Braunschweig  Nach Wahldebakel: So will die Niedersachsen-CDU wieder angreifen

Lars Laue
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Von Lars Laue
| 21.01.2023 14:17 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Will die Niedersachsen-CDU zurück zum politischen Erfolg führen: Der neue Landeschef Sebastian Lechner. Foto: Michael Matthey/dpa
Will die Niedersachsen-CDU zurück zum politischen Erfolg führen: Der neue Landeschef Sebastian Lechner. Foto: Michael Matthey/dpa
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Die CDU Niedersachsen braucht nach der Schlappe bei der Landtagswahl einen Neustart. Gelingen soll dieser mit dem neuen Vorsitzenden Sebastian Lechner.

Die CDU in Niedersachsen stellt sich neu auf. In der Löwenstadt Braunschweig. Vor den knapp 400 Delegierten in der Stadthalle liegt Nervennahrung auf den Tischen. Kleine Riegel namens „Lion“, auf deren Verpackung brüllende Löwen mit scharfen Zähnen abgebildet sind.

Auch der scheidende Vorsitzende und Verlierer der Landtagswahl im Oktober, Bernd Althusmann, brüllt ein letztes Mal als Landeschef der Partei von der Bühne. „Ich bin immer noch überzeugt davon, dass es besser für Niedersachsen gewesen wäre, wenn wir die Wahl gewonnen hätten“, sagt Althusmann in seiner Abschiedsrede.

Hätte, hätte... Fakt ist, dass die CDU eine historische Wahlschlappe eingefahren hat. Die CDU kam bei der Wahl am 9. Oktober auf 28,1 Prozent - einen niedrigeren Wert hatte die Partei bei einer Landtagswahl in Niedersachsen zuletzt in den 1950er Jahren geholt. Die SPD regiert seit knapp zweieinhalb Monaten mit den Grünen - die CDU musste den Gang in die Opposition antreten.

Es war das zweite Mal, dass Althusmann sich an Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) die Zähne ausgebissen hat. Jetzt ist Schluss für Althusmann. „Ich melde mich ab - Danke“, brummt der 56-Jährige in den Saal und die Delegierten verabschieden den scheidenden Kapitän mit einem ordentlichen Applaus von der Brücke der Niedersachsen-CDU.

Der neue Chef des mit seinen rund 55.000 Mitgliedern zweitgrößten Landesverbandes der CDU in Deutschland heißt seit Samstagmittag Sebastian Lechner (42). Das Wahlergebnis: 88,5 Prozent. Kein Spitzenwert, aber anständig. Gegenkandidaten gab es nicht. Lechner ist für zwei Jahre gewählt.

Lechner, als Generalsekretär mitverantwortlich für die verlorene Landtagswahl, geht in die Offensive, übernahm nicht nur den Fraktionsvorsitz der Landtags-CDU, sondern ist nun auch Parteichef.

„Ich bin mir sicher, dass wir wieder angreifen werden“, macht Lechner sich selbst und den Delegierten Mut. Immerhin: Der Parteitag steht unter dem Motto „Neustart 2023“.

Und für diesen steht nun Sebastian Lechner. Der neue starke Mann der niedersächsischen Christdemokraten kann bereits viel politische Erfahrung vorweisen. Seit 2013 sitzt er im Landtag in Hannover. Unter dem Landesvorsitzenden Bernd Althusmann war er Generalsekretär seiner Partei. Lechner ist seit 2001 Mitglied bei der CDU.

Lechner, der auch „Sebi“ genannt wird, gilt vor allem bei den jüngeren Parteimitgliedern als beliebt. Lechner war mehrere Jahre Landesvorsitzender der Jungen Union.

Lechner studierte Rechts- und Wirtschaftswissenschaften. Er war wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Göttingen sowie Sachbearbeiter bei der Investitions- und Förderbank Niedersachsen. Mehrere Jahre war der Diplomvolkswirt als geschäftsführender Gesellschafter einer Verwaltungsgesellschaft tätig. Lechner ist verheiratet, hat drei Kinder und bezeichnet sich selbst im Gespräch mit unserer Redaktion als Familienmensch.

Inhaltlich will Lechner seine Partei nach eigenen Worten wieder stärker an der Mitte der Gesellschaft ausrichten. „An denjenigen, die Kinder erziehen, ins Risiko gehen und Verantwortung übernehmen“, betont der neue Landeschef, der sich auf Landesebene dafür starkmachen will, dass die Energiehilfen „endlich bei den Unternehmen ankommen“. Außerdem gelte es, „diejenigen, die uns retten und schützen“ so auszustatten, dass sie in Einsätzen keine Angst um Leib und Leben haben müssten. Lechner fordert eine Ausweitung der polizeilichen Videoüberwachung und setzt sich bei der Verurteilung von Straftätern für juristische Schnellverfahren ein.

Überdies müsse das Gesundheitssystem so aufgestellt werden, dass Eltern mit kranken Kindern in Kliniken nicht warten müssen.

Lechners Leitmotiv lautet: „Die CDU muss die Flughöhe verringern und wieder näher bei den Menschen und ihren Themen sein.“ Dazu werde er in Pflegeeinrichtungen hospitieren, auf Höfen mitarbeiten und bei der Meyer Werft eine Schicht schieben, kündigt er an.

„Das ist mein Angebot - schlagt ein“, fordert Lechner die 377 Delegierten am Ende seiner Bewerbungsrede mit erhöhter Stimme auf.

Machen sie. Und Lechner? Fühlt sich „riesig geehrt.“

Nachfolger von Lechner als neuer Generalsekretär wurde Marco Mohrmann. Der Landtagsabgeordnete grenzt sich von der AfD ab. „Das ist nicht konservativ, das ist auch nicht die CDU von früher. Das ist schlicht und ergreifend blauer Unfug. Damit haben wir nichts am Hut und das ist ganz sicher keine Alternative.“

Der 49-Jährige vom Bezirksverband Elbe-Weser ist seit 1990 CDU-Mitglied und seit 2017 Landtagsabgeordneter. Seine politischen Schwerpunkte sind die Agrar-, Umwelt- und Gesundheitspolitik sowie ländliche Räume.

Zu stellvertretenden Landesvorsitzenden wurden die Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann, die Europaparlamentsabgeordnete Lena Düpont sowie der frühere Landesfinanzminister Reinhold Hilbers gewählt.

Die 58-jährige Connemann aus dem Bezirksverband Ostfriesland ist seit 2002 Bundestagsabgeordnete und seit 2021 Bundesvorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsunion. Die 36-jährige Düpont, Mitglied des Europäischen Parlaments, wurde ebenso wiedergewählt wie Reinhold Hilbers. Der 58-Jährige aus dem Bezirksverband Osnabrück-Emsland ist seit 2003 Landtagsabgeordneter und war zwischen 2017 und 2022 niedersächsischer Finanzminister.

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