Hamburg  So rechtfertigen sich Klimaaktivisten für Urlaubsflug nach Thailand

Marie Busse
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Von Marie Busse
| 02.02.2023 13:10 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Aktivisten der „Letzen Generation“ blockieren regelmäßig Straßen, um für mehr Klimaschutz zu demonstrieren. Wie passt das mit Fernreisen zusammen? Foto: imago images/aal.photo
Die Aktivisten der „Letzen Generation“ blockieren regelmäßig Straßen, um für mehr Klimaschutz zu demonstrieren. Wie passt das mit Fernreisen zusammen? Foto: imago images/aal.photo
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Regelmäßig stehen Aktivisten der „Letzten Generation“ wegen ihrer Aktionen vor Gericht. Zwei Mitglieder verpassten am Montag ihren Termin, weil sie Urlaub in Thailand machten. Das brachte die „Letzte Generation“ in Erklärungsnot.

Zwei Aktivisten der „Letzten Generation“ haben am 30. Januar einen Gerichtstermin am Amtsgericht Bad Cannstatt geschwänzt, weil sie im Urlaub in Thailand waren. Der 24-jährige Yannik S. und die 22-jährige Luisa S. hatten im September gemeinsam mit drei weiteren Aktivisten eine Straße blockiert. Sie legten so den Stuttgarter Berufsverkehr lahm.

Wegen dieser Aktion erhielten alle fünf Beteiligten einen Strafbefehl, gegen den sie Einspruch einlegten. Luisa S. tat dies allerdings viel zu spät und war daher als Zeugin geladen.

Das teilte das Amtsgericht gegenüber unserer Redaktion mit. Ihr Freund Yannik S. informierte das Gericht zwar eine Woche vor dem Termin über seine Abwesenheit. Der zuständige Richter entschuldigte ihn allerdings nicht. Erst am Prozesstag stellte sich durch Nachfragen heraus, dass das Paar im Urlaub ist. Zunächst berichtete die „Bild“-Zeitung von einer Reise nach Bali, nach eigenen Angaben sind die Aktivisten in Thailand.

Das Urlaubsziel von Yannik S. und Luisa S. löste dennoch bundesweit Irritationen und Häme aus. Warum fliegen Klimaschützer ins mehr als 10.000 Kilometer entfernte Thailand an den Strand, lautete die Frage. Fernreisen gelten als besonders klimaschädlich.

In einer ersten Reaktion erklärte ein Sprecher die Reise mit dem Privatleben der Aktivisten. Die beiden hätten „den Flug als Privatleute gebucht, nicht als Klimaschützer.“ Das müsse man auseinanderhalten. Innerhalb kürzester Zeit entwickelte sich ein Shitstorm gegen die Aktivisten der „Letzten Generation“. Nutzer warfen Luisa S. und Yannik S. Doppelmoral vor. Auch einzelne Politiker wie der parlamentarische Geschäftsführer der FDP, Torsten Herbst, hatten sich kritisch zu Wort gemeldet.

In einer weiteren Stellungnahme der „Letzten Generation“ vom Donnerstag zeigen sich die Aktivisten zunächst einsichtig: „Natürlich können wir nachvollziehen, dass negative Gefühle ausgelöst werden – gerade bei ökologisch bewusst lebenden Menschen –, wenn Protestierende der ‚Letzten‘ Generation in ein Flugzeug steigen.“ Dann wird der Ton allerdings rauer. Es sei ein Haar in der Suppe gefunden worden. Natürlich sei das individuelle Verhalten für den Klimaschutz wichtig, aber eigentlich sei die Politik in der Pflicht.

Es sei zudem keine Pflicht, das eigene Leben umzustellen, um bei der „Letzten Generation“ mitzumachen: „Aber falls irgendein Zweifel bestand, ob Menschen, die Fleisch essen, Auto fahren oder Langstreckenflüge machen, mit uns gegen den Verfassungsbruch der Regierung auf die Straße gehen können, dann möchten wir den hiermit ausräumen: Ja!“

Die wahren Heuchler seien ohnehin die Regierenden. Rhetorisch wird gefragt: „Ist es keine Doppelmoral, ‚Klimakanzler‘ zu sein und Lützerath abzubaggern?“. Die Stellungnahme schließt mit einer Aufforderung: Statt sich auf die Verfehlungen einzelner zu konzentrieren, solle die Gesellschaft den Blick auf effektiven Klimaschutz lenken.

Laut der „Letzten Generation“ dauert der Asientrip von Yannik S. und Luisa S. noch einige Wochen. Weil der 24-Jährige nicht vor Gericht erschienen ist, wurde der Einspruch gegen den Strafbefehl verworfen. Er wurde zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je 20 Euro verurteilt. Dagegen kann er auch auf Thailand Einspruch einlegen.

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