Ergebnisse liegen vor  Studie hat Fraßschäden durch Gänse im Rheiderland ermittelt

Jonas Bothe
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Von Jonas Bothe
| 20.01.2023 12:26 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Nonnengänse rasten häufig im Rheiderland. Symbolfoto: Wüstneck/dpa
Nonnengänse rasten häufig im Rheiderland. Symbolfoto: Wüstneck/dpa
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Das Rheiderland wird von Wildgänsen zum Überwintern angeflogen. Das sorgt für Konflikte mit Landwirten. Jetzt wurde eine Studie zu den Fraßschäden veröffentlicht. Eine Gänseart sticht dabei hervor.

Rheiderland - Niedersachsen besitzt für überwinternde arktische Gänse eine große nationale und internationale Bedeutung. Vor allem das Rheiderland wird von den Tieren angeflogen. Doch durch die zahlreich rastenden Gänse entstehen immer wieder auch Konflikte. Am Donnerstag ist eine unter Leitung des Niedersächsischen Umweltministeriums erstellte Langzeitstudie zu Gänsefraßschäden erschienen. Daran mitgewirkt hat auch der aus Leer stammende Forscher Dr. Helmut Kruckenberg, der sich seit langem mit der Situation im Rheiderland beschäftigt.

Dr. Helmut Kruckenberg hat an der Studie mitgewirkt. Foto: Privat
Dr. Helmut Kruckenberg hat an der Studie mitgewirkt. Foto: Privat

In der europaweit ersten Studie dieser Art würden die Biomasseverluste durch Gänsefraß ermittelt, teilt das Ministerium mit. Es sei eine wichtige Grundlage, um Ausgleichszahlungen für Landwirte in den Hauptgebieten der Gänserast zu bestimmen – darunter dem Rheiderland.

Auswirkungen durch Blässgänse zu vernachlässigen

Ein Ergebnis sei gewesen, dass die in großer Zahl im Küstenraum überwinternden Nonnengänse den größten nachweisbaren Effekt auf die im Grünland auftretenden Schäden haben. Die überwinternden Blässgänse seien dagegen in ihrer Ertragsauswirkung zu vernachlässigen, auch weil sie bereits Mitte/Ende März ihre Rastgebiete verlassen und so die Vegetation genug Zeit habe sich zu erholen.

Das Rheiderland wird von Wildgänsen als Rastgebiet genutzt. Foto: Archiv
Das Rheiderland wird von Wildgänsen als Rastgebiet genutzt. Foto: Archiv

Ein weiteres Ergebnis war der Mitteilung zufolge, dass sich der Fraß der Gänse nicht auf die weiteren Grasschnitte im Verlauf eines Jahres auswirke. Dies betreffe sowohl den Ertrag als auch die Qualität. Eine Verschmutzung der Grassilage mit Gänsekot konnte in den Untersuchungen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen ebenfalls nicht nachgewiesen werden.

Für Studie wurden Schutzkörbe im Rheiderland aufgestellt

Für die Artengruppe der arktischen Gänse sind in Niedersachsen etwa 125.000 Hektar Fläche als EU-Vogelschutzgebiete ausgewiesen worden. Um die Fraßschäden im Grünland – in Form von Biomasseverlusten – beziffern zu können, hatte das Land bereits Mitte der 1990er Jahre begonnen, Verluste beim ersten und zweiten Grasschnitt durch die Landwirtschaftskammer Niedersachsen zu quantifizieren.

Dafür wurden vor der ersten Rast auf Grünflächen im Rheiderland Schutzkörbe aufgestellt, die für weidende Gänse unzugänglich waren. Nach den jeweiligen Rastperioden im Frühjahr verglich die Landwirtschaftskammer Niedersachsen die Biomasse und Grasqualität mit den für Gänse zugänglichen Flächen.

„Wir haben eine besondere Verantwortung für die nordischen Gastvögel, die in Niedersachsen überwintern“, wird Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer zitiert. „Gleichwohl benötigen Landwirtinnen und Landwirte für nachweislich entstandene Schäden einen gerechten Ausgleich.“ Das Land zahle, kofinanziert durch die EU, jährlich mehr als acht Millionen Euro dafür an landwirtschaftliche Betriebe. „Mit der Langzeitstudie erhalten wir in der Debatte um Artenschutz, Fraßverhalten und die Auswirkungen auf die Landwirtschaft eine fundierte und sachliche Basis“, so Meyer. Die Ergebnisse der Studie sind jetzt in der aktuellen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift „Journal of Applied Ecology“ nachzulesen.

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