Pläne für 2023  Vor diesen Herausforderungen stehen Gemeinden im Kreis Leer

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Von der Lokalredaktion Leer
| 29.01.2023 13:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 8 Minuten
So soll die Fahrradstation am Leeraner Bahnhof künftig aussehen. Visualisierung: Archiv
So soll die Fahrradstation am Leeraner Bahnhof künftig aussehen. Visualisierung: Archiv
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Vom Klärwerk über eine Fahrradstation bis zur Hauptstraßensanierung: Die Kommunen im Landkreis Leer müssen 2023 viele Projekte angehen. Eine Übersicht.

Landkreis Leer - Das Jahr hat begonnen und auch die Haushaltsberatungen gehen in die heiße Phase. Die Kommunen im Landkreis Leer müssen in diesem Jahr einige Projekte auf den Weg bringen oder sich Herausforderungen stellen. Den Landkreis selbst wird weiterhin die Flüchtlingssituation beschäftigen. Auch die Themen Breitbandausbau und Schulsanierungen werden in diesem Jahr bewältigt werden müssen. Die Redaktion hat sich angeschaut, was in diesem Jahr in den Gemeinden ansteht.

Leer

Mindestens die Radfahrer in Leer freuen sich schon seit Jahren auf sie, jetzt soll mit ihrem Bau begonnen werden: die Fahrradstation am Bahnhof. Sie wird zwar mehr als eine Million Euro mehr kosten, als ursprünglich eingeplant – 3,3 statt zwei Millionen Euro, ist aber dank einer Förderung von 1,4 Millionen Euro für die Stadt noch relativ günstig. Neben Service-Angeboten für die Radfahrer – 400 sichere Abstellplätze, Werkstatt, Waschanlage – wird sie noch ein anderes drängendes Problem lösen: Es wird nach vielen Jahren endlich wieder eine öffentliche Toilette am Bahnhof geben. Fertig werden soll und muss die Fahrradstation 2024.

Weener

In Weener stehen mehrere große Projekte an. Eines von ihnen steht schon sehr lange auf der Liste: Seit 2019 liegt die Förderzusage für ein Großprojekt an der Westerstraße auf dem Tisch. Unter anderem soll die neue Stadtbücherei, ein Bürgertreff und – weil sich einst die ehemalige jüdische Schule dort befand – eine Dauerausstellung über das frühere jüdische Leben in Weener fester Bestandteil des Gesamtkonzepts werden. Kombiniert werden soll der Ausstellungsbereich mit einem Lesecafé. Jetzt wartet man auf die Baugenehmigung, erklärt Bürgermeister Heiko Abbas.

Eine Menora, ein siebenarmiger Leuchter, an der Seitenwand des Hauses in der Westerstraße erinnert an das jüdische Leben. Eine Dauerausstellung über das frühere jüdische Leben in Weener ist fester Bestandteil des neu entstehenden Bürgerhauses. Foto: Gettkowski/Archiv
Eine Menora, ein siebenarmiger Leuchter, an der Seitenwand des Hauses in der Westerstraße erinnert an das jüdische Leben. Eine Dauerausstellung über das frühere jüdische Leben in Weener ist fester Bestandteil des neu entstehenden Bürgerhauses. Foto: Gettkowski/Archiv

Moormerland

Der Gemeinderat in Moormerland hat beschlossen, ein neues Rathaus zu bauen. Damit soll noch in diesem Jahr begonnen werden. Dieses wird aktuellen Berechnungen zufolge 12,5 Millionen Euro kosten, worin die Abrisskosten für den maroden Altbau sowie die Gestaltung der Außenanlagen bereits eingepreist sind. Seit vielen Jahren wird über den Neubau diskutiert, jetzt soll er kommen. Das Gebäude wird einen Ratssaal und ein Sitzungszimmer haben, außerdem soll im Erdgeschoss die Tourist-Info einziehen, die jetzt im Heimathuus an der Dr.-Warsing-Straße ist. Weitere Projekte der Gemeinde Moormerland sind die Neubauten von Feuerwehrhäusern in Jheringsfehn und Veenhusen sowie Umbauten an der Grundschule Neermoor für den Ganztagsbetrieb.

