Hamburg  Trotz Ukraine-Krieg: Diese 10 Länder halten weiterhin Kontakt zu Russland

Jakob Patzke
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Von Jakob Patzke
| 25.01.2023 16:33 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Trotz zunehmender Isolation pflegt Kreml-Chef Wladimir Putin noch Kontakt zu einigen Ländern. Foto: dpa/Pool Sputnik Kremlin/AP/Mikhail Klimentyev
Trotz zunehmender Isolation pflegt Kreml-Chef Wladimir Putin noch Kontakt zu einigen Ländern. Foto: dpa/Pool Sputnik Kremlin/AP/Mikhail Klimentyev
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Seit fast einem Jahr tobt der Krieg in der Ukraine. Russland wirkt zunehmend isoliert, doch es gibt Staats- und Regierungschefs, die weiterhin Kontakte zu Kreml-Chef Wladimir Putin pflegen. Was ist ihr Motiv?

Am 24. Februar 2022 begann die russische Invasion in der Ukraine. Knapp ein Jahr später tobt der Krieg immer noch. Gleichzeitig haben sich immer mehr Länder vom russischen Präsidenten Wladimir Putin abgewendet. Mehr noch: Die westlichen Staaten unterstützen die Ukraine mit Waffenlieferungen.

Allerdings gibt es nach Angaben des „Business Insider“ auch Länder, die weiterhin gute Verbindungen zu Putin pflegen. Sei es aus wirtschaftlichen, ideologischen, geopolitischen oder militärischen Gründen.

Die ehemalige Sowjetrepublik Armenien benötigt Russland in erster Linie als Schutzmacht. Grund ist der Konflikt mit dem Nachbarland Aserbaidschan um die international nicht anerkannte Republik Bergkarabach. Allerdings hatte das Verhältnis zu Russland zuletzt etwas gelitten – jedoch nicht wegen des Ukraine-Krieges.

Vielmehr warf Armenien der russischen Regierung Untätigkeit im Bergkarabach-Konflikt vor, obwohl noch immer russische Truppen im Land stationiert sind. Darüber hinaus erteilte die armenische Regierung einem geplanten Militärmanöver des russisch dominierten Militärbündnisses „Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit“ (OVKS) eine Absage. „In der aktuellen Situation halten wir die Durchführung von OVKS-Übungen auf dem Gebiet Armeniens für nicht zweckmäßig“, erklärte Regierungschef Nikol Paschinjan.

Bislang blieb die Rolle von Belarus im Ukraine-Krieg eher undurchsichtig. Zwar nutzte das russische Militär das Land, um auch von dort aus in die Ukraine einzumarschieren. Zudem sind weiterhin Truppen und militärische Ausrüstung in Belarus stationiert. Doch ein direktes Eingreifen in den Krieg vermied der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko bislang – obwohl er sich durchaus als engster Verbündeter Putins bezeichnen dürfte.

Laut „Business Insider“ halten es Militärexperten für unwahrscheinlich, dass Lukaschenko seine eigenen Truppen in die Ukraine einmarschieren lässt. Demnach würde eine große Mehrheit der belarussischen Bevölkerung einen Kriegseintritt nicht wollen. Bei einer Missachtung dieses Stimmungsbilds könnten Unruhen im Land die Folge sein. Hinzu kommt, dass Lukaschenko selber betonte, er wolle nicht in den Krieg eingreifen.

Russland vermeidet es so gut es geht, von einem „Krieg“ zu sprechen. Stattdessen wählt der Kreml für die russische Invasion in der Ukraine Begriffe wie „Konflikt“ oder „Militäroperation“. China orientiert sich an dieser Wortwahl. Auch sonst bezieht die Volksrepublik keine klare Stellung zum Ukraine-Krieg. Das hat vor allem wirtschaftliche Gründe.

Denn China ist das wichtigste Exportland für russisches Öl und Gas. Im vergangenen Jahr stieg der Handel – trotz des Ausbruchs des Ukraine-Krieges – um rund 33 Prozent. Allerdings fürchtet China mit Blick auf die westlichen Absatzmärkte mittlerweile um die wirtschaftlichen Folgen des Krieges in der Ukraine.

Nicht nur in Asien, sondern auch in Afrika unterhält Russland wichtige Kontakte. Eritrea in Ostafrika bietet für die Kreml-Regierung eine strategisch günstige Lage am Meer, vor allem aus militärischer und wirtschaftlicher Perspektive. Doch die guten Beziehungen beruhen auf Gegenseitigkeit. Denn das diktatorisch geführte Eritrea wird bereits seit längerem vom Westen mit Sanktionen belegt. Die Partnerschaft mit Russland bietet daher eine gute Möglichkeit, diese Strafen zu umgehen.

