mehrheitlich zu. Für solche Fälle gibt es kein Regelwerk. „Allgemeine Handlungsempfehlungen zum Umgang mit problematischen Straßenbenennungen kann es nicht geben. Vielmehr gilt, vor Ort für jeden Einzelfall ein möglichst differenziertes Bild über historische Personen und Ereignisse zu ermitteln“, rät der Deutsche Städtetag.
Fest steht allerdings: Straßennamen sollen Ordnen und Orientierung geben, so der Städtetag. Es kann also nicht jeder in der Schlossallee wohnen. Die Ideen der Jemgumer dürften unterschiedlich genug ausfallen.