Kein Kabarett in Weener mehr  Katja schließt Musikcafé am Hafen – was kommt jetzt?

Tatjana Gettkowski
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Von Tatjana Gettkowski
| 07.02.2023 12:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Katja Zwezerijnen beherrscht neben dem Klavier auch noch andere Instrumente. Foto: Katja Zwezereijnen/Archiv
Katja Zwezerijnen beherrscht neben dem Klavier auch noch andere Instrumente. Foto: Katja Zwezereijnen/Archiv
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Katja Zwezerijnen hat sich bei ostfriesischen Kunst- und Kulturfreunden einen Namen gemacht. Jetzt hat sie ihr Musikcafé am Hafen von Weener geschlossen und will neue Ideen verwirklichen.

Weener - Sechs Jahre lang lockte Katja Zwezerijnen als transsexuelle Frau mit ihrem originell-frivolen Kabarettprogramm Besucher nach Weener. „Bei Katja am Hafen“ gab es immer etwas zu lachen. Die Musikkneipe entwickelte sich bei kunst- und kulturinteressierten Touristen und Ostfriesen zum Geheimtipp. Doch jetzt ist Feierabend. Am 28. Januar hat sich Katja Zwezerijnen mit einem Bühnenprogramm von ihrem Publikum verabschiedet.

Was und warum

Darum geht es: Katja Zwezerijnen wird nicht mehr in ihrem eigenen Musikcafé auftreten, sondern als Kabarettkünstlerin auf Tour gehen.

Vor allem interessant für: Alle, die sich für das kulturelle und gastronomische Angebot in der Region interessierern

Deshalb berichten wir: Katja Zwezerijnen gibt das Musikcafé „Bei Katja am Hafen“ in Weener auf.

Die Autorin erreichen Sie unter: t.gettkowski@zgo.de

Katja Zwezerijnen ist ein bunter Paradiesvogel. Sie lackiert sich gerne die Fingernägel, trägt Makeup und unterschiedliche Perücken. „Ich fühle mich in dieser Rolle einfach wohl.“ Obwohl sie auf Frauen und nicht wie manche vermuten auf Männer steht, wird sie gerne als Frau wahrgenommen. Und sie genießt die volle Aufmerksamkeit ihres Publikums. Vor allem in den Sommermonaten blieb, abgesehen von spontanen Einlagen, beim Bedienen der Gäste für längere Showeinlagen keine Zeit. „Ein Kneipier, der sich am Tresen den ganzen Abend das Gelaber der Gäste anhört, das war ich einfach nicht.“ Die Zeit war reif, den Fokus neu auszurichten. Und so heißt es ab März für die 64-Jährige „Katja on Tour“.

Katja geht auf Tour

„Geplant sind Auftritte unter anderem in Groningen und Hamburg in Clubs und Restaurants, aber auch im Leeraner Kulturspeicher“, erzählt die Musikerin, die sich jetzt über eine Künstleragentur vermitteln lässt. „Ein Auftritt auf Borkum ist schon fest geplant.“ Für ihre ostfriesischen Fans ist Katja somit nicht aus der Welt. Wo sie auftritt, können sie ab kommender Woche auf der Internet-Seite www.katjazwezerijnen.de nachlesen. Die aus Utrecht stammende gelernte Klavierbauerin wird weiterhin in Weener ihren Lebensmittelpunkt haben, wo man sie regelmäßig beim Gassigehen mit dem Hund treffen wird.

„Da das Musikcafé weg ist, bin ich nicht mehr jedes Wochenende gebunden. Ich kann auch mal was mit meinen Enkeln unternehmen.“ Sie blickt ihrem Comeback vor größerem Publikum gespannt entgegen. Als Musikerin und Kabarettistin stand sie vor ihrem Intermezzo in Weener 18 Jahre lang in Groningen in ihrem Kabarett „De twee Dames“ auf der Bühne. Der Laden sei sehr gut gelaufen. Doch Herzprobleme zwangen Katja Zwezerijnen damals dazu, kürzerzutreten. In Weener wagte sie einen Neuanfang in kleinem Rahmen.

Zukunft des Lokals ist offen

Jetzt hat sie neue Kraft geschöpft und steckt voller Unternehmungsgeist. Sie wolle neue Lieder texten und sich ihrer zweiten großen Leidenschaft widmen: der Malerei. Am 14. Mai wird sie in der Galerie Gress in Jemgum nicht nur einige ihrer Kunstwerke zeigen, sondern bei der Vernissage auch mit einem kleinen Kabarettprogramm auftreten. Die zahlreichen Bilder, die die Wände der Musikkneipe am Hafen von Weener zierten, werden nach den Worten von Katja Zwezerijnen im Sommer in Groningen zu sehen sein.

Mit einem Kabarett-Programm will Katja Zwezerijnen jetzt auf Tour gehen. Foto: Katja Zwezerijnen/Archiv
Mit einem Kabarett-Programm will Katja Zwezerijnen jetzt auf Tour gehen. Foto: Katja Zwezerijnen/Archiv

Viele ihrer Fans bedauern es sehr, dass das Musikcafé am Hafen von Weener nun Geschichte ist. Gerade für Wohnmobilisten, von denen viele regelmäßig am Hafen von Weener Station machen, gehörte eine Stippvisite „Bei Katja am Hafen“ zum Urlaub in Weener dazu. „Es war für mich die richtige Entscheidung“, ist sie überzeugt. Nein, auch wenn ihr viele Stammgäste ans Herz gewachsen seien, habe sie am Abend des Finales keine Tränen vergossen. Sie freut sich auf den neuen Lebensabschnitt. „Ein Lied geht um die Welt und ich bin dabei.“

Katja Zwezerijnen setzt sich nach eigenen Worten für eine gastronomische Weiternutzung der ehemaligen Musikkneipe ein. „Es gab 130 Bewerbungen von Döner-Läden und 78 von Nagelstudios“, feixt sie in ihrer typischen Art und lacht: „Ich mach nur Spaß.“ Es gebe Interessenten. Spruchreif sei das aber noch nicht. „Eine urige Kneipe wie das Klöntje wäre hier optimal. Ich glaube, das würden sich hier viele wünschen“.

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