Kommentar So wird der Fachkräftemangel im Rettungsdienst geschaffen
Der Fachkräftemangel im Rettungsdienst ist nicht gottgegeben. Er wird mit den Arbeitsbedingungen, auch der Bezahlung, systematisch geschaffen – auch in Ostfriesland. Ein Kommentar.
Wenn ein Redakteur das Bereitschafts-Handy hat, kann er den Garten umgraben – so lange das Telefon nicht klingelt. Sanitäter können das in ihrer Bereitschaftszeit nicht: Sie müssen startklar in der Rettungswache sein. Es ist folglich vollkommen grotesk, dass ausgerechnet Lebensretter – also Leute, mit einem extrem wichtigen Job – Arbeitszeit in Form von Bereitschaftszeit leisten müssen, die sie nicht bezahlt bekommen. Wie konnte diese geradezu unglaubliche Regelung überhaupt etabliert werden? Vielleicht, weil Rettungskräfte überdurchschnittlich hilfsbereit sind – sonst hätten sie einen anderen Beruf erlernt.
Alleine der Umstand, dass nur ein Teil der Zeit am Arbeitsplatz bezahlt wird, ist Erklärung genug, warum die Rettungsdienste unter Fachkräftemangel leiden. Wie der gemindert werden kann, liegt auf der Hand: Der Einsatz der Sanis müsste einfach anständig honoriert werden.
Dass insbesondere die DRK-Rettungskräfte im Landkreis Leer auch noch um jede Minute kämpfen müssen, die ihnen zum Anziehen der Dienstkleidung und zur Übergabe der Fahrzeuge als Arbeitszeit angerechnet wird, setzt dem sprichwörtlichen Fass die Krone auf. Die nächsten Berichte über die Arbeitsbedingungen der ostfriesischen Sanitäter sind bereits in Arbeit.
Den Autor erreichen Sie unter a.ellinger@zgo.de
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