Den Laden zusammenhalten Ein Jahr Bürgermeister Heiko Abbas in Weener
Einfach mal machen, war seine Devise, bevor Heiko Abbas zum Bürgermeister von Weener gewählt worden ist. Was hat er denn tatsächlich gemacht? Eine Analyse.
Weener - „Einfach mal machen“, das kündigte Heiko Abbas vor der Bürgermeisterwahl in Weener an, sei die richtige Einstellung. Als Beispiel nannte er das Free-for-all-Festival. Das hätte man nicht sterben lassen müssen, sagt er entschieden. Jetzt, da sein erstes Amtsjahr rum ist, kann man sagen, in dieser Sache hat er Worten Taten folgen lassen und „einfach mal gemacht“: Das Free-for-all-Festival wird „Reloaded“ zu deutsch so etwas wie „wieder aufgelegt“. Es wird am 15. Juli nach Jahren Pause wieder im Park in Stapelmoor stattfinden.
Was und warum
Darum geht es: Heiko Abbas hat als Bürgermeister in Weener schon viele seiner Ziele umsetzen können.
Vor allem interessant für: Weeneraner und alle, die sich für Politik interessieren.
Deshalb berichten wir: Heiko Abbas ist seit einem guten Jahr Weeneraner Bürgermeister. Zeit für eine erste Bilanz. Die Autorin erreichen Sie unter: v.vogt@zgo.de
Vor der Bürgermeisterwahl haben die Kandidaten das Angebot bekommen, den Ort für das Gespräch mit dieser Redaktion auszusuchen. Einen Ort zu wählen, den sie für Weener wichtig finden. Abbas wählte den Alten Hafen in Weener. In seinem ersten Jahr als Bürgermeister war der Hafen oft Thema in der Stadt. Aber nicht erst seitdem. Es gab zuvor großen Ärger bei den Anwohnern, als ein umfassendes Hafenkonzept vorgestellt worden war.
„Ich bin ein Kommunikations-Junkie“
„Mittlerweile haben sich Arbeitskreise gebildet, sie haben sich getroffen und Ideen für den Tourismus und die Infrastruktur erarbeitet. Das Konzept wurde dann tatsächlich teilweise aufgegriffen und die Anwohner werden bei der Umsetzung einbezogen. Das ursprüngliche Konzept hatte die Anwohner etwas überfahren“, sagt Abbas. Die Befürchtung, dass Ferienhäuser in ihren Gärten entstehen, sei entkräftet worden. Jetzt habe man einen guten Weg gefunden. Es werde ein Architektenwettbewerb durchgeführt, die Bewerber sollen Konzepte erstellen, in dem auch die Anregungen des Arbeitskreises zur Grundlage genommen werden. Ein Rundweg, die Erneuerung der Spundwandabdeckung. Bilanz nach einem Jahr: Der Frust ist eingedämmt, die Pläne stehen. Ebenfalls positiv sieht er, dass der Hafen für eine halbe Million Euro entschlickt wird: „Enorm wichtig für uns. Aber die Weiterentwicklung des Hafens lässt sich nicht innerhalb von ein paar Monaten erreichen“, hatte Abbas vor der Wahl gesagt und sollte Recht behalten.
Eine Sache hat Abbas allerdings angekündigt und quasi mit Amtsantritt umgesetzt: Mehr Kommunikation. Er sehe den Bürgermeister als Brückenbauer zwischen unterschiedlichen Interessengruppen, der kommunizieren und moderieren müsse, das sagte er vor seiner Wahl.Im November 2021 ging die Facebook-Seite der Stadt Weener online. „Längst überfällig“, sagt er heute. Auch über seine privaten Kanäle ist Abbas für die Bürgerinnen und Bürger erreichbar: „Ich bin ein Kommunikations-Junkie. Manchmal muss ich mich da selbst bremsen und Zeit nur für die Familie zu reservieren, ohne erreichbar zu sein. Aber ich finde, es ist ein großer Vertrauensbeweis, wenn ich bei Diskussionen online verlinkt werde“, sagt er. Das zeige ihm, dass die Bürger davon ausgingen, dass er etwas Hilfreiches beizutragen habe.
Kostensteigerungen und andere Schwierigkeiten
Sie können auch davon ausgehen, dass sie Gehör finden: Ein Beispiel ist die Diskussion um die Schließung des Jugendzentrums Tichelwarf. Um Energie zu sparen sollte es von November bis März schließen. Kinder, Jugendliche und Eltern liefen Sturm. „Angenehm war es nicht, diesen Sturm abzukriegen. Aber sich nicht weg zu ducken, darf man von einem Bürgermeister erwarten. Und wir haben einen Kompromiss gefunden“, sagt Abbas. Beim Dorfgemeinschaftshaus in Kirchborgum gab es keinen – der Traum platzte, kurz vorm Ziel. „Und es schmerzt. Sie wären dran gewesen. Mit diesen Kosten war es aber nicht realisierbar.“ Doch auch hier stehe man weiter im Kontakt mit der Dorfgemeinschaft und plane bereits, wie auf anderer Basis doch ein Dorfgemeinschaftshaus entstehen kann. „Es hat schon mehrere Treffen gegeben und wir sind hoffnungsvoll, in den kommenden Jahren doch noch etwas zustande zu bekommen.“
Kostensteigerungen, klamme Haushaltskassen, Kriegsfolgen: Das erste Amtsjahr der Bürgermeister war kein Zuckerschlecken, auch in Weener nicht. Wenn man Abbas fragt, unter welches Motto er das erste Amtsjahr stellen würde, ist es ein wenig schmuckvolles, aber bestimmtes: „Den Laden zusammenhalten.“ Und das meint er nicht nur in finanzieller Hinsicht: „Niemand hätte erwarten können, was 2022 für uns bereithielt. Es ist wichtig, dass wir weiter auch schwere Entscheidungen gemeinsam tragen. Dass wir zusammen anpacken, uns nicht zerfleischen.“, sagt er.
Ein Projekt, das es allerdings über das Jahr geschafft hat, ist ein Großprojekt an der Westerstraße: Unter anderem soll die neue Stadtbücherei, ein Bürgertreff und – weil sich einst die ehemalige jüdische Schule dort befand – eine Dauerausstellung über das frühere jüdische Leben in Weener fester Bestandteil des Gesamtkonzepts werden. Kombiniert werden soll der Ausstellungsbereich mit einem Lesecafé. „Es wäre mir ein Herzenswunsch, dass wir das realisieren können“, sagt er. Das Projekt ist das einzige große, das zwar eine sogenannte „freiwillige Leistung“ der Stadt wäre, und dennoch nicht gestrichen worden sei. „Ansonsten mussten und müssen wir knüppelhart sparen“, so Abbas. Eine Kommune hat Pflichtaufgaben, wie zum Beispiel, sich um die Schulen oder Straßen zu kümmern. Weener wird investieren und hat es schon getan: Millionen in die Grundschulen, bald in die Feuerwehr. „Dieses Brot und Buttergeschäft zu erfüllen, ist schon harte Arbeit. Aber wir werden das hinbekommen. Wir halten den Laden zusammen.“