50 Jahre Westoverledingen Gelungener Auftakt zum Gemeinde-Jubiläum
Bürgermeister Theo Douwes blickt auf ein halbes Jahrhundert spannender Entwicklung zurück. „Zeugen der ersten Stunde“ waren auch dabei.
Ihrhove - „50 Jahre Gemeinde Westoverledingen. Es waren 50 spannende Entwicklungsjahre, 50 Jahre Wachstum in vielfältiger Art und Weise, 50 Jahre, die die Gesichter der Ortschaften durchaus verändert haben.“ Mit diesen Worten begann Westoverledingens Bürgermeister Theo Douwes seine Rede im Rahmen des 50-jährigen Jubiläums der Gemeinde Westoverledingen. Zu der Auftaktveranstaltung im Ihrhover Rathaussaal waren neben geladenen Gästen aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft auch Vertreter der Vereine, Verbände, der Feuerwehr sowie des Seniorenbeirats der Einladung gefolgt. Anwesend waren auch Vertreter der Unternehmen, die im Jahr 1976 am Rathausneubau beteiligt waren. Als Ehrengast begrüßte Theo Douwes den ehemaligen Landtagspräsidenten Horst Milde aus Oldenburg mit seiner Frau.
Unter den Besuchern befanden sich mit Helmut Collmann, Wilhelm Smidt und und Manfred Selchow auch drei ehemalige Ratsmitglieder aus den Anfangsjahren. „Das sind sozusagen die Zeugen der ersten Stunde“, bemerkte Bürgermeister Douwes. Der ehemalige und bislang einzige Gemeindedirektor der Gemeinde Westoverledingen, Gerhard Hartema, fehlte leider krankheitsbedingt. Sonka Kuhl, Simon Beekmann und Julian Noack von der Musikschule Weber sorgten für die musikalische Umrahmung der Auftaktveranstaltung.
Karten, Fotos und Luftbilder
Kirsten Beening, Pressesprehcherin der Gemeinde und Bürgermeister Douwes gingen mittels Schaubildern, alten Karten, Fotos und Luftbildaufnahmen von früher und heute auf die Entwicklung der Gemeinde Westoverledingens sowie der einzelnen Ortschaften ein. Im Jahr 1973 lebten rund 15.000 Menschen in der Gemeinde Westoverledingen. „Der aktuelle Einwohnerstand der Gemeinde beträgt 21.743. Es war eine stetige Entwicklung nach oben“, berichtete Kirsten Beening. Auch die steigenden Übernachtungszahlen wurden explizit erwähnt.
„Westoverledingen war immer sehr beständig, sehr standhaft und nachhaltig aufgestellt. Ein fester und auch wichtiger Ansprechpartner im Landkreis Leer“, betonte der Leeraner Landrat Matthias Groote in seinem Grußwort. Die Arbeit von Gerhard Hartema hob er dabei besonders hervor. „Er hat an diesem Ort wirklich hervorragend gewirkt. Bis ins Jahr 1997 war er hier Gemeindedirektor und hat entscheidende Pflöcke mit eingeschlagen und Westoverledingen wesentlich mit geprägt“, so Groote. „Es sind viele Sport- und Freizeitmöglichkeiten entstanden. Und auch das Vereinsleben hat sich in den zurückliegenden 50 Jahren prächtig entwickelt“, lobte der Landrat. Er ging aber auch auf die Tiefschläge ein (Pleiten der Firmen Lampi und Müsing). „Westoverledingens Bürgermeister haben darauf mit sehr viel Kreativität reagiert und den Wegfall der Steuerkraft mit neuen Dingen gefüllt. Es wurden viele neue Arbeitsplätze geschaffen“, sagte Groote. „Man setzt sich für Dinge ein und man ist nicht nur dagegen. Das schätze ich sehr an Westoverledingen“, lobte der Landrat Bürger, aber auch Rat und Verwaltung der Gemeinde Westoverledingen, und verwies als Beispiel auf den geplanten Bahnhaltepunkt in Ihrhove.