Die Gemeinde Moormerland will ein neues Rathaus bauen. Es wird jedoch ein wenig anders aussehen, als dieser Entwurf aus dem Jahr 2019. Foto: Haltenhof
Die Gemeinde Moormerland will ein neues Rathaus bauen. Es wird jedoch ein wenig anders aussehen, als dieser Entwurf aus dem Jahr 2019. Foto: Haltenhof

Uplengen

Seit Jahren wird in Uplengen über das Thema Windkraft diskutiert. 2023 könnte zu einem Jahr der Entscheidung werden. 2019 startete die Kommune ein aufwendiges Verfahren, um den Flächennutzungsplan Windenergie auf rechtssichere Beine zu stellen. Auf eine Standortpotenzialanalyse folgte ein Öffentlichkeitsbeteiligungsverfahren. Eigentlich wollte man in diesem Jahr den Sack zu machen, doch dann kam der Krieg in der Ukraine und seine Folgen. Am 1. Februar tritt das Windflächenbedarfsgesetz des Bundes in Kraft und auch Uplengen muss das Thema Windkraft wieder auf den Prüfstand stellen. Am 28. Februar trifft sich der Bau- und Entwicklungsausschuss Wind um 19.30 Uhr, um erneut darüber zu diskutieren.

Neben der Windkraft hat Uplengen noch ein weiteres Projekt vor der Brust: Die Erarbeitung eines städtebaulichen Entwicklungskonzeptes (ISEK) für die Ortsmitte Remels wird die Gemeinde auch in diesem Jahr beschäftigen.

In Uplengen wird es in diesem Jahr eine Entscheidung geben, wie es in Sachen Windkraft in der Gemeinde weitergeht. Symbolfoto: Ortgies/Archiv
In Uplengen wird es in diesem Jahr eine Entscheidung geben, wie es in Sachen Windkraft in der Gemeinde weitergeht. Symbolfoto: Ortgies/Archiv

Hesel

Ein Dauerbrenner bleibt für Hesel die Sanierung des Hallenbades. Trotz mehrfacher Reparaturversuche blieb der Hubboden, mit dem die Wassertiefe verändert werden kann, festgesetzt. Immerhin hat der Landkreis Leer der Samtgemeinde Hesel kürzlich einen Zuschuss in Höhe von 231.400 Euro zugesichert – insgesamt wird die Sanierung des Bades aber voraussichtlich 1,7 Millionen Euro kosten. Die Samtgemeinde hat zudem ein Verfahren zur Änderung des Flächennutzungsplans angeschoben, um Standorte für Windkraftanlagen zu ermitteln. In den Mitgliedsgemeinden wird unter anderem an Erweiterungen und Baumaßnahmen an den Grundschulen und Kindertagesstätten gearbeitet.

Der Hubboden im Hallenbad Hesel ist seit langem defekt – nun soll das Becken umfangreich saniert werden. Foto: Ortgies
Der Hubboden im Hallenbad Hesel ist seit langem defekt – nun soll das Becken umfangreich saniert werden. Foto: Ortgies

Bunde

Aus dem Neubau einer Grundschule in Bunde wurde nichts und trotzdem bleibt das Vorhaben eines der wichtigsten in diesem Jahr. Die Gemeinde Bunde wird wegen der Verpflichtung für Kommunen, dass bis zum Jahr 2025 alle Grundschulen ein Ganztagsangebot anbieten und barrierefrei ausgestaltet sein müssen, Plan B umsetzen und die Modernisierung und den Ausbau der Grundschule in der Straße Kellingwold angehen.

