Rendsburg  Preise, Typen, Lieferzeiten: Experten geben Tipps für neuen Kaminofen

Lutz Timm
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Von Lutz Timm
| 20.01.2023 13:22 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Carina Vogel, Energiereferentin der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein (VZSH). Foto: Privat
Carina Vogel, Energiereferentin der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein (VZSH). Foto: Privat
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Zeit zum Handeln: Weil bis 2024 viele Öfen ausgetauscht werden müssen, trifft eine hohe Nachfrage auf einen angespannten Markt. Wir zeigen, worauf es beim Ofenkauf ankommt und was langjährige Nutzer beachten müssen.

Neue Regeln für Kaminöfen sorgen für Wirbel: Weil viele Geräte aus den Jahren 1995 bis 2010 bald ausgetauscht oder stillgelegt werden müssen, geht es für Händler, Handwerker und Ofenbesitzer bereits jetzt hoch her. Grund ist die Bundes-Immissionsschutzverordnung, die Öfen mit zu hohen Schadstoffausstößen ab Ende 2024 verbietet.

Feuerstätten, die die Grenzwerte von 0,15 Gramm pro Kubikmeter Staub und 4 Gramm pro Kubikmeter Kohlenmonoxid überschreiten, dürfen dann nicht mehr betrieben werden.

Die gesetzliche Regelung trifft auf einen durch Corona, Ukraine-Krieg und Energiekrise bereits erhitzten Markt. Was Ofenbesitzer und solche, die es werden wollen, erwartet und für wen die beliebte Heizart geeignet ist, zeigen wir im Detail.

Die Nachfrage sei aktuell „irrsinnig hoch“, sagt Volker Theden, Ofenbauer aus Büdelsdorf. Viele Kunden suchen im Ofen eine kurzfristige Möglichkeit, die stark gestiegenen Energiekosten abzufedern.

Das bestätigt auch Carina Vogel, Energie-Referentin der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein (VZSH). Seit der Markt für Öfen boomt, bekommt auch die Expertin überdurchschnittlich viele Anfragen zum Thema Kaminofen. „Es ist viel Bewegung in den Markt gekommen, auch durch die neuen Verordnungen“, sagt Vogel. Wichtig sei in erster Linie, sich Gedanken zu machen, welches der individuell richtige Weg ist.

Gemütliche Atmosphäre am Wochenende oder ein Schritt in Richtung unabhängige Wärmeversorgung? Die Art der Nutzung ist entscheidend für die Auswahl eines Ofentyps. „Dazu ist es wichtig, die Gebäude individuell zu betrachten“, sagt Volker Theden. „Dann kann man entscheiden, ob ein Kaminofen oder ein klassischer Kachelofen am besten geeignet ist.“ Theden ist in zweiter Generation Ofenbauer, diplomierter Umweltingenieur und war jahrelang als Sachverständiger aktiv.

Neben der geplanten Nutzung sind vor allem die baulichen Voraussetzungen wichtig. Ist ein Schornstein vorhanden? Muss einer nachgerüstet werden, ist die Höhe entscheidend, außerdem die Entfernung zu möglichen Nachbarn, erläutert Theden. „Der Rauch darf natürlich nicht gleich ins nächste Fenster ziehen.“ Auch auf diesem Gebiet seien die gesetzlichen Voraussetzungen gerade verschärft worden.

Wer sich einen Ofen einbauen möchte, muss vorher die Funktion des Schornsteins testen lassen und einen sogenannten Verbrennungsluftnachweis erbringen. Auch eine Baugenehmigung ist notwendig. „Die Vorgaben für die drei Nachweise gelten auch, wenn ein Ofen aufgrund der geänderten Grenzwerte ausgetauscht werden muss“, betont Theden.

Wer bereit ist, diese Hürden zu nehmen, kann sich auf einen Ofentyp festlegen. Die KW-Angaben seien dabei gar nicht so wichtig, erläutert Theden. Da die angegebene Nennwärme meist nicht viel mit der tatsächlichen Leistung zu tun hätte, sei die Heizart erheblich entscheidender.

So würden die typischen Kaminöfen dänischen Typs die Luft erwärmen (Konvektionswärme) und so den Raum heizen. Ein Kachelofen hingegen erzeuge Strahlungswärme, die die Objekte im Raum erhitze.

