Katholische Kirche im Wandel  Fusionen der Gemeinden wird es nicht geben

Hans Passmann
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Von Hans Passmann
| 06.02.2023 11:56 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Theologin Franziska König (links) informierte die Besucher der Informationsveranstaltung in Ramsloh über die zukünftigen Pastoralen Räume. Foto: Passmann
Die Theologin Franziska König (links) informierte die Besucher der Informationsveranstaltung in Ramsloh über die zukünftigen Pastoralen Räume. Foto: Passmann
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Die katholische Gemeinde St. Jakobus Saterland informierte über die geplante Einrichtung der Pastoralen Räume. Es gibt mehrere Gründe für die neue Ausrichtung.

Ramsloh - Die katholischen Kirchengemeinden im Oldenburger Land sollen zu sechs Pastoralen Räumen zusammenfinden. Was das für die Gläubigen in der Kirchengemeinde St. Jakobus Saterland bedeutet, darüber wurden Interessierte am Freitagabend in der Kirche in Ramsloh informiert.

Über den geplanten Zuschnitt dieser neuen Einheiten und über weitere Schritte und Vorschläge für eine Neustrukturierung der Seelsorge hatte das Bischöflich Münstersche Offizialat Vechta in den vergangenen Wochen bereits Vertreter fast aller 41 Pfarreien bei regionalen Auftaktveranstaltungen informiert. Im Offizialat Vechta gehören zum Pastoralen Raum II nach jetzigem Vorschlag Bad Zwischenahn, Barßel, Bösel, Friesoythe, Garrel, Saterland und Westerstede mit insgesamt 44.960 Katholiken.

„Es wird keine Fusionen geben“

In Ramsloh informierten Ludger Fischer und Franziska König vom Bischöflich Münsterschen Offizialat Vechta die Besucher. „Die neue Organisation wird notwendig wegen des demografischen Wandels, der zurückgehenden Zahl der Kirchenmitglieder und besonders wegen der deutlich sinkenden Zahl der Priester und hauptamtlichen Seelsorgerinnen und Seelsorger“, betonte Pfarrer Fischer in seiner Begrüßung und Einleitung. Der Saterländer Geistliche stellte klar, dass es verordnete Zusammenlegungen oder Fusionen nicht geben werde, die Pfarreien behalten ihre rechtliche Selbstständigkeit.

„Die Kirche wandelt sich und es wird nichts beim Alten bleiben. Es wird jetzt Zeit, sich in den neuen Prozess zu bewegen“, so Fischer. Vor sechs Jahren haben wir den pastoralen Plan verabschiedet. Es ist schon ein Blick in die Zukunft gewesen. Der Pastorale Raum wird kein Ghetto. Von Heute auf Morgen werden die Kirchengemeinden nicht allein gelassen. Auch die Gottesdienste werden bleiben“, so Saterlands Pfarrer.

„Das religiöse Leben hat sich verändern. Auch bei der Jugend“

„Die Kirche vor Ort wird sich verändern. Warum kommt keiner zur Kirche? Sicherlich tragen die Missbräuche in der Kirche dazu bei. Ebenso ein Vertrauensverlust und die Finanzskandale. Aber das ist nur ein Baustein der Gründe. Das religiöse Leben hat sich verändert. Auch bei der Jugend“, meinte Franziska König. „Die Zahl der aktiven Bistumspriester geht bis zum Jahr 2040 auf zehn zurück, die der hauptamtlichen Laien von heute noch 80 auf 35. In einem Pastoralen Raum sind etwa acht Hauptamtliche für die Seelsorge geplant“, erklärte Franziska König.

Da auch ein Abbau an Vollzeitstellen in den übrigen Bereichen notwendig wird, muss die Arbeit neu organisiert und strukturiert werden. Für die Kindergärten, ein wichtiger Bereich der Gemeinden, wird eine Trägergesellschaft überlegt. Im Bereich der Verwaltung soll nach Möglichkeiten gesucht werden, wie die heutigen Gemeinden entlastet werden können.

Mehr Ehrenamtliche werden benötigt

„Im pastoralen Bereich können die Hauptamtlichen nicht alle Bereiche abdecken. Für das kirchliche und religiöse Leben vor Ort müssen neue Wege gefunden werden. Jede Gemeinde wird eigene, neue Wege gehen müssen. Wo heute Hauptamtliche Dienste versehen, wird demnächst das Engagement der Laien notwendig sein. Dafür gilt es Vorbereitungen zu treffen und neue Wege aufzuzeigen, wie das religiöse Leben vor Ort aufrechterhalten werden kann“, betonte die Theologin. Sie begleitet den Strukturprozess für Pastorale Räume im Landkreis Ammerland und im Dekanat Friesoythe.

Sie warnte auch davor, Strukturprozess und Glaubenspraxis an „reinen Äußerlichkeiten“ festzumachen. Die „innere Haltung“ eines Christen finde ihren Ausdruck in seinem Handeln, wie er sich etwa einsetze für andere, „wie er Nächstenliebe lebt“. König: „Die Pastoralen Räume leben ganz aus den Bedürfnissen der Menschen – oder sie scheitern.“

Nur wenige Fragen der Zuhörer

Viele Nachfragen gab es von den Zuhörern nicht. „Werden die Dekanate bleiben?“, war eine Frage. „Nein, es werden Pastorale Räume“, so die Theologin.

„Die Kirchengemeindem haben Ländereien in ihrem Eigentum. Bleibt das so?“, war eine weitere Wortmeldung. „Ja, die bleiben im Eigentum unserer Pfarrgemeinde“, antwortete Ludger Fischer. Die ehrenamtlichen Helfer der Kirche werden durch die Pastoralen Räume mehr werden. „Wie sieht es mit der Ausbildung und Hilfe dafür aus?“, fragte eine Teilnehmerin. Pastor Fischer: „Es wird Hilfe vor Ort geben und zudem wird es entsprechende Veranstaltungen an der Katholischen Akademie Stapefeld geben.“

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