Berlin Unbegrenzt Urlaub bei Microsoft: Warum das in der Praxis oft kompliziert ist
Unbegrenzter Urlaub hört sich für viele Angestellte wie eine Wunschvorstellung an. Beim US-Unternehmen Microsoft ist das jetzt Realität – und in der Praxis womöglich nicht ganz so toll, wie gedacht.
Der Urlaubsanspruch für Arbeitnehmer spielt in den USA keine bedeutende Rolle. Umso größer scheint die Neuigkeit, dass das Tech-Unternehmen Microsoft seinen Mitarbeitern unbegrenzt Urlaub ermöglicht. Damit ist jedoch nicht immer nur Entspannung angesagt – es kann auch zu Selbstregulation und sozialen Zwängen führen.
Microsoft kündigte es bereits am vergangenen Mittwoch an: Angestellte sollen künftig selbst entscheiden können, wie viel Urlaub sie nehmen möchten. Eigentlich hat man in den USA als Arbeitnehmer keinen gesetzlichen Urlaubsanspruch, in Deutschland hingegen schon, nämlich mindestens 20 Urlaubstage pro Jahr.
Das Memo, in welchem der Beschluss den Mitarbeitern mitgeteilt wurde, liegt dem amerikanischen Technikmedium „The Verge“ vor. „Wie, wann und wo wir arbeiten, hat sich dramatisch verändert“, zitiert „The Verge“ aus dem Memo. „Und während wir uns verändert haben, war die Modernisierung unserer Urlaubsrichtlinie hin zu einer flexibleren ein natürlicher nächster Schritt.“
Wie es laut „The Verge“ im Memo heißt, sollten die Änderungen ab dem 16. Januar in Kraft treten. Zu den unbegrenzten Urlaubstagen gibt es zehn unternehmensinterne Feiertage sowie Krankheitstage und Beurlaubungen für weitere Fälle.
Noch ungenutzte, verbliebene Urlaubstage sollen den Angestellten im April mit einer Zahlung ausgeglichen werden. Wer für seine Arbeit bei Microsoft stundenweise bezahlt wird, hat keinen Anspruch auf die neue Urlaubsregelung, ebenso wie Angestellte außerhalb der USA.
So positiv die neuen Möglichkeiten bei Microsoft klingen – sie können je nach Unternehmenskultur auch negative Dynamiken mit sich bringen. Darüber schrieb beispielsweise die „BBC“ im vergangenen Mai. In der Praxis könnten Arbeitnehmer insgesamt sogar weniger Urlaub als zuvor nehmen, befeuert durch den Druck von Kollegen und Vorgesetzten. Was intern als „akzeptabel“ gilt, sei dabei der Maßstab.
Gerade in den USA hätte die Arbeits- und Urlaubskultur solche Tendenzen. Urlaub würde hier grundsätzlich wenig genommen werden. Zudem sagte der Professor für Management, Peter Cappelli, gegenüber der „BBC“, Angestellte mit unbegrenztem Urlaub hätten keine freien Tage, die ihnen in jedem Fall zustehen. Sie müssten jedes Mal „mehr oder weniger danach fragen“, was sie eher abschrecken würde.
In Deutschland stehen die Menschen dem Konzept von unbegrenztem Urlaub offenbar gespalten gegenüber. Für die zukünftige Arbeitswelt könnte es dennoch auf Akzeptanz stoßen – das zeigt die folgende Statista-Infografik. Demnach glaubten die befragten jungen Menschen bis 39 Jahre mehrheitlich, dass das Konzept funktionieren könnte. Befragte ab 40 Jahren glaubten mehrheitlich, dass das Konzept nicht funktionieren würde.
Das Konzept des unbegrenzten Urlaubs hatte vor Microsoft bereits in einige US-Tech-Unternehmen gegeben. So wurde die Regelung beispielsweise bereits bei Netflix und dem Microsoft-Unternehmen LinkedIn eingeführt.