„Die dänischen Öfen heizen schnell auf, aber dann fällt die Heizkurve stark ab“, erklärt Volker Theden. Da Holz ein kaum zu regulierender Brennstoff sei, ist das Prinzip der Kachelöfen effektiver. Durch die zehn bis 14 Zentimeter dicken Wände und die langen Wege der Rohre innerhalb der Öfen sind die „sanften Riesen“ nicht ganz so schnell heiß, können die Wärme jedoch gleichmäßiger über einen langen Zeitraum abgeben.

Während der durchschnittliche Kaminofen jede Stunde nach neuen Holzscheiten verlangt, reiche es bei Kachelöfen aus, morgens und nachmittags Holz aufzulegen.

Welches für wen der richtige Ofentyp ist, sei abhängig von den Gebäudevoraussetzungen, individuellem Geschmack und finanziellen Möglichkeiten.

Neben den beiden Haupttypen gibt es noch unzählige weitere Ofen-Typen. Dazu gehören unter anderem

Letztere erhitzen zusätzlich Wasser, das für die Speisung des Heizungssystems genutzt wird.

Im Gegensatz zu Gas-, Strom- oder Ölheizungen haben Öfen eine Besonderheit: sie alle müssen per Hand bestückt werden – und zwar regelmäßig und in nicht zu unterschätzenden Mengen.

Je nach Nutzung kommen schnell mehrere Raummeter Holz zusammen. „Das bringt die Frage zu Beschaffung, Lagerung und Verarbeitung des Holzes mit sich“, sagt Volker Theden. Nicht jeder sei dazu bereit oder in der Lage. Auch eine regelmäßige Wartung des Ofens und die vorgeschriebenen Kehrungen durch den Schornsteinfeger sollten bedacht werden.

Wer derzeit einen neuen Ofen kaufen möchte, sollte sich nicht zu viel Zeit lassen. „Wir leben von der Hand in den Mund“, sagt Volker Theden. „Es ist ein großes Durcheinander auf dem Markt.“ Lieferzeiten von knapp eineinhalb Jahren seien derzeit üblich. Sonderanfertigen und besondere Bauteile würden noch länger auf sich warten lassen.

Im Fachhandel müssen Kunden mit Preisen ab 1500 Euro für Kaminöfen zuzüglich Montage rechnen. Modelle mit Specksteineinsatz zur Wärmespeicherung sind ab 3000 Euro zu haben. „Heizkaminbausätze kosten zwischen 6000 und 10.000 Euro“, berichtet Theden. „Handwerkliche Lösungen, bei denen wir die Öfen mauern, gehen ab 12.000 Euro los.“ Der durchschnittliche Ofen schlage mit bis zu 20.000 Euro zu Buche.

Günstigere Modelle bieten Baumärkte und andere Einzelhändler ab. Einfache Kaminöfen gibt es ab etwa 300 Euro, aufwendigere Geräte gehen bis 1500 Euro und schließen die Lücke zum Fachhandel.

Auch hier ist die Lieferzeit die größte Hürde: Stichproben unserer Zeitung ergaben, dass viele Öfen online nicht mehr verfügbar sind. Einzelne Modelle stehen allerdings noch in den Märkten.

Mit Blick auf die Marktlage für Kaminöfen und die teils drastischen Preissteigerungen für Holz rät auch VZSH-Fachfrau Carina Vogel, das Kosten-Nutzen-Verhältnis durchzurechnen. „Wenn man sich zwischen dem Einbau einer Wärmepumpe und dem Kauf eines Ofens entscheiden muss, sollte man auch den langfristigen Nutzen der Investition im Blick behalten“, rät Vogel. Hier sei vor allem zu beachten, dass ein Kaminofen häufig lediglich für eine schöne Optik und eine behagliche Atmosphäre gekauft werde.

Der Heiznutzen sei hingegen für viele Käufer nebensächlich. „Dann sollte man zu der weitreichenderen Lösung tendieren.“ Auch eine mögliche Förderung energetischer Maßnahmen und die CO2-Emission sei hier individuell zu betrachten. „Viele Faktoren sind entscheidend, daher sollte man sich immer von Experten beraten lassen. Einfach losgehen und kaufen ist der falsche Weg.“

Wer sich für einen Kaminofen entscheidet, sollte neben dem CO2-Ausstoß nach Ansicht von Carina Vogel noch einen weiteren Aspekt beachten: „Holz ist zwar ein nachwachsender Rohstoff, aber nicht unendlich.“

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