Urlaub in Ostfriesland  Dauercamper sollen in Grotegaste weichen

Geertje Wehry
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Von Geertje Wehry
| 10.02.2023 14:27 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Extra Wohnmobil-Stellplätze gibt es in Grotegaste zusätzlich zu den Touristenplätzen. Foto: Picture alliance/dpa
Extra Wohnmobil-Stellplätze gibt es in Grotegaste zusätzlich zu den Touristenplätzen. Foto: Picture alliance/dpa
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Teilweise seit Anfang der 1990er haben Camper in Grotegaste ihre Parzellen. Nun sollen sie umziehen, das kommt nicht gut an.

Grotegaste - Das Schreiben, das zahlreiche Dauercamper, die ihre Wohnwagen auf dem Campingplatz „Am Emsdeich“ in Grotegaste stehen haben, im Januar erhielten, trug die Überschrift „Umstrukturierung des Campingplatzes“. Dahinter verbirgt sich für einige der Camper das Ende ihres jahrelangen Aufenthalts in Grotegaste, denn: Sie sollen umziehen. Was auf den ersten Blick für Camper gar nicht so schlimm sein kann, gestaltet sich jedoch schwierig.

„Wir wissen gar nicht, wie wir das schwere Vorzelt abbauen sollen“, sagt Gaby Schwerdt. Gemeinsam mit ihrem Mann Willy verbringt sie bereits seit den 1980ern ihre Freizeit auf dem Platz. „Wir hatten eigentlich gedacht, dass wir, wenn wir aufhören zu campen, das Ganze komplett verkaufen können“, sagt Willy Schwerdt. Doch auf der Parzelle, auf der sie bisher standen, kann ihr Wagen nicht stehen bleiben. Denn die Dauercamper sollen ab 2024 in zwei Bereiche aufgeteilt werden, statt wie bisher in quasi allen Bereichen des Platzes Parzellen zu belegen. „Der Campingplatz wird in verschiedene Bereiche für Dauer- und Saisoncamping, Touristen- und 88-Tageplätze und Stellflächen für Mietobjekte aufgeteilt“, teilt Matthias Behrends, Betriebsleiter des Campingplatzes, auf Anfrage mit. Zum einen sollen so Energie- und Unterhaltskosten der Sanitärgebäude gesenkt werden, zum anderen könnten nur durch die neue Struktur die Touristenplätze online vermarktet werden, so Behrends.

Neue Plätze sind anders bemessen

Bisher campten auf dem Platz Touristen und Dauergäste durcheinander. Trotzdem seien richtige Nachbarschaften entstanden, wie Björn und Siegfried Scholz aus Peine wissen. Seit 1989 fährt die Familie, zunächst noch ohne Björn, der noch geboren werden musste, auf nach Grotegaste. „Man entwurzelt die Camper“, kritisiert er. Das Schreibe habe die meisten sehr abrupt getroffen. „Die Kommunikation war schlecht“, urteilt er. Durch das Schreiben sei nicht deutlich geworden, warum der Umzug notwendig sei. Inzwischen gab es auch Gerüchte, dass der Platz für den Verkauf an einen Investor schön gemacht werden würde. Doch das wird von Behrends und Gemeindepressesprecherin Kirsten Beening dementiert: „Das können wir so nicht bestätigen“.

Allen Campern wurden in den neuen Dauerbereichen, diese liegen einmal vom See aus links vom Wallschloot und am südlichen Ende des Platzes, neue Plätze angeboten. Die Vergabe, so heißt es im Schreiben, würde nach dem Windhundprinzip geschehen. Wer sich also früh meldet, bekommt seinen Wunschplatz. Einfach ist das trotzdem nicht, wie Björn Scholz betont: „Wir haben einen Wohnwagen hat Überbreite, wir wissen noch gar nicht, ob er überhaupt auf einen der angebotenen Plätze passt.“

So soll der Campingplatz in Grotegaste in Zukunft aussehen. Die Dauercamper sollen in die orangen Bereiche ziehen, Touristen können auf den blauen Stellplätzen übernachten und im grünen Bereich sollen Ferienhäuser entstehen. Grafik: Schüür
So soll der Campingplatz in Grotegaste in Zukunft aussehen. Die Dauercamper sollen in die orangen Bereiche ziehen, Touristen können auf den blauen Stellplätzen übernachten und im grünen Bereich sollen Ferienhäuser entstehen. Grafik: Schüür

