Wofür zahl ich denn Steuern? Hundekot macht immer wieder Ärger
Derzeit diskutieren Rheiderländer über das Ärgernis: Hundekot auf Gehwegen erhitzen die Gemüter bei Facebook. Darf man öffentliche Mülleimer für die Tüten nutzen, gibt es genug Spender?
Rheiderland - Es ist ärgerlich und ekelig, wenn man auf dem Gehweg in einen Hundehaufen tritt. Das möchte wohl niemand abstreiten. Bei Facebook wird derzeit trotzdem über das Thema diskutiert. Es geht allerdings mehr um den vermeintlichen Mangel an Hundekotbeutel-Stationen in Weener, aber auch von Mülleimern allgemein. Außerdem fragen sich Nutzer, wozu sie Hundesteuern bezahlen.
Was und warum
Darum geht es: Hundekot sorgt immer wieder für Ärger, wenn er liegen bleibt. Hundehalter sind in der Pflicht, die Hinterlassenschaften aufzuheben. Die Frage, wofür die Hundesteuer investiert wird, kommt dabei immer wieder auf. Wir beseitigen einige Mythen um die Kottüten.
Vor allem interessant für: Hundehalter und die, die sich über Kothaufen ärgern.
Deshalb berichten wir: Die Diskussion brandete in den sozialen Medien wieder auf. Die Autorin erreichen Sie unter: v.vogt@zgo.de
Diese Fragen sind keine, die sich nur Bürgerinnen und Bürger stellen, die im Rheiderland wohnen. Die Hundesteuer ist häufiger umstritten. Und die Einnahmen sprudeln: Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, nahmen die öffentlichen Kassen im Jahr 2021 rund 401 Millionen Euro aus der Hundesteuer ein – ein Rekordwert. Für die Städte und Gemeinden bedeutete dies ein Plus von 5,4 Prozent zum Vorjahr. Im Jahr 2020 waren es 380 Millionen Euro. Die Stadt Weener liefert ebenso Zahlen: „Die Einnahmen liegen seit einigen Jahren bei rund 100.000 Euro jährlich“, sagt Stadtsprecherin Kerstin Beier. In Jemgum waren es in 2022 rund 15.000 Euro, teilt Bürgermeister Hans-Peter Heikens mit. Das heißt aber nicht, dass nun für 100.000 Euro oder eben 15.000 Euro Hunde-Stationen mit Mülleimer und Beutelspender angeschafft werden müssten, denn: Die Hundesteuer ist nicht zweckgebunden und fließt in jeder Kommune in den Gesamthaushalt ein.
Wie viele Angebote gibt es für Hundehalter?
Nicht selten gibt es einen neidischen Blick in die Nachbarkommune, gerade wenn weniger Steuern fällig werden und gleichzeitig mehr Mülleimer und Beutelspender vorhanden sind. Hier kommt der Vergleich für das Rheiderland:
In Weener wird für den ersten Hund eine Steuer von 60 Euro im Jahr fällig, für den zweiten sind es sind es 90 Euro, für jeden weiteren 120 Euro. Im Stadtgebiet gibt es insgesamt fünf Hundekotbeutel-Spender, die im Hafenbereich aufgestellt sind. Jährlich werden 60.000 Beutel für die Spender beschafft. Die Beutel werden im Rahmen der üblichen Reinigung mit weiterem anfallenden Müll entsorgt. Hierfür sind die Hafenmeister zuständig. Kann man für das Wegwerfen der Kotbeutel sonst auch die öffentlichen Mülleimer nutzen? „Natürlich“, so Beier. Im Hafenbereich gebe es auch keine separaten Mülleimer für die Entsorgung von genutzten Beuteln aus dem Spender.
Manche übertreiben es
In Jemgum sind die Steuern niedriger: Ein Hund kostet 45 Euro, der zweite 65, der dritte 85 Euro. „An Hundetoiletten haben wir insgesamt 15 Stück (Beutelspender und Mülleimer) in der Gemeinde“, so Heikens. Die Beutel dürften aber auch in anderen Mülleimern entsorgt werden. „Die Leerung der Mülleimer und das Auffüllen der Beutelspender nimmt natürlich Zeit des Bauhofes in Anspruch. Wobei es leider auch immer Menschen gibt, die sich nicht nur einen oder zwei Beutel nehmen, sondern gleich 20 oder 30 Stück“, so Heikens. Und immer wieder würden die „Hundetoiletten“ oder „Dog-Stations“, wie sie auch genannt werden, mutwillig beschädigt.
„Hierfür habe ich keinerlei Verständnis, ebenso nicht für die Hundehalter, die zwar die Hinterlassenschaften der Tiere mit einem Beutel aufnehmen, diesen dann aber in den Graben oder auf den Grünstreifen werfen“, so Heikens. Für die Pflegearbeiten müssten die Kollegen des Bauhofes dann nämlich jedes Mal zuerst die Kotbeutel einsammeln.
Mehr Steuer, weniger Hunde
Die Hundesteuer fällt in Bunde etwas anders aus: Für den ersten werden 42 Euro fällig, 66 Euro für den zweiten und für jeden weiteren 96 Euro, erklärt Bürgermeister Uwe Sap. „Wir sind mit 30 Dog-Stations, denke ich, sehr gut aufgestellt. Bei Bedarf könnte es vereinzelt mehr werden“, sagt er. Auch in Bunde sei der Aufwand zum Beseitigen der Haufen nicht unerheblich.
Fakt ist: Die Hundesteuer stammt aus dem Mittelalter, wie das Bundesfinanzministerium erklärt. „Mit der Hundesteuer werden vornehmlich ordnungspolitische Ziele verfolgt“, heißt es weiter. Das bedeute, dass sie zum Beispiel dazu beitragen soll, die Zahl der Hunde zu begrenzen.