Osnabrück  Sinkende Reallöhne und Rekordgewinne bei Firmen passen nicht zusammen

Corinna Clara Röttker
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Von Corinna Clara Röttker
| 07.02.2023 14:58 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Die Reallöhne in Deutschland sind im vergangenen Jahr wegen der höchsten Inflation seit Bestehen der Bundesrepublik im Rekordtempo gefallen. Für rund 160.000 Post-Mitarbeiter fordert die Gewerkschaft ver.di 15 Prozent mehr Lohn. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
Die Reallöhne in Deutschland sind im vergangenen Jahr wegen der höchsten Inflation seit Bestehen der Bundesrepublik im Rekordtempo gefallen. Für rund 160.000 Post-Mitarbeiter fordert die Gewerkschaft ver.di 15 Prozent mehr Lohn. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
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Wegen der hohen Inflation sind Löhne und Gehälter immer weniger wert. Viele Firmen hingegen fahren Rekordgewinne ein. Für die laufende Tarifrunde ist das zu Recht Zündstoff.

Für Deutschlands Beschäftigte ist es ein Dilemma: Wegen der höchsten Inflation seit Bestehen der Bundesrepublik, sind ihre Löhne und Gehälter immer weniger wert. Das ist bitter, vor allem da viele Unternehmen allen Krisen zum Trotz mitunter prächtig verdienen.

Die Deutsche Post beispielsweise erwartet für das vergangene Jahr einen Rekordgewinn von rund 8,4 Milliarden Euro. Bei vielen Dax-Konzernen sieht es nicht anders aus. Wie das Beratungsunternehmen EY in einer Auswertung aufzeigt, haben die hundert umsatzstärksten Unternehmen in Deutschland ihren Umsatz in den ersten neun Monaten 2022 um 30 Prozent gesteigert. Wie bitteschön passt das mit den Löhnen zusammen? Die Antwort lautet: gar nicht. Nahezu absurd erscheinen einem heute gar die Warnungen vonseiten der Politik im vergangenen Sommer vor einer möglichen Lohn-Preis-Spirale. Damals wurden Arbeitnehmer gebeten, sich mit Lohnforderungen entsprechend zurückzuhalten, schließlich würden auch die Unternehmen unter den hohen Preisen leiden.

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Umso wichtiger, dass Gewerkschaften nun in vielen Branchen versuchen, in Tarifverhandlungen kräftige Lohnsteigerungen durchzusetzen, die manch einem vielleicht überzogen erscheinen, letztlich aber oftmals auf mehrere Jahre verteilt sind und selbst dann - wie beispielsweise in der Metall- und Elektroindustrie - häufig noch nicht einmal die Inflation ausgleichen.

Es gilt: Arbeitgeber müssen Sorge dafür tragen, dass ihre Beschäftigten nicht diejenigen sind, die am Ende die Kosten der Inflation alleine tragen. Zumal gerade die Wirtschaft darunter leidet, wenn der Konsum schwächelt, weil die Menschen immer mehr an Kaufkraft verlieren. Gibt es aber dort, wo gutes Geld verdient wird, angemessene Lohnerhöhungen, profitieren davon am Ende auch die Unternehmen selbst - insbesondere in Zeiten des Fachkräftemangels.

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