Ähnlich wie China unterhält auch Indien militärische und wirtschaftliche Beziehungen zu Russland – und beobachtet den Ukraine-Krieg zunehmend mit Argwohn. Dabei kommt ein Großteil der militärischen Ausrüstung aus Russland, auch sein Öl kauft Indien aus Russland. Zudem blieb die Regierung um Premierminister Nerendra Modi im Ukraine-Krieg vorwiegend neutral.

Doch es kommen auch kritische Töne aus Neu Delhi. Im September des vergangenen Jahres erklärte Modi bei einem Treffen mit Putin: „Ich weiß, dass unsere Ära nicht die Ära des Krieges ist, das habe ich Ihnen schon am Telefon gesagt.“ Darüber hinaus veröffentlichten die G20-Staaten im November 2022 ein Statement, in dem „die meisten Teilnehmer“ den Ukraine-Krieg verurteilten – Indien widersprach nicht.

Der Iran vermied bislang eine klare Haltung zum Ukraine-Krieg. Allerdings: Die Annexion der Krim 2014 und der ostukrainischen Regionen Luhansk und Donezk wollte die Regierung nicht anerkennen. Doch der Iran soll im Ukraine-Krieg Kamikaze-Drohnen an Russland geliefert haben. Somit bleibt die genaue Beziehung unklar.

Sehen Sie in der Statista-Grafik die russischen Exportumsätze von den fossilen Rohstoffen Erdöl, Erdölprodukte, Erdgas, LNG und Kohle im Jahr 2022:

Im November des vergangenen Jahres erklärte der iranische Präsident Ebrahim Raisi, er wolle die Beziehungen zum Kreml auf eine „strategische“ Ebene heben. Ein Zeichen dafür ist ein milliardenschwerer Kooperationsvertrag des russischen Energiekonzerns Gazprom mit einem iranischen Ölunternehmen.

Wohl kaum ein Land auf der Welt ist derart isoliert wie Nordkorea. Doch zu Russland unterhält Diktator Kim Jong Un gute Beziehungen. So unterstützte der Kreml das Land beim Aufbau des Raketen- und Atomprogramm. Im Gegenzug akzeptierte Pjöngjang die Abspaltung der ostukrainischen Regionen Donezk und Luhansk.

Darüber hinaus versorgte Nordkorea die russische Söldnergruppe Wagner mit Waffen und Munition und lobte Russland im Rahmen des Ukraine-Krieges dafür, „die Sicherheit und territoriale Integrität seines Landes ohne die militärische Unterstützung anderer“ zu verteidigen.

Neben Belarus dürfte kaum ein anderes europäisches Land so pro-russisch eingestellt sein wie Serbien. Zum einen hängt dies laut „Business Insider“ mit der Verbundenheit durch die christlich-orthodoxe Kirche und Kultur zusammen. Zum anderen haben Belgrad und Moskau in der Nato einen gemeinsamen Feind gefunden.

Zuletzt bekamen die Beziehungen jedoch kleine Risse. Grund war ein Werbespot der russischen Söldnergruppe Wagner, der Serben den Einsatz im Ukraine-Krieg schmackhaft machen wollte. Der serbische Präsident Aleksandar Vucic reagierte empört. „Warum tun Sie Serbien das an?“, fragte er in einem Fernsehinterview.

Sprach sich Südafrika zu Beginn des Ukraine-Krieges noch deutlich gegen die russische Invasion aus, sind aus Kapstadt nun ganz andere Töne zu hören. Nach Angaben der südafrikanischen Außenministerin Naledi Pandor sei die Situation heute eine ganz andere, da es einen „massiven Transfer von Waffen“ gegeben habe.

Darüber hinaus ist für Mitte Februar eine gemeinsame Militärübung der russischen, chinesischen und südafrikanischen Marine geplant. Diese werde die „bereits blühende Beziehung zwischen Südafrika, Russland und China stärken“, heißt es vom südafrikanischen Militär.

Als der syrische Machthaber Baschar al-Assad die Revolution im eigenen Land blutig niederschlug, bekam er militärische Unterstützung aus Moskau. Mittlerweile kontrolliert Assad wieder den größten Teil des Landes – und will sich offenbar revanchieren.

Als eines von vier Ländern stimmte Syrien gegen die UN-Resolution im März. Darüber hinaus gibt es Spekulationen, wonach Russland in Syrien Kämpfer für den Ukraine-Krieg rekrutiert. Laut „Business Insider“ gibt es dafür jedoch keine eindeutigen Belege.

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