Kolumne „Digital total“ Geschichten von 1000 und einer App
Dienstags geht es an dieser Stelle immer um die Themen Digitales und Technik. Und geht unser Kolumnist der Frage nach, wie wir unsere Smartphones inzwischen nutzen – und ob das wirklich sinnvoll ist.
In der vergangenen Woche bin ich von einer Reise in die Vereinigten Arabischen Emirate zurückgekehrt. Ich bin mit meiner Frau nach Dubai geflogen, um dort der Hochzeit von Freunden beizuwohnen. Nun kann ich es als Journalist nicht riskieren, mein Handy in bestimmte Länder mitzunehmen, weil darauf sensible Daten gespeichert sind, muss aber trotzdem immer erreichbar sein. Ich habe deshalb meine SIM-Karte in ein billiges Wegwerf-Smartphone migriert und bin damit nach Dubai geflogen. Aus oben angesprochenen Datenschutz-Gründen konnte ich auf diesem Handy aber natürlich auch meine gewohnten Messenger- und E-Mail-Apps nicht installieren und war deswegen eine Woche lang ziemlich von der Welt abgeschnitten.
Man merkt erst, wie abhängig man von etwas ist, wenn man sich eine Weile komplett davon trennt. Ich habe in Dubai eine Woche lang fast gar nicht auf mein Handy geschaut. Ich habe es quasi nur als Musik-Abspielgerät und zum Orientieren mit Offline-Karten benutzt. Das hat mir persönlich gutgetan. Der Urlaub wurde durch diesen Umstand noch um einiges entspannter. Allerdings habe ich auch gemerkt, wie sehr unsere Gesellschaft sich mittlerweile auf Messenger und Apps verlässt. Die Abhängigkeit ging also weniger von mir aus, als von der Gesellschaft um mich herum.
Obwohl man auch ohne Whatsapp mit Freunden kommunizieren könnte – man könnte sie zum Beispiel anrufen – macht das eigentlich niemand mehr. Viele Dienstleister wollen einen ebenfalls per Messenger kontaktieren. In Dubai verlässt man sich schon so sehr auf allerhand Apps, dass Hotels und Restaurants gar keine Taxen mehr rufen können – die scheinen gar nicht mehr zu wissen, wie das geht. Das ist etwa so, als hätten die Leute nach der Erfindung der Mikrowelle auf einmal komplett vergessen, wie eine Pfanne funktioniert. Und als wären sie dann plötzlich überrascht, dass jemand wirklich noch eine Pfanne benutzen will. Ich finde diese Entwicklung wirklich bedenkenswert.
Kontakt: kolumne@zgo.de
Wie wäre es stattdessen mit Steuern zahlen?
Erstnutzer glaubt an die Zukunft der SMS-Kurznachricht