Hamburg  LNG-Terminal in Wilhelmshaven: Was beim Brandschutz trotz Betrieb noch fehlt

Dirk Fisser
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Von Dirk Fisser
| 05.01.2023 16:41 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
In Wilhelmshaven wird LNG zu Erdgas umgewandelt. Bei Genehmigung des Terminals hatten es die Behörden so eilig, dass noch nicht alle Brandschutz-Vorgaben umgesetzt sind. Foto: dpa
In Wilhelmshaven wird LNG zu Erdgas umgewandelt. Bei Genehmigung des Terminals hatten es die Behörden so eilig, dass noch nicht alle Brandschutz-Vorgaben umgesetzt sind. Foto: dpa
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Vor Wilhelmshaven wird das erste Flüssigerdgas, kurz LNG, für Deutschland regasifiziert. Wie steht es um den Brandschutz? Wer vor Ort nachfragt, erfährt: Nicht alle Anforderungen aus der Genehmigung für das Gas-Terminal sind bereits umgesetzt. Trotzdem wird regasifiziert. Sind Abstriche beim Brandschutz Teil der viel beschworenen Deutschland-Geschwindigkeit?

Es hat wieder ein Schiff vor Wilhelmshaven festgemacht. Dieses trägt den Namen „Maria Energy” - im Bauch des Schiffes ist das, was Deutschland unbedingt braucht: Gas. “Maria” liegt nun im Jadebusen Seit‘ an Seit‘ mit der „Höegh Esperanza”, jenem Schiff, zu dessen Inbetriebnahme im Dezember vergangenen Jahres die halbe Bundesregierung anreiste.

Die „Esperanza” regasifiziert das flüssige und stark heruntergekühlte LNG-Gas, das Tanker wie die “Maria” aus aller Welt - in ihrem Fall die USA - herbeischiffen. Über Schlauchleitungen wechselt das LNG vom einen in das andere Schiff, wird hier umgewandelt zu „normalem” Erdgas, das ins deutsche Pipelinenetz geschickt werden kann.

Die LNG-Infrastruktur an der norddeutschen Küste wurde binnen Monaten aus dem Boden und dem Meer gestampft. Weniger als ein Jahr dauerte die Realisierung des Megaprojektes vor Niedersachsens Nordseeküste. Das Tempo war nur möglich, weil sonst übliche Prüfungen ausgesetzt wurden.

In einem Informationsschreiben an die Nachbarn der Anlage betont Betreiber Uniper, dass trotzdem alles sicher sei. Die Regasifizierung sei ein seit Jahrzehnten erprobter und bewährter Prozess - nur bislang eben noch nicht in Deutschland.

Und wenn doch mal etwas schiefgeht? LNG selbst ist nicht brennbar. Uniper schreibt aber auch: „Ausgetretenes LNG kann jedoch durch den Wärmeeintrag aus der Umgebung in Erdgas umgewandelt werden und damit entweder bei Entzündung eine Flamme oder bei längerem Verdampfen eine explosionsfähige Atmosphäre bilden.”

Angesichts der Mengen an Gas, die in Wilhelmshaven umgeschlagen werden, könnte die Explosion erheblich sein. Für den Fall des Falles sieht sich das Unternehmen offenbar gut gerüstet, verweist beispielsweise auf eine Betriebsfeuerwehr, die bei einem Unfall einsatzbereit wäre. Auch die städtische Feuerwehr Wilhelmshaven helfe bei einem Notfall mit.

Der vorsorgliche Brandschutz ist Teil des Genehmigungsprozesses. Auf mehreren Seiten machen die Behörden in Niedersachsen Uniper teils sehr detaillierte Vorgaben. So muss der Konzern der Stadt Wilhelmshaven beispielsweise einen neuen Einsatzwagen für die Feuerwehr finanzieren, ebenso wie vier zusätzliche Stellen für städtische Brandbekämpfer und eine Fortbildung in Sachen LNG.

Sind die Nebenbestimmungen der Genehmigung umgesetzt? „Darüber liegen uns keine Informationen vor”, heißt es bei Uniper zumindest bei den Schnittmengen zur Stadt Wilhelmshaven. Eine Konzernsprecherin verweist weiter an das Rathaus.

Dort heißt es: Die Zeit seit der Erteilung der Genehmigung für den Terminal-Betrieb sei “schlichtweg zu kurz, um bereits Vollzug melden zu können”. Ausschreibungen für Fahrzeuge dauerten länger, ebenso die Personalakquise.

Das betont auch ein Sprecher des niedersächsischen Umwelt- und Energieministeriums in Hannover. „Durch die Beteiligung der zuständigen Behörden und privaten Unternehmen wurden und werden die erforderlichen Sicherheitsaspekte angemessen gewürdigt.” Die abgestimmten Maßnahmen würden umgesetzt, auch wenn es in einigen Punkten länger dauere. Mit anderen Worten: Bis heute gibt es weder einen neuen Einsatzwagen, noch zusätzliche Stellen.

Schon bei anderen Aspekten der Genehmigung war den Behörden in Niedersachsen vorgeworfen worden, es nicht so genau genommen zu haben - speziell beim Umweltschutz. Anwohner und Naturschützer sorgen sich um die Auswirkungen des LNG-Terminals auf das Weltnaturerbe Wattenmeer.

Sie konnten zwar schriftlich Einwände erheben. Am Ende verhinderten diese das Terminal aber nicht. Zu den lautesten Kritikern zählte die „Deutsche Umwelthilfe” (DUH). Hauptgeschäftsführer Constantin Zerger kennt die Unterlagen zum LNG-Terminal: „Die Genehmigung macht sehr genaue Vorgaben in Sachen Brandschutz. Umso verwunderlicher ist es, wenn einzelne Punkte offenbar noch nicht umgesetzt sind.“

Aus dem Umweltministerium in Hannover heißt es dazu: „Durch das LNG-Gesetz oder die Niedersachsen-Geschwindigkeit gibt es keine Erleichterungen bei den Brandschutzvorgaben.”

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