Upahl Bewohner in norddeutscher Gemeinde planen Proteste gegen Flüchtlingsunterkunft
Auf einer Sondersitzung soll es am Donnerstag um die geplante Errichtung einer großen Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in einer kleinen Gemeinde in Norddeutschland gehen - doch Widerstand tut sich auf.
Die geplante Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in einem Gewerbegebiet in Upahl (Mecklenburg-Vorpommern) sorgt weiter für Protest. Nach einer Demonstration gegen die Errichtung der Containerunterkunft für bis zu 500 Menschen am Montag in Grevesmühlen rechnet die Polizei rund um eine Dringlichkeitssitzung des Kreistags von Nordwestmecklenburg am Donnerstag dort mit weiteren Protesten.
„Nach der Versammlung vom Montagabend ist davon auszugehen, dass auch bei der Sondersitzung des Kreistags Personen darauf aufmerksam machen werden, dass die Pläne für eine Gemeinschaftsunterkunft in Upahl nicht in ihrem Sinne sind. Es wird so sein, dass die Veranstaltung polizeilich begleitet wird“, sagt Jessica Lehrke. Wie genau diese Begleitung aussehen soll und in welcher Stärke die Polizei vor Ort sein wird, ließ die Sprecherin der Polizeiinspektion Wismar offen.
Nach Polizeiangaben waren am Montag bis zu 400 Menschen in Grevesmühlen zusammengekommen, um ihren Unmut über die mögliche Errichtung einer Gemeinschaftsunterkunft in der benachbarten Ortschaft Upahl kundzutun.
Die Unterkunft soll in Containerbauweise im Gewerbegebiet An der Silberkuhle in Upahl errichtet werden und nach SVZ-Informationen in der höchsten Ausbaustufe bis zu 500 Menschen Platz bieten. Dies wäre die dritte Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber im Landkreis Nordwestmecklenburg.
Die derzeit größte dieser Unterkünfte befindet sich aktuell in der Wismarer Haffburg. Rund 340 Asylbewerber aus aller Herren Länder leben dort bis zu einer Entscheidung über ihre jeweiligen Asylverfahren. Darüber hinaus wird seit November vergangenen Jahres die Sporthalle des Berufsschulzentrums Nord mit einer Kapazität für bis zu 150 Menschen als Gemeinschaftsunterkunft genutzt. Asylbewerber aus Afghanistan, Syrien, der Türkei und Afrika sind dort auf engstem Raum untergebracht.
Bis zu 50 Zuweisungen bekommt der Landkreis derzeit vom Land Mecklenburg-Vorpommern pro Woche. Ein Ende ist nicht in Sicht. Geht es in dem Tempo weiter, befürchtet Landrat Tino Schomann (CDU), müsste Nordwestmecklenburg bis Ende des Jahres 1200 Asylbewerber aufnehmen. Das wäre die doppelte Zahl der Asylbewerber-Quote, die der Landkreis Nordwestmecklenburg aktuell aufnehmen muss, und dann sogar für die Mega-Unterkunft im Gewerbegebiet Upahl zu viel.
Bereits seit Monaten hatte der Landkreis händeringend nach einem weiteren Standort für eine weitere Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber gesucht. Eine Unterkunft in einem früheren Lehrlingswohnheim in Groß Stieten scheiterte offiziell an Brandschutzmängeln, nachdem mehr als 250 Menschen in einer Einwohnerversammlung ihrem Unmut über die Pläne Luft gemacht hatten. Auch gegen einen Containerbau in Grevesmühlen gab es Proteste.
Für die aktuellen Proteste gegen die geplante Gemeinschaftsunterkunft in Upahl hat Judith Keller aus Klein Thurow kein Verständnis. Gegenüber der Gadebusch-Rehnaer Zeitung erklärte das Kreistagsmitglied der Partei Die Linke: „Es ist doch eine Einwohnerversammlung zu dem Thema angekündigt. Es wäre besser, bis dahin erst einmal abzuwarten und dann ins Gespräch zu kommen.“