300 Euro Nachlass

Eine weitere Camperin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, und ihre Familie gehören noch nicht zu den Urgesteinen auf dem Platz. Trotzdem trifft sie der angekündigte Zwangsumzug hart. „Wir sind seit 2020 Dauercamper. Wir haben gerade alles fertig und hätten dieses Jahr mal ganz entspannt Urlaub machen können“, sagt sie. Es sei nicht mit einem schnellen Auf- und Abbau getan, da viele Dinge genau für die eigene Parzelle passend gemacht worden seien. „Wenn wir unseren Wunschplatz nun nicht bekommen, werden wir wohl gehen“, sagt sie. Die Anlage hätten sie aufgrund des Badesees ausgesucht. „Wenn wir dann ganz weit weg vom See wären , ist der Mehrwert für uns weg“, sagt sie. Im Schreiben wird Hilfe beim Umzug angekündigt. Sie ist gespannt, wie diese aussehen wird.

Laut Behrends geht es dabei um direkte Hilfe. „Das bedeutet, dass wir zum Beispiel den Wohnwagen mit unserem Schlepper auf den neuen Platz ziehen können oder den Fußboden mit einem Radlader auf den neuen Platz bringen“, teilt er mit. Hilfe beim Abbau erwähnt er nicht. Betont jedoch, dass die Gemeinde den betroffenen Campern finanziell entgegenkommen werde. 300 Euro Platzmiete sollen für 2024 erlassen werden. Für dieses Jahr betragen die Dauerpreise je nach Platzgröße und Lage zwischen 1200 und 1425 Euro.

Abschied für immer

Camper, die lieber nicht umziehen wollen, erhalten keine Entschädigung. Das trifft auch das Ehepaar Schwerdt hart. Ihr Wohnwagen ist nicht mehr fahrbereit, die Instandsetzung kann das Paar nicht mehr selber übernehmen. Und auch das Vorzelt mit festem Alurahmen, das vor einigen Jahren in Absprache mit dem damaligen Platzwart aufgestellt wurde, wird zum Problem. Allein die feste Tür darin könne das Ehepaar nicht allein tragen. „Für uns lohnt es sich nicht mehr“, sagt Willy Schwerdt. Einen Umzug könnte das Paar nicht mehr selbst bewerkstelligen, ist sich seine Frau sicher. „Der Zeltabbau ist zudem ein riesiger Aufwand“, sagt Gaby Schwerdt. Für das Paar ist damit klar, dass sie in diesem Jahr Abschied von dem Campingplatz nehmen werden. Bis zum Herbst werden sie damit wohl nicht warten können. „Dann wird niemand mehr unsere Sachen kaufen und verschenken können wir es nicht“, so Gaby Schwerdt. Es wird ein emotionaler Abschied, da ist sich das Paar sicher, denn unter anderem durch den Campingplatz haben die Nordrhein-Westfalen ihre neue Wahlheimat im Oberledinderland gefunden.

Auf dem Campingplatz erhofft man sich durch die geplante Neueinteilung auch etwas mehr Ruhe auf den Wegen. „Touristenplätze sind höher frequentiert als Dauerplätze. Es würde also wenig Sinn machen, die Touristen mit ihren Wohnwagengespannen in den hinteren Teil zu schicken. Die Anfahrt zum Stellplatz soll somit so unkompliziert wie möglich werden“, so Gemeindepressesprecherin Beening. Die Kritik der Camper, dass der Umzug eine relativ kurze Vorlaufzeit habe, teilt man bei der Gemeinde nicht. „Da auch wir entsprechende Einbußen in der Übergangszeit haben, mussten wir hier einen Kompromiss finden, mit dem - so glauben wir - jede Partei zurechtkommen kann“, sagte Behrends. Für viele der älteren Camper wird es die wahrscheinlich letzte Saison in Grotegaste sein, danach werden sich einige aus der Nachbarschaft anderswo auf dem Gelände wiedertreffen.

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