Müllentsorgung und ihre Kosten  Rhauderfehn, wie hältst du’s mit dem Müll?

Elke Wieking
|
Von Elke Wieking
| 17.01.2023 07:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Alfred Focken (von links), Frank Kappernagel und Adelheid Bollen stehen an einem Container mit Hausmüll, der in Rhauderfehn auf dem Bauhof gesammelt wird. Focken gehört zur Müllkolonne, Kappernagel leitet den Bauhof und Sekretärin Adelheid Bollen verwaltet die Fotos der wilden Müllkippen und leitet die Anzeigen zur Polizei weiter. Foto: Wieking
Alfred Focken (von links), Frank Kappernagel und Adelheid Bollen stehen an einem Container mit Hausmüll, der in Rhauderfehn auf dem Bauhof gesammelt wird. Focken gehört zur Müllkolonne, Kappernagel leitet den Bauhof und Sekretärin Adelheid Bollen verwaltet die Fotos der wilden Müllkippen und leitet die Anzeigen zur Polizei weiter. Foto: Wieking
Artikel teilen:

Bisher wurden Mülleimer auf Zuruf von der Verwaltung aufgestellt, wenn es nötig war. Doch mit einen Mal landet die Entscheidung im Gemeinderat. Warum?

Rhauderfehn - Seit mehr als 40 Jahren sitze er nun im Rat, sagt CDU-Chef Gerhard Krone. Aber noch nie habe er darüber entscheiden müssen, wo Mülleimer aufgestellt werden sollen, fügt er kopfschüttelnd hinzu. Am selben Tisch wie Krone saß auf der vergangenen Ratssitzung sein Fraktionskollege Bernhard Robbers und schwieg. Robbers ist Ortsbürgermeister von Langholt - und sein Ortsrat hatte das Thema aufgebracht.

Wer entscheidet, wo und wie viele Mülleimer in der Gemeinde Rhauderfehn ausgestellt werden? Die Verwaltung oder die politischen Gremien? Das war mit einem Mal eine Frage, die im Rat eine halbe Stunden lang lebhaft diskutiert wurde.

Mit einem Mal war‘s im Rat

Entzündet hatte sich der Streit in Langholt. Dort hatte der Ortsrat vier Tisch-Bank-Kombinationen und zwei Bänke ehrenamtlich aufgestellt. Nun sollten dort auch sechs Mülleimer stehen. Doch Rhauderfehns Bürgermeister Geert Müller fand, weniger seien mehr.

Die Leute sollten ihren Müll wieder mitnehmen. Prompt wanderte das Thema durch die politischen Gremien: vom Ortsrat zum Fachausschuss, bis es von Müller, der auch Verwaltungschef ist, in das höchste politische Gremium zur Entscheidung eingebracht wurde: den Gemeinderat. Dort hatte auch Laura Kruse von Ampel+ den Antrag gestellt, die Verwaltung solle ein Müllkonzept erarbeiten.

Wo werden Mülleimer aufgestellt?

Es gebe bereits Richtlinien, machte Bürgermeister Müller deutlich. Bisher habe die Verwaltung auf Zuruf und in Absprache mit dem Rhauderfehner Bauhof entschieden, wo Mülleimer sinnvoll seien und wo nicht. Notwendig seien sie an Tisch-Bank-Kombinationen, auf Spielplätzen, an Wartehallen und Schutzhütten. Wichtig sei, dass die Mitarbeiter des Bauhofes mit Auto und Anhänger die Standorte gut erreichen könnten, so Müller. Und er wies im Rat auf den Fachkräftemangel hin: Den ganzen Müll einzusammeln, binde nämlich Arbeitskraft.

Deshalb wurden in den vergangenen zwei Jahren in Rhauderfehn dort, wo viele Mülleimer nah beieinander oder solche standen, die kaum genutzt wurden, abgebaut. 2020 gab es 260 Mülleimer, jetzt sind 193, bestätigt der Leiter des Bauhofes, Frank Kappernagel.

Gelbe Säcke aus dem Kanal fischen

Denn inzwischen fahre eine zweiköpfige Müllkolonne die rund 20 Kilometer lange und bis zu sieben Kilometer breite Gemeinde mehrmals in der Woche ab, nur um Mülleimer zu leeren und wilde Müllkippen zu entsorgen, sagt Kappernagel. Früher hätten seine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen - im Sommer sind es 25, im Winter 22 - das nebenher gemacht. Sprich: Obwohl sie Spielplätze, Schulen, Kitas, Buswartehäuschen und so weiter kontrollierten, reparierten und die Landschaft pflegten.

Das sei heute anders, sagt der Chef. Die Leute verlangten mehr Service. Fliegen die leichten Gelben Säcke in einen Kanal und gingen sogar kaputt, kümmerten sich selten die Anwohner. Also müsse die Müllkolonne ran.

Wilde Müllkippen sind ein Problem

Und während des Lockdowns seien die Zahl der wilden Müllkippen drastisch gestiegen, fährt Kappernagel fort. Vor allem 2021 hätten sehr viele ihre Häuser und Grundstücke aufgeräumt. Prompt landeten viel mehr Möbel, Elektrogeräte und Autoteile aller Art im Jammertal oder Breinermoorer Hammrich sowie Matratzen in Gräben.

