Seeltersk Der Geiz der alten Friesen
Die Saterfriesen haben mit dem Wort „Habbekuuk“ einen interessanten Begriff für Geizhals. Er hat einen alttestamentarischen Bezug, doch das ist möglicherweise der Fantasie der Saterfriesen geschuldet.
Ein Geizhals kann auf Saterfriesisch „Habbekuuk“ genannt werden. Ich vermute, dass dies ein Wortspiel mit dem biblischen Namen Habakuk und dem Wort „haben“ ist. Die Frage dabei ist jedoch: aus welcher Sprache kommt dann „habbe“ für „haben“? Das Saterfriesische selber hat „häbbe“ (in Scharrel) oder „häbe“ (in den anderen Dörfern), also mit -ä- statt -a-. Das Plattdeutsche hat „hebben“ - auch mit dem ä-Laut. Das Gleiche gilt für das Niederländische. Die Hochdeutsche Sprache mit „haben“ mit langem -a- ist auch kein auf der Hand liegender Kandidat.
Zur Person
Henk Wolf (geb. 1973) arbeitet als Sprachwissenschaftler für die Rijksuniversiteit Groningen und als wissenschaftlicher Beauftragter für Saterfriesisch bei der Oldenburgischen Landschaft. Er hat ein Büro im Rathaus der Gemeinde Saterland in Ramsloh und schreibt für den GA in einer wöchentlichen Kolumne über Saterfriesisch.
Kontakt: Seeltersk@ga-online.de
Dieses „habb(e)“ am Anfang von saterfriesischen Wörtern steht nur am Anfang von Wörtern, die mit Habgier zu tun haben: „Habbegaid“ (Habgier), „habbig“ (geizig), „habberig“ (geizig) und „habgierig“ (habgierig). In anderen Wörtern wird häb- verwendet, zum Beispiel „häbbegjuchtsk“ (rechthaberisch).
Nun ist merkwürdig, dass auch die westfriesische Sprache der niederländischen Provinz Fryslân in solchen Wörtern, die mit Habgier zu tun haben, ‚habb(e)‘ mit kurzem -a- am Anfang verwendet. So sagen die Westfriesen zum Beispiel „Habbegek“ (Geizhals), „habberich“ (geizig) und „habsucht“ Habgier), während das verb haben in den heutigen westfriesischen Mundarten als „hawwe“, „hewwe“ oder „hebbe“ vorkommt, aber nie als „habbe“.
Eine Sprache, die „habbe“ für haben verwendete, ist das mittelalterliche Friesisch, aus dem die heutigen friesischen Sprachen vom Saterland und von der Fryslân hervorgegangen sind. Diese alte Form ist verloren gegangen, aber irgendwie hat sie in einer kleinen Anzahl von bedeutungsverwandten Wörtern überlebt.
Wie sind die Saterfriesen zu „Habbekuuk“ gekommen? Da muss ich raten, aber ich kann mir vorstellen, dass das Wort wie im Westfriesischen mal „Habbegäk“ war. Ein „Gäk“ ist ein Verrückter oder Süchtiger. Ein westfriesischer „Fammegek“ (Mädchen-Verrückter) ist ein Schürzenjäger. Ein „Habbegäk“ ist verrückt nach Haben, nach Gütern. Als „Gäk“ weniger bekannt wurde, drängte sich womöglich der Name „Habakuk“ auf.
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