Orte haben Identität behalten
„Hat die Gebietsreform im Jahr 1973 uns etwas gebracht?“, fragte Westoverledingens Bürgermeister Theo Douwes. „Dies würden wir bestätigen. Und mindestens genauso wichtig ist die Frage, ob die Ortschaften ihre Identität verloren haben oder nicht. Sie haben ihre Identität. Die Menschen sind durch Vereine, Verbände, Institutionen stark verwurzelt mit ihren Ortschaften“, betonte Douwes.
Die Gebietsreform im Jahr 1973 hätte für Westoverledingen fast noch negative Folgen gehabt. Es gab einen regelrechten „politischen Kampf“ um die Altgemeinde Völlen, zu der auch Völlenerfehn und Völlenerkönigsfehn gehören. Ursprünglich hatte die damals SPD-geführte Landesregierung in seiner ersten Lesung die betreffenden Ortschaften der Stadt Papenburg zugeschlagen. Doch da machte ein Politiker nicht mit. Es war Horst Milde, Mitglied der SPD, der von 1968 bis 1973 Bürgermeister der Stadt Leer war, sowie von 1964 bis 1973 Abgeordneter des Kreistages und der von 1965 bis 1968 den Posten des stellvertretenden Landrates im Landkreis Leer inne hatte.
Widerstand zahlte sich aus
„Diese Ämter haben mich mit dem Land verbunden“, sagte der heute 89-jährige Milde. „Im Gutachten der Sachverständigenkommission wurde Völlen angesprochen. Es wurde auch die Konfessionsgrenze angesprochen. Aber die Kommission machte keinen konkreten Vorschlag, wie die Entwicklung in diesem Raum Westoverledingens und insbesondere im Grenzbereich Papenburg gestaltet werden sollte. Das überließ man einer weiteren Prüfung“, berichtete Milde, der zur damaligen Zeit Landtagsabgeordneter und stellvertretender Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion war.
Ohne dessen Wissen entschied die Landesregierung Völlen der Stadt Papenburg zuzuordnen. „Das führte hier natürlich zum Widerstand und Protesten. Es gab eine Meinungsumfrage. Zwei Drittel der Bevölkerung entschied sich damals zum Verbleib im Kreis Leer. Das war natürlich für mich als Landtagsabgeordneter ein Auftrag“, so Milde, der Ostfriesland immer sehr eng verbunden war. Es gelang ihm schließlich, durch zahlreiche Gespräche seine Parteikollegen zum Umdenken zu bewegen. „Wir alle wissen, was aus dieser positiven Entscheidung gewachsen ist. Ich freue mich über die Entwicklung. Es war die richtige Entscheidung“, betonte Horst Milde.
Ausstellungen im Rathaus
Im Jubiläumsjahr werden in der Gemeinde Westoverledingen noch weitere Veranstaltungen folgen. Geschichtliche Ereignisse, Daten und Fakten wurden von Kirsten Beening, Pressesprecherin der Gemeinde und Hausmeister Ralf Hoffmann in Form von Zeittafeln im Rahmen einer Ausstellung aufbereitet. Die Ausstellung kann ab dem 30. Januar bis Ende des Jahres zu den Öffnungszeiten des Rathauses besucht werden. Unterstützung erhielten Beening und Hoffmann vom ehemaligen, langjährigen Mitarbeiter Manfred Bleeker und der Auszubildenden Marit Baumann, die ihr Bachelorstudium beim Landkreis Leer absolviert und aktuell als Fremdauszubildende im Ihrhover Rathaus arbeitet.
„Es ist toll, dass die Einwohnerzahl innerhalb von 50 Jahren um 25 Prozent gesteigert werden konnte. Das ist wirklich beachtlich“, meinte Michael Maas, Pastor der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Westoverledingen. „Auch die Kirchengemeinden haben zur Entwicklung der Gemeinde beigetragen“, so Maas weiter. „Kleine Dinge werden heutzutage von freundlichen Mitarbeitern der Gemeinde Westoverledingen schnell erledigt. Der Weg zur Gemeinde ist kurz“, lobte Maas die Serviceleistungen der Kommune.
„Die Gemeinde Westoverledingen hat eine positive Entwicklung genommen.- Vor allem mit Gerhard Hartema als Gemeindedirektor hat man sehr viel Glück gehabt“, betont Heinz Hillmer, der selbst 38 Jahr für die Kommune in Westoverledingen gearbeitet hat.