Ein ständiges Problem sei auch, dass Hausmüll und Hundekotbeutel in die öffentlichen Mülleimer gequetscht oder rundherum abgelegt werden. Alles müsse eingesammelt und entsorgt werden. Wobei sich Kappernagel und sein Mitarbeiter Alfred Fokken oft fragen: Warum machen die Leute das?

In nur zwei Tagen sammelten zwei Mitarbeiter des Rhauderfehner Bauhofes sehr viel illegal entsorgten Abfall ein. Fotos des Bauhofes dokumentieren, was wo gefunden wurde. Am Deich sind es Autoreifen, eine Plane und Laub. Fotos: Bauhof Rhauderfehn
In nur zwei Tagen sammelten zwei Mitarbeiter des Rhauderfehner Bauhofes sehr viel illegal entsorgten Abfall ein. Fotos des Bauhofes dokumentieren, was wo gefunden wurde. Am Deich sind es Autoreifen, eine Plane und Laub. Fotos: Bauhof Rhauderfehn

Elektroschrott abgeben kostet nichts

Eine Waschmaschine im Hammrich abzuladen, koste zum Beispiel genauso viel Sprit, wie diese zur Deponie nach Breinermoor zu bringen, sagen sie. Dort werde Elektromüll kostenlos angenommen und entsorgt, bestätigt Philipp Koenen, der Pressesprecher des Landkreises Leer. Und wer bei der illegalen Müllentsorgung erwischt werde, müsse mit einem Bußgeld rechnen.

Im Jammertal lag eine alte Waschmaschine.
Im Jammertal lag eine alte Waschmaschine.

Dagegen entstehen der Gemeinde und dem Landkreis Leer Kosten. Müller: „Wir haben zwei Entsorgungswege. Neben den Personalkosten gibt es Containerkosten für Müll, der aus den Mülleimern entnommen wird. Hier lagen wir in den letzten fünf Jahren auf einem relativ konstanten Niveau zwischen 7000 und 9000 Euro.“ 2022 seien es 7700 Euro gewesen fügt der Bürgermeister hinzu. Die zusätzliche Stelle beim Bauhof Rhauderfehn verursache Arbeitgeberkosten in Höhe von rund 44.000 Euro. „Dazu kommen die Kosten für die jährlichen Umwelttage, wo uns dankenswerteweise viele Ehrenamtliche unterstützen.“ Und er merkt noch an: „Die Erfahrung zeigt, dass man nach wie vor von allen erwarten darf, dass der Müll mitgenommen wird, wenn während eines Spazierganges oder einer Radtour kein Mülleimer vorgefunden wird.“ Allerdings, fügt Müller trocken hinzu: „Wenn Alkohol im Spiel ist, hilft oft auch kein Mülleimer.“

280 Tonnen illegaler Müll

Der Landkreis Leer teilt mit, dass die Menge an Abfall in den vergangenen Jahren nicht „nennenswert“ gestiegen sei. Kreisweit seien jährlich 280 Tonnen (eine Tonne sind 1000 Kilogramm) an illegalen Abfällen registriert und entsorgt worden: 105 Tonnen bei der Reinigung der Plätze, wo Altglasbehälter stehen, 160 Tonnen seien von den Bauhöfen der Städte und Gemeinden eingesammelt worden und 15 Tonnen seien bei der Aktion „Saubere Landschaft“ von Einwohnerinnen und Einwohnern sowie von Vereinen gesammelt worden.

Unbekannte haben alte Autoreifen an einem Graben in der Gronewoldstraße abgelegt.
Unbekannte haben alte Autoreifen an einem Graben in der Gronewoldstraße abgelegt.

Auf dem Bauhof der Gemeinde Rhauderfehn sowie bei allen anderen Kommunen im Kreis Leer ständen Restabfallbehälter mit 4,5 Kubikmeter Fassungsvermögen, so Koenen weiter. Ein Kubikmeter fasst 1000 Liter. „Alle Abfälle, die von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Bauhöfe auf öffentlichem Grund entdeckt werden, können zunächst in diesen Behältern entsorgt werden. Die Kosten für die Leerung und Entsorgung dieser Abfälle trägt der Abfallwirtschaftsbetrieb.“ Im vergangenen Jahr seien in Rhauderfehn insgesamt 1,2 Tonnen in diesem Container gelandet. Außerdem habe der Bauhof noch rund 230 Kilogramm an Abfällen nach Breinermoor gefahren.

Hausmüll liegt am Graepels Kamp.
Hausmüll liegt am Graepels Kamp.

Was passiert jetzt in Langholt?

Und wie viele Mülleimer werden jetzt in Langholt aufgestellt? Vier stehen bereits an den Bank-Tisch-Kombinationen, antwortet Bürgermeister Müller. Und weil der Gemeinderat Rhauderfehn mehrheitlich beschlossen hatte, zwei weitere aufstellen zu lassen, werde demnächst ein fünfter Behälter an einer der beiden neuen Banken in Langholt stehen. Der sechste sei vorerst zurückgestellt worden, so Müller. Grund: Er könne von den Mitarbeitern des Bauhofes nicht direkt mit dem Wagen angefahren werden.

Hausmüll in öffentlichen Mülleimern wie hier an der Dr.-Douwes-Straße.
Hausmüll in öffentlichen Mülleimern wie hier an der Dr.-Douwes-Straße.
Hausmüll in öffentlichen Mülleimern wie hier an der Dr.-Douwes-Straße.
Hausmüll in öffentlichen Mülleimern wie hier an der Dr.-Douwes-Straße.

Ähnliche Artikel