Arbeiten in Ostfriesland  Viele Arbeitskräfte aus Drittstaaten müssen Deutschland wieder verlassen

Michael Kierstein
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Von Michael Kierstein
| 28.01.2023 16:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Viele Unternehmen suchen nach Mitarbeitern. Foto: dpa
Viele Unternehmen suchen nach Mitarbeitern. Foto: dpa
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Eine Studie ergab nun, dass ein Viertel der Arbeitskräfte, die Deutschland verlassen, dies aus aufenthaltsrechtlichen Gründen tut. Berater können helfen.

Ostfriesland - Viele Arbeitskräfte aus dem Ausland kehren Deutschland vor allem aus aufenthaltsrechtlichen und beruflichen Gründen den Rücken. Das ergab eine Studie des Tübinger Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung im Auftrag der Bundesagentur für Arbeit. Fast 1900 Arbeitskräfte wurden für die Studie über Facebook befragt.

Was und warum

Darum geht es: Es herrscht Fachkräftemangel. Dennoch verlassen viele Arbeitnehmer aus Drittstaaten Deutschland wieder. Und das liegt an deutschen Regularien.

Vor allem interessant für: Alle, die sich für die Fachkräftesituation interessieren

Deshalb berichten wir: Die Bundesagentur für Arbeit veröffentlichte eine Studie.

Den Autoren erreichen Sie unter: m.kierstein@zgo.de

Demnach gab ein Viertel der Befragten an, Deutschland aus aufenthaltsrechtlichen Gründen verlassen zu haben. Etwa ein Viertel nannte berufliche Gründe wie das Ende einer befristeten Beschäftigung, Arbeitslosigkeit oder weil die berufliche Qualifikation nicht anerkannt wurde.

Mehrere Gründe

Auch eine fehlende soziale Integration gaben die Befragten häufig als Grund für die Rückkehr ins Heimatland an. Zwei von drei hoch qualifizierten Fachkräften aus außereuropäischen Ländern erklärten demnach, Diskriminierung aufgrund ihrer Herkunft erfahren zu haben.

„In vielen Fällen ist die Ausreise in einem Bündel an unterschiedlichen strukturellen und individuellen Faktoren begründet“, erläutern die Autorinnen und Autoren der Studie. Die Ergebnisse wiesen daraufhin, wo hoher Handlungsbedarf bestehe.

Lage in Ostfriesland

Auch in Ostfriesland arbeiten Menschen aus außereuropäischen Drittstaaten. Die Frage ist nun: Ist auch hier eine Abwanderung zu bemerken? Die Kreise Leer, Wittmund und Aurich können zumindest keine Zahlen liefern, da man diese nicht erhebe. „Wenn eine Einreise durch ein Visaverfahren oder über das Fachkräfteeinwanderungsgesetz erfolgt ist und eine Erwerbstätigkeit in Deutschland aufgenommen wurde, diese dann aber wieder aufgegeben wird, um in das Heimatland zurückzukehren, werden der Ausländerbehörde die Gründe für die Rückkehr in das Heimatland nicht bekannt und auch dementsprechend nicht erfasst, so dass wir keine verlässlichen Angaben hierzu treffen können“, erklärt Rainer Müller-Gummels, Sprecher des Landkreises Aurich.

Auch der Landkreis Wittmund erhebt keine Daten zu den Gründen einer Ausreise. „Bei der Frage nach Gründen können wir nur spekulieren, und das wollen wir hier nicht tun“, sagt Ralf Klöker, Sprecher des Kreises Wittmund. Aber die Koordinierungsstelle für Migration, Teilhabe und Ehrenamt kümmere sich um diese Fragen. „Hier wird intensiv am Thema der sozialen Integration gearbeitet; es geht um die Schaffung und Pflege eines Netzwerkes von „Lotsen“ und „Helfern“, was gerade im bürgernahen ländlichen Raum auch gut möglich ist“, sagt er. Es gebe aber im Landkreis Wittmund kaum international agierende Unternehmen, die überhaupt Arbeitskräfte aus Drittstaaten anlocken und einsetzen. „Wünschenswert wäre es sicherlich, die wenigen Arbeitskräfte aus Drittstaaten hier zu halten, da der allgemeine Fachkräftemangel auch längst im Landkreis Wittmund angekommen ist“, so Klöker.

IQ Netzwerk kann helfen

In Niedersachsen und in Ostfriesland ist neben den Landkreisen auch das IQ Netzwerk aktiv. Das Netzwerk ist in Aurich, Emden, Norden und Leer erreichbar und berät rund um das Thema Job und Qualifizierung. Das Netzwerk hat Beratungsstellen für Menschen, die im Ausland einen Beruf gelernt haben. Diese werden begleitet und zwar während des gesamten Anerkennungsverfahrens. Wenn die Qualifikation für eine Anerkennung nicht ausreicht, werden Kurse organisiert und weitere Informationen in vielen Sprachen zur Verfügung gestellt.

Das Ziel ist es, die Menschen bei der Integration in den Arbeitsmarkt zu stützen und ein Gefühl von Hilfe und Verständnis zu vermitteln. Aber auch Unternehmen können sich an das Netzwerk wenden, um Unterstützung zu erhalten. Ein Beispiel dafür, dass diese Hilfe viel wert ist, ist Mercy Nkwonta. Sie hatte in Nigeria den Job der Hebamme erlernt und musste in Deutschland aufzeigen, welche Teile der deutschen Ausbildung sie noch nicht gemacht hatte. Dabei halfen ihr die Berater im Landkreis Leer mit der Organisation und den Dokumenten. Heute arbeitet Mercy Nkwonta am Borromäus Hospital in Leer als Hebamme.

Forderung der BA

„Bei der geplanten Reform der Fachkräfteeinwanderung brauchen wir schnellere, unbürokratischere Verfahren und zudem den gesellschaftlichen Konsens, Arbeitskräfte aus Drittstaaten auch willkommen zu heißen und sie zu integrieren“, sagte BA-Vorständin Vanessa Ahuja.

Die Ergebnisse der Studie sprachen aber auch für Deutschland: So waren viele Befragte mit dem Gehalt und der Einhaltung der Arbeitnehmerrechte zufrieden. Die Auswertung ergab, dass zwei Drittel der Fachkräfte gerne nach Deutschland zurückkommen würden. Die Fachleute weisen aber daraufhin, dass das Ergebnis verzerrt sein könnte, weil sich möglicherweise vor allem Leute mit Rückkehrwunsch an der Befragung beteiligten. Diese soll Vorbereitung einer größer angelegten, repräsentativen Hauptstudie dienen, die in den kommenden Jahren belastbare Ergebnisse liefern soll.

Mit Material der dpa

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