2021 war man für den Neubau von Baukosten in Höhe von 10,3 Millionen Euro ausgegangen – eine Summe, mit der die Gemeinde angesichts explodierender Bau- und Materialkosten längst nicht mehr hinkommen würde. Was die Modernisierung kosten wird, ist noch nicht bekannt. Im Februar sollen die Pläne zunächst im Ausschuss vorgestellt werden.

Die Grundschule wurde in den 1930er Jahren gebaut und in den zurückliegenden Jahren schon an einigen Stellen saniert. Sie ist allerdings nicht behindertengerecht. Da musst die Gemeinde ran. Foto: Gettkowski
Die Grundschule wurde in den 1930er Jahren gebaut und in den zurückliegenden Jahren schon an einigen Stellen saniert. Sie ist allerdings nicht behindertengerecht. Da musst die Gemeinde ran. Foto: Gettkowski

Jemgum

Über fast zehn Kilometer wird das Abwasser durch die Rohre in der Gemeinde Jemgum geleitet. Täglich werden rund 150 Kubikmeter zum Übergabepunkt der Stadtwerke Leer nach Bingum gepumpt, von hier geht es zum Klärwerk in Leer. Millionen Steuergelder hat die Gemeinde bis jetzt in die Abwasserbeseitigung gesteckt, die Stadtwerke haben den Vertrag zur Beseitigung gekündigt, er läuft fristgerecht 2024 aus. Eine Projektgruppe arbeitet schon länger an einer Lösung. Von Sanierung des alten Systems über den Bau eines neuen mit Investor oder in Eigenregie.

Das Abwasser aus der Ortschaft Jemgum wird über eine Druckrohrleitung nach Bingum und von dort aus nach Leer zur Kläranlage gepumpt. Foto: Ortgies/Archiv
Das Abwasser aus der Ortschaft Jemgum wird über eine Druckrohrleitung nach Bingum und von dort aus nach Leer zur Kläranlage gepumpt. Foto: Ortgies/Archiv

Westoverledingen

In Westoverledingen ist ein Millionenprojekt in vollem Gange. Der „Campus Ihrhove“ soll für rund 4,5 Millionen Euro entstehen. Der Campus entsteht direkt beim Kindergarten und bei der Grundschule. Einen konkreten Eröffnungstermin für das Multifunktionsgebäude gibt es noch nicht. Die Verantwortlichen hoffen aber, dass es Mitte des Jahres so weit sein könnte. Der Campus soll für die gesamte Gemeinde ein Ort der Begegnung sein.

Umgesetzt wird das Projekt auf einer 17.770 Quadratmeter großen Fläche direkt an der Ihrener Straße. Die Gemeinde erhält unter anderem eine Förderung über den Investitionspakt „Soziale Integration im Quartier“. Diese bezieht sich auf den Gebäudekomplex des Multifunktionsgebäudes mit Seniorenbüro, Jugendcafé und Bücherei. Der beantragte Zuschuss bei der N-Bank beläuft sich auf rund 1,3 Millionen Euro, teilte die Verwaltung mit. Für die geplante Krippe sollen 540.000 Euro aus dem Topf Städtebauförderung fließen.

An der Ihrener Straße direkt bei der Ihrhover Grundschule entsteht zurzeit der „Campus Ihrhove“. Foto: Ammermann
An der Ihrener Straße direkt bei der Ihrhover Grundschule entsteht zurzeit der „Campus Ihrhove“. Foto: Ammermann

Ostrhauderfehn

Geplant wird schon seit mehreren Jahren, in diesem Jahr soll es nun mit der Verschönerung des etwa 800 Meter langen Abschnitt der Hauptstraße zwischen der Werftstraße und dem Untenende (Wreesmann-Kreuzung) losgehen. Die Hauptstraße soll attraktiver werden, zum Beispiel dadurch, dass auf der weniger befahrenen Nebenstrecke eine Fahrradstraße eingerichtet wird und Grünstreifen so aufgewertet werden, dass man dort verweilen kann. Bis Ende 2024 soll alles fertig sein. Wie teuer das Projekt wird, ist noch offen, für das laufende Jahr wurden 1,2 Millionen Euro eingeplant. Die Gemeindeverwaltung rechnet mit Fördergeldern in Höhe von etwa einer Million Euro.

