Angriff von Brokstedt  Letzte Chance für Anna Gallina

Markus Lorenz
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Ein Kommentar von Markus Lorenz
| 06.02.2023 17:41 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 1 Minute
In der Defensive: Justizsenatorin Anna Gallina. Foto: DPA
In der Defensive: Justizsenatorin Anna Gallina. Foto: DPA
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Im Zusammenhang mit dem mutmaßlichen Brokstedt-Attentäter hat Hamburgs Justizsenatorin Anna Gallina ein entscheidendes Detail verschwiegen. Warum, ist unklar. In Schwierigkeiten steckt sie aber in jedem Fall.

Nichts falsch gemacht, Schuld haben die anderen – vorwiegend in Kiel: Mit dieser Haltung schien Hamburgs Justizsenatorin Anna Gallina die Angriffe gegen ihre Person im Zusammenhang mit der blutigen Messertat von Brokstedt abgewehrt zu haben. Schien. Nun ist klar: Die Grünen-Politikerin hat dem Justizausschuss ein ganz wesentliches Detail vorenthalten: Dass Ibrahim A. in Hamburger Haft einen Anschlag nach dem Muster des Lkw-Terroristen Anis Amri andeutete, hätte Gallina den Abgeordneten zwingend preisgeben müssen – auch unabhängig davon, wie ernst Ibrahim A. die Drohung meinte.

Dass die Senatorin einen derart zentralen Hinweis verschwieg, kann nach aller Wahrscheinlichkeit nur zwei Gründe haben: Entweder kannte sie ihn selbst nicht – was unverzeihlich wäre. Denn eine Behördenchefin, deren Leute sie bei einem derart heiklen Thema nicht umfassend in Kenntnis setzen, hat ihren Laden nicht im Griff. Oder aber: Gallina ließ die Attentatsankündigung weg, um keine neue Angriffsfläche zu bieten.

Egal, welche Erklärung zutrifft: Jede für sich liefert einen Rücktrittsgrund. Die Justizsenatorin hat genau noch eine Chance, die ungeheuerliche Informationsverweigerung irgendwie schlüssig zu erklären. Sie wird wissen: In der Sondersitzung des Justizausschusses kämpft sie ums politische Überleben.

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