Houston Neues Verhütungsmittel für Männer? Forscher machen Spermien unfruchtbar
Die Pille für Männer ist schon vor Jahren an Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen und Stimmungsschwankungen gescheitert. Nun haben Forscher eine Methode präsentiert, Samenzellen unfruchtbar zu machen. Endlich ein Verhütungsmittel für den Mann?
Samenzellen unfruchtbar zu machen, klingt zunächst erschreckend. Die mögliche neue Verhütungsmethode, die internationale Forscher im Fachblatt „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS) vorstellen, ist jedoch nicht so endgültig wie sie klingt.
Ein weiterer Pluspunkt: Sie kommt ganz ohne Hormone aus und würde daher keine möglichen Nebenwirkungen wie Stimmungsschwankungen oder einen Verlust der Libido mit sich bringen. Obgleich hormonelle Verhütungsmethoden, die Frauen anwenden oftmals genau diese Nebenwirkungen mit sich bringen, ist die Hormonspritze für den Mann schon vor mehr als zehn Jahren an diesen unliebsamen Begleiterscheinungen gescheitert.
Die neu entdeckte Methode wirkt nicht wie andere erprobte Verhütungsmittel, indem sie die Bildung von Spermien hemmt oder verhindert. Stattdessen setzen die Forscher am Moment der Befruchtung an, die nur geschieht, wenn im Körper der Frau ein Spermium mit der Eizelle verschmilzt.
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Bereits vor dem jetzigen Forschungsdurchbruch war bekannt, dass es nur zu dieser Verschmelzung kommt, wenn sich die Oberflächenspannung des Spermiums verändert. Ebenfalls bekannt war, dass hierfür ein sogenannter Ionenkanal aktiv wird, über den das Spermium Kaliumionen aus der Zelle pumpt. Welcher Kanal das ist und mit welchem Wirkstoff er gehemmt werden kann, haben die Wissenschaftler jedoch erst jetzt herausgefunden.
Mit dem gefundenen Wirkstoff wird ein Ionenkanal namens SLO3 lahm gelegt, weshalb es nicht zum Herauspumpen der Kaliumionen und in der Folge auch nicht zur Verschmelzung des Spermiums mit der Eizelle kommen kann. Eine Befruchtung findet in der Theorie also nicht mehr statt.
Den Forschern zufolge lassen sich aus dieser Entdeckung zwei Erkenntnisse ziehen. Zum einen könnten Medikamente, die auf dem SLO3-Hemmer basieren, verhindern, dass menschliche Spermien Eizellen befruchten. Zum anderen könnte die Entdeckung auch erklären, warum einige Männer an Unfruchtbarkeit leiden: Wenn bei ihnen der SLO3-Kanal durch beispielsweise Mutationen verändert ist, kann ebenfalls keine Befruchtung stattfinden.
Noch nicht eindeutig geklärt ist, ob die Substanz für Menschen keine Risiken birgt und wie genau das Verhütungsmittels angewendet werden würde. Artur Mayerhofer vom Biomedizinischen Centrum München hält dem „Spiegel“ zufolge ein vaginales Gel, das den Wirkstoff enthält, am wahrscheinlichsten. Die Verhütung würde demnach wohl trotzdem eine Aufgabe der Frau bleiben.