Hamburg Deswegen will die Umwelthilfe das LNG-Terminal in Lubmin sofort dicht machen
Die Deutsche Umwelthilfe fordert, den Betrieb des gerade erst eröffneten LNG-Terminals in Lubmin sofort zu stoppen. Die Umweltschützer haben schwere Sicherheitsbedenken gegen die Anlage. Ist der Betrieb gefährlich?
Bundeskanzler Olaf Scholz hat das zweite deutsche LNG-Terminal eröffnet. Nach Wilhelmshaven im Dezember reiste der SPD-Politiker dieses Mal gemeinsam mit Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) nach Lubmin: An der Ostseeküste soll alsbald Flüssigerdgas in rauen Mengen umgeschlagen werden.
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) will genau das verhindern. Im Interview fordert Constantin Zerger, bei der Umweltschutzorganisation zuständig für Energie- und Kilmaschutzfragen, das LNG-Terminal in Mecklenburg-Vorpommern sofort zu schließen. Er beklagt, die Landesregierung in Schwerin habe nichts aus ihren Fehlern bei bei der Gas-Pipeline Nordstream 2 gelernt: „Wieder wurde einem fossilen Energiekonzern geradezu der rote Teppich ausgerollt”, sagt Zerger. Er vermutet: Das LNG-Terminal ist nicht sicher.
Lesen Sie hier das gesamte Interview im Wortlaut:
Frage: Herr Zerger, Olaf Scholz hat Deutschlands zweites LNG-Terminal gerade erst eingeweiht, da fordern Sie schon, die Anlage außer Betrieb zu nehmen. Warum?
Antwort: Es gibt erhebliche Lücken beim Brandschutz. Es wird beispielsweise nicht eingefordert, dass ein Feuerlösch-Schiff in der Nähe ist, wenn in Lubmin Flüssigerdgas umgeschlagen wird. Das ist beim ersten LNG-Terminal in Wilhelmshaven Pflicht. Zudem bezweifeln wir, dass die Freiwillige Feuerwehr in Lubmin ausreichend gerüstet ist, um im Notfall einen Brand zu löschen. Das geht so nicht, das ist ein Sicherheitsrisiko. So darf kein LNG umgeschlagen werden.
Frage: Fordern Sie nur oder gehen Sie auch rechtlich gegen das Terminal in Lubmin vor?
Antwort: Wir werden Widerspruch gegen die Betriebsgenehmigung einlegen, so wie wir es in Wilhelmshaven schon gemacht haben. Unsere Zweifel an der Rechtsstaatlichkeit des Genehmigungsverfahrens in Mecklenburg-Vorpommern sind sehr groß. Ich habe den Eindruck, die Landesregierung in Mecklenburg-Vorpommern um Manuela Schwesig und die Landesbehörden haben aus ihren Fehlern bei Nordstream 2 nichts gelernt. Wieder wurde einem fossilen Energiekonzern geradezu der rote Teppich ausgerollt. Begründete Bedenken wollte niemand hören.
Frage: Die wären neben dem Brandschutz?
Antwort: Zunächst einmal wird das sensible Ökosystem Bodden einem enormen Risiko ausgesetzt. Die Gewässertiefe ist so flach, dass LNG-Tanker das LNG-Terminal nicht direkt anfahren können. Stattdessen müssen Shuttle-Schiffe das Flüssigerdgas transportieren. Hinzu kommt, dass das ganze Terminal überflüssig ist. Bundeskanzler Olaf Scholz hat in seiner Zeitenwende-Rede LNG-Terminals in Wilhelmshaven und Brunsbüttel genannt, aber keines in Lubmin. Deutschland baut gerade eine Überkapazität auf und eine neue Abhängigkeit von einem fossilen Energieträger.
Frage: Werden Sie gegen die Terminals in Wilhelmshaven und Lubmin vor das Bundesverwaltungsgericht ziehen? Das ist die erste und letzte Instanz in Sachen LNG…
Antwort: Wir werden alle uns zur Verfügung stehenden rechtlichen Mittel ausschöpfen, damit Umwelt- und Klimabelange berücksichtigt werden. Wenn unsere Widersprüche abgelehnt werden in Wilhelmshaven und Lubmin, dann bestreiten wir den Klageweg. Der Betrieb des LNG-Terminals in Wilhelmshaven muss zeitlich begrenzt werden und es darf kein Chlor ins Wattenmeer eingeleitet werden. Das ist nicht mit deutschem Umweltrecht und unseren Klimazielen vereinbar. Und dass es auch anders ginge, zeigt ja das Terminal in Lubmin: Hier soll kein Chlor ins Wasser geleitet werden.
Frage: Aber es ist doch unbestritten, dass Deutschland derzeit Gas benötigt. Ein radikaler Ausstieg ist doch keine Alternative?
Antwort: Wir verstehen, dass die Politik kurzfristig reagieren musste, um eine Versorgungslücke in Sachen Gas auszuschließen. Deswegen sind wir auch nicht grundsätzlich gegen den Betrieb der Terminals in Wilhelmshaven und später auch Brunsbüttel. Der Betrieb muss aber zeitlich begrenzt werden und mit Umweltgesetzen in Einklang stehen.