Hamburg  „Respektlos“: Warum eine Initiative das Ende des Genderns fordert

Laurena Lynn Erdmann
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Von Laurena Lynn Erdmann
| 09.01.2023 13:49 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Das Gendersternchen wird eingesetzt, um beim Sprechen alle Menschen einzubeziehen. Doch die Kritik ist groß. Eine Hamburger Initiative fordert das Ende des Genderns in Schulen und Behörden. Foto: Imago Images/Arnulf Hettrich
Das Gendersternchen wird eingesetzt, um beim Sprechen alle Menschen einzubeziehen. Doch die Kritik ist groß. Eine Hamburger Initiative fordert das Ende des Genderns in Schulen und Behörden. Foto: Imago Images/Arnulf Hettrich
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Bürger*innen und Schüler:innen: In manchen Schulen und Behörden wird gegendert. Genau das will eine Hamburger Initiative nun beenden. Unserer Redaktion hat die Sprecherin der Initiative erzählt, warum Gendern „respektlos“ sei.

Die Hamburger Volksinitiative „Schluss mit Gendersprache in Verwaltung und Bildung“ will das Gendern in Behörden und Schulen verbieten. Im „Hamburger Abendblatt“ erklären die Initiatoren der Initiative, dass sie „die Gendersprache ablehnen, da sie diskriminierend, integrationsfeindlich und vorurteilsbeladen“ sei. Im Interview mit unserer Redaktion erklärt die Initiatorin Sabine Mertens diese Vorwürfe und warum sie ein Ende des Genderns erreichen will.

Frage: Frau Mertens, was ist Ihr größter Kritikpunkt am Gendern?

Antwort: Sabine Mertens: Die Gendersprache geht völlig an der Lebenswirklichkeit der meisten Menschen vorbei. Sie ist nicht Ergebnis eines natürlichen Sprachwandels, wie gerne behauptet wird, sondern Sprachlenkung „von oben“.

Frage: Befürworter der Gendersprache argumentieren, dass Gendern alle Menschen ansprechen soll und von Respekt zeugt. Was sagen Sie dazu?

Antwort: Im Namen der Geschlechtergerechtigkeit bekommen wir Gegner immer wieder zu hören, Gendersprache sei eine Form der Anerkennung und des Respekts. Man legt uns also nahe, dass es respektlos sei, an der im gesamten deutschen Sprachraum lebendigen Standardsprache festzuhalten. Wir meinen, umgekehrt wird ein Schuh draus: Gendersprache ist die ultimative Form der Respektlosigkeit gegenüber dem höchsten Kulturgut, das wir haben: der Sprache, und damit gegenüber allen, die der Sprachgemeinschaft angehören. Verfechter der Gendersprache haben die Zugehörigkeit zur Sprachgemeinschaft einseitig aufgekündigt.

Frage: Gegenüber dem „Hamburger Abendblatt“ bezeichnet Ihre Volksinitiative die Gendersprache als „diskriminierend“. Können Sie erklären, warum?

Antwort: Gendersternchen werden von Vorleseprogrammen für Sehbehinderte als Wort vorgelesen, was vom Inhalt ablenkt: Radfahrer-Stern-innen leben gefährlich, denn Autofahrer-Stern-innen nehmen wenig Rücksicht und so weiter.

Frage: Katharina Fegebank (Hamburgs Zweite Bürgermeisterin) erklärte gegenüber dem „Spiegel“, dass „weder in der Verwaltung noch in der Schule oder an der Uni die Gendersprache vorgeschrieben“ werde. Es müsse aber „möglich sein“, sie zu benutzen. „Wir wollen keine Vorschriften machen, wie jemand sprechen oder schreiben soll.“ Welche Antwort würden Sie Fegebank darauf geben?

Antwort: Menschen, die es ablehnen, die ideologische Gendersprache zu verwenden, werden verleumdet als rechts, minderheitenfeindlich, rückschrittlich, frauenfeindlich, homophob und so weiter. Wo ist da die Freiwilligkeit? Frau Fegebank muss außerdem zur Kenntnis nehmen, dass wir Gendersprache gar nicht verbieten möchten. Privat darf sie gerne weiterhin auf „Teufelin“ komm raus gendern. Lediglich in der Amtsausübung soll sie die Standardsprache verwenden. Und sie muss aufhören, das Märchen von der Freiwilligkeit zu erzählen. Die Alltagserfahrung tausender Bürger zeigt, dass erheblicher Druck ausgeübt wird, Gendersprache zu verwenden. Anmerkung der Redaktion: Dabei bezieht sich Mertens auf Kommentare zur Petition, in denen Menschen von ihren Alltagserfahrungen berichten.

Frage: Was wünschen Sie sich von der Politik? 

Antwort: Öffentliche Kommunikation soll in der allseits anerkannten Standardsprache stattfinden. Politik, Verwaltungen, Medien des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks, Schul- und Hochschulbildung müssen den Bürgerwillen zur Kenntnis nehmen. Niemand will sich einen „Anwohner*innen Parkausweis“ ins Auto legen. Das Gender-Mainstreaming-Programm muss sofort beendet werden. Es spaltet die ohnehin polarisierte Gesellschaft, da es erfordert, alles unter dem Geschlechteraspekt zu betrachten.

Die Unterstützung der Hamburger CDU hat die Initiative bereits. Der Hamburger CDU-Vorsitzende Christoph Ploß schreibt auf Twitter: „Die Zeit ist reif für eine Volkinitiative (sic!) zur Verbannung der grammatisch (sic!) falschen Gendersprache aus Schulen und Behörden. Als CDU Hamburg fordern wir dies seit langem (sic!). Ich werde die Initiative voll unterstützen!“

Noch prüft der Landeswahlleiter die Volksinitiative, wie „Spiegel“ berichtet. Man rechne aber damit, „dass wir in wenigen Tagen starten und Unterschriften sammeln können.“

Die Mehrheit der Deutschen sind gegen das Nutzen einer „geschlechtergerechter Sprache“. 74 Prozent der Befragten lehnen ab, dass sich Deutsch im Sinne einer „Geschlechtergerechtigkeit“ verändert, so eine Erhebung des Instituts INSA. 19 Prozent entgegen sprechen sich für eine Veränderung der deutschen Sprache in Bezug auf die „Geschlechtergerechtigkeit“ aus. Sieben Prozent sind sich unsicher oder machen keine Angabe.

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