Der Bereich der Hauptstraße zwischen Werftstraße und Nordstraße soll vermutlich als erster ausgebaut werden. Dabei soll es auch um die Verschönerung des Grünstreifens gehen. Foto: Zein
Der Bereich der Hauptstraße zwischen Werftstraße und Nordstraße soll vermutlich als erster ausgebaut werden. Dabei soll es auch um die Verschönerung des Grünstreifens gehen. Foto: Zein

Rhauderfehn

In Rhauderfehn geht es um das „Kulturhaus am Markt“ – ein Mehrzweckgebäude. Das soll im südwestlichen Bereich unweit des Friedhofs auf dem Marktplatz entstehen und soll rund 390.000 Euro kosten. Allerdings wird es über das Programm „Perspektive Innenstadt“ vom Land mit maximal 345.000 Euro gefördert. Dafür muss es bis zum 31. März fertig sein. Geplant ist, dass das Gebäude für vielfältige Veranstaltungen einen Raum bieten soll. Geschätzt 40 Personen soll es Platz bieten. Es ist so konzipiert, dass größere Veranstaltungen bühnenseitig zum Marktplatz bespielt werden und nur kleine Veranstaltungen bühnenseitig nach innen stattfinden können. Die Eröffnung ist für das erste Mai-Wochenende geplant.

Borkum

Das Thema Städtebauförderung wird Borkum nicht nur 2023, sondern auch in den nächsten Jahren intensiv beschäftigen. Stehen doch für den Ortsteil Reede rund zehn Millionen Euro und für die Sanierung und Aufwertung des Kurviertels noch einmal 22,5 Millionen Euro zur Verfügung. Weiteren Input für letzteres Großprojekt erhofft sich die Stadt von der Teilnahme am Europan-Wettbewerb, einem europaweiten architektonischen und städtebaulichen Ideenwettbewerb. Borkum ist die erste Insel und überhaupt die erste Stadt in Niedersachsen, die sich daran beteiligt. Im Herbst sollen die Ideen einer Jury vorgestellt werden. Im Ortsteil Reede, der mit einem Rundweg attraktiver gemacht werden soll, steht die Gestaltung des Nordufers mit einer Freitreppe oben auf der Umsetzungsliste.

Ein Vorhaben der Nordseeheilbad Borkum GmbH ist der Neubau des Wasserwerks Ostland für rund sechs Millionen Euro.

Ideen gesucht: Wie kann das Borkumer Kurviertel – hier die seit vielen Jahren brachliegende ehemalige Fläche des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes – aufgewertet werden? Foto: Ferber
Ideen gesucht: Wie kann das Borkumer Kurviertel – hier die seit vielen Jahren brachliegende ehemalige Fläche des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes – aufgewertet werden? Foto: Ferber

Jümme

Das Großprojekt „Ostfriesland-Markt“ in Filsum ist im vergangenen Jahr wegen ausbleibender Fördergelder gescheitert. Dennoch ist der Bedarf eines Nahversorgers weiterhin dringend. Wer zum Beispiel in Filsum wohnt, muss zum Einkaufen von Brot, Butter, Wurst, Käse, Gemüse und Obst woanders hinfahren – nach Detern, Hesel oder Leer. Auch in Nortmoor gibt es zwar viele junge Familien, aber keinen Supermarkt. Immerhin konnte mit dem Gulfhof-Café ein Bäcker im Dorf gehalten werden. Außerdem kann die Samtgemeinde weiterhin nicht auf Gewerbe- und Baufläche zurückgreifen.

Besonders in Nortmoor und Filsum fehlt es derzeit an Lebensmittelmärkten. Symbolfoto: Anspach/DPA
Besonders in Nortmoor und Filsum fehlt es derzeit an Lebensmittelmärkten. Symbolfoto: Anspach/DPA

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