LNG-Terminal in Wilhelmshaven Umwelthilfe legt Widerspruch ein – Biozideinsatz bedrohe das Wattenmeer
Die Umwelthilfe will verhindern, dass Chlor aus dem LNG-Terminal ins Wattenmeer fließt. Die Borkumer Landtagsabgeordnete Meta Janssen-Kucz begrüßt dies.
Wilhelmshaven - Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat gegen die Betriebsgenehmigung und gegen die wasserrechtliche Erlaubnis des schwimmenden LNG-Terminalschiffs „Höegh Esperanza“ in Wilhelmshaven Widerspruch eingelegt. Ein Dorn im Auge ist dem Naturschutzverband einer Mitteilung zufolge die „Einleitung von jährlich Dutzenden Tonnen umweltschädlichen Chlors“ in die Jade, ein weiterer die langfristige Betriebsgenehmigung bis zum Jahr 2043. Begrüßt wird der Widerspruch von der Borkumer Landtagsabgeordneten Meta Janssen-Kucz (Grüne).
„Das Wattenmeer ist ein einzigartiger und sehr zerbrechlicher Lebensraum, der sehr empfindlich reagiert. Hier darf das Einleiten von Chlor im Abwasser des Terminals kein Dauerzustand werden“, betont die umweltpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion. Wichtig sei daher ein umfassendes Monitoring der Gewässerqualität, um die Auswirkungen dokumentieren zu können. Ziel müsse sein, zu Nachbesserungen beim Reinigungsverfahren zu kommen. Alternativen stünden mit mechanischen Verfahren bereit. „Das ist das, was wir als Grüne wollen“, sagt Janssen-Kucz und bedauert, dass sich die Partei in den zurückliegenden Diskussionen nicht durchsetzen konnte.
Umweltministerium reagiert gelassen
Genutzt wird das Chlor, um das Rohrleitungssystem des Terminalschiffs zu reinigen. Benötigt wird dies, um das angelieferte, stark gekühlte Flüssiggas mittels Nordseewasser zu erwärmen und wieder in den gasförmigen Zustand zu überführen. Damit dieses Seewassersystem nicht mit Muscheln oder Seepocken zuwächst, wird Chlor als Biozid eingesetzt. Constantin Zerger, DUH-Leiter Energie und Klimaschutz, kritisiert: „Die Nutzung von tonnenweise Chlor als Biozid ist eine Katastrophe für die Artenvielfalt der Jade sowie die örtlichen Muschelfischer und zeigt deutlich auf, was die Versäumnisse von Umweltverträglichkeitsprüfungen bei Infrastrukturprojekten bedeuten.“
Das niedersächsische Umweltministerium bleibt angesichts des Widerspruchs gelassen. Nach intensiver Prüfung der Umweltbehörden würden die Grenzwerte zum Teil deutlich unterschritten, teilt das Ministerium mit. Trotzdem setze sich das Land auch im Bescheid für ein intensives gewässerökologisches Monitoring und eine ständige Prüfung einer Reduktionsstrategie oder Alternativenprüfung ein. Klar sei: Es gebe hohe Umweltauflagen und keinen Umweltrabatt bei den LNG-Terminals. Für Janssen-Kucz stellt sich hier die Frage, ob die Grenzwerte ausreichend sind: „Es geht um 60 Kilo Chlor, die täglich in die Jade geleitet werden und schlussendlich im Wattenmeer landen. Das ist schon heftig.“
Die lange Laufzeit der Betriebsgenehmigung sei im vom Bundestag so beschlossenen LNG-Gesetz vorgegeben, teilte das Umweltministerium weiter mit. Klar sei aber auch, dass wenn das in Wilhelmshaven für 2026/2027 geplante feste Landterminal für grünes LNG fertig sei, die schwimmenden Regasifizierungsstationen nicht mehr gebraucht würden.
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