Stuttgart  Landwirtschaftsminister will Haltbarkeitsdatum für Lebensmittel abschaffen

Patrick Kern
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Von Patrick Kern
| 04.01.2023 15:50 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Peter Hauk (CDU) will das Mindesthaltbarkeitsdatum abschaffen. Er möchte damit einen Beitrag zu weniger Lebensmittelverschwendung leisten. Foto: dpa/Inga Kjer, Christian Johner
Peter Hauk (CDU) will das Mindesthaltbarkeitsdatum abschaffen. Er möchte damit einen Beitrag zu weniger Lebensmittelverschwendung leisten. Foto: dpa/Inga Kjer, Christian Johner
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Baden-Württembergs Landwirtschaftsminister will