Flott und gefürchtet  Rauf auf den E-Scooter, aber runter vom Gehweg

Karin Lüppen
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Von Karin Lüppen
| 09.02.2023 14:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Auf dem Gehweg bitte absteigen – mit dem E-Scooter darf man dort nicht fahren. Foto: rcfotostock/Stock.Adobe.com
Auf dem Gehweg bitte absteigen – mit dem E-Scooter darf man dort nicht fahren. Foto: rcfotostock/Stock.Adobe.com
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Betrunkene auf E-Scootern fallen auf ostfriesischen Straßen unangenehm auf. Die Elektro-Tretroller könnten jedoch ein anderes Problem lösen.

Ostfriesland - Zu Weihnachten scheinen E-Scooter ein beliebtes Geschenk gewesen zu sein. Denn im Straßenverkehr sieht man elektrisch angetriebene Roller seit dem Fest auffallend oft. Leider fallen sie der Polizei manchmal unangenehm auf. Nämlich dann, wenn die Fahrer angetrunken oder von Drogen berauscht sind. Kürzlich stürzte ein betrunkener Moormerländer mit seinem Gefährt und beleidigte dann noch die Beamten, die bei dem Unfall im Einsatz waren.

Was und warum

Darum geht es: Es fällt auf: Immer mehr E-Scooter sind auf den hiesigen Straßen unterwegs.

Vor allem interessant für: Nutzer von E-Scootern und Menschen, die diese verachten

Deshalb berichten wir: In jüngster Zeit gab es mehrere Polizeimeldungen zu betrunkenen E-Scooterfahrern sowie Unfällen mit den Fahrzeugen.

Die Autorin erreichen Sie unter: k.lueppen@zgo.de

Die Polizeistreifen hätten ein Auge auf Betrunkene auf E-Scootern, sagt Dennis Janssen, Pressesprecher der Polizeiinspektion Leer-Emden. Es gälten die gleichen Promillegrenzen wie für Autofahrer, also höchstens 0,5 Promille, wenn die Fahrt ohne Ausfallerscheinungen oder Unfall verläuft. Dagegen zählt es bereits als Straftat, wenn der E-Scooterfahrer mit 1,1 Promille erwischt wird – egal ob seine Fahrweise unsicher war oder nicht.

Ahnungslosigkeit zu Promillegrenzen

„Das wissen viele nicht“, sagt Anika Meenken, Sprecherin für Radverkehr und Mobilitätsbildung beim ökologischen Verkehrsclub Deutschland (VCD). Sie verweist auf eine Umfrage, die für den Deutschen Verkehrssicherheitstag gemacht wurde. Danach wusste mehr als die Hälfte der Befragten nicht, welche Alkoholwerte auf dem Elektroroller erlaubt sind. „Dabei kann es richtig teuer werden und sogar ein Fahrverbot nach sich ziehen“, sagt Meenken.

Leider sei Alkohol am Lenker eine der häufigsten Unfallursachen für Unfälle mit E-Scootern. Ein Indiz dafür, dass Menschen sorglos auf den Roller steigen, wenn sie von einer Party oder aus der Kneipe angeschickert nach Hause wollen. Kein Wunder, dass ein Autor der Süddeutschen Zeitung die Miet-E-Scooter „ein niedrigschwelliges Angebot für Trunkenheitsfahrten“ nannte. Unfälle gab es im Gebiet der PI Leer-Emden zuletzt häufiger.

Mehr Unfälle mit E-Scootern

2019 passierten keine Unfälle mit E-Scootern, im Jahr 2020 bereits vier und 2021 zehn. Für 2022 lagen keine Daten vor, aber Janssen geht davon aus, dass es noch mehr sein werden, einfach, weil mehr E-Scooter im Verkehr sind. Hinzu kommt, dass nicht allen Nutzern bekannt sei, was sie mit dem Roller dürfen und was nicht. So sieht man häufig, dass zwei Personen gleichzeitig damit fahren, sie düsen auf Gehwegen und in der Fußgängerzone herum oder transportieren Bierkisten zwischen den Füßen – so soll es nicht sein. Die Regeln für E-Scooter sind eindeutig. Für den Straßenverkehr zugelassene elektrisch angetriebene Roller müssen nicht nur versichert sein und ein entsprechendes Kennzeichen haben. Sie müssen mit einer funktionierenden Beleuchtung vorne und hinten sowie einer Klingel ausgestattet sein, sagt Meenken. Für die Fahrt auf öffentlichen Straßen müssen die Nutzer mindestens 14 Jahre alt sein, ein Führerschein ist nicht erforderlich. Ein Helm wird empfohlen.

Bei Dunkelheit muss das Licht eingeschaltet sein. Gefahren wird auf der Straße. Foto: Henning Kaiser/dpa
Bei Dunkelheit muss das Licht eingeschaltet sein. Gefahren wird auf der Straße. Foto: Henning Kaiser/dpa

Ganz wichtig: Gefahren wird mit dem E-Scooter auf gekennzeichneten Radwegen oder der Straße. Der Gehweg ist für die Roller tabu, genauso die Nutzung zu zweit. „Das ist nicht erlaubt“, macht Janssen deutlich. Für den Transport von Lasten gibt es zwar keine Regelung, aber „davon würde ich dringend abraten“, sagt Anika Meenken. Diese könne man nicht sichern. Somit würden zwischen den Füßen abgestellte Dinge leicht herunterfallen und die Unfallgefahr erhöhen.

Lückenschluss zur Bushaltestelle

Die gebürtige Auricherin, die in Berlin lebt, findet es schade, dass E-Scooter momentan eher unangenehm auffallen. In der Hauptstadt komme das Problem dazu, dass die Miet-Roller einfach überall stehen- und liegengelassen werden und so zum Ärgernis werden. Dabei könnte der handliche Elektroroller sogar ein guter Beitrag zur Verkehrswende sein, findet die VCD-Radverkehrsprecherin.

Zwar werde in Ostfriesland viel Fahrrad gefahren, „aber eher ist das Auto allgegenwärtig“, sagt Meenken. Anders als in der Großstadt, wo es ein flächendeckendes Angebot an Bus und Bahnen gibt, sei jedoch in ländlichen Gemeinden der Weg zur Haltestelle das Problem, der zu Fuß zu weit ist. Für solche Distanzen, bis zu zwei Kilometern, sei der E-Scooter eine ideale Lösung. „Zumal ich den Roller im Unterschied zum Fahrrad im Bus mitnehmen kann“, sagt sie.

Viel Verkehr auf Radwegen

Das gleiche gelte zum Beispiel zwischen Bus und Arbeitsplatz, wo der E-Scooter die gleichen Dienste leisten könnte, ohne einen Parkplatz zu beanspruchen. „Dafür ist dieses leichte und wendige Fahrzeug ideal“, sagt Meenken. Damit die Strecke zum Bus aber sicher zurückgelegt werden kann, bräuchte es aus Sicht des VCD vor allem bessere und breitere Fahrradwege.

Denn auf den Radspuren wird es durch Fahrradfahrer, E-Bikes und Lastenfahrräder zunehmend enger. Kommen noch E-Scooter dazu, gibt es viele Nutzer mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten. „Deshalb brauchen wir die Umwidmung von mehr Verkehrsflächen für den Radverkehr“, fordert Meenken für den VCD. Damit es darauf stör- und unfallfrei zugeht, müsse mehr Aufklärung geleistet werden – aber ebenso „stärkere Kontrollen“, so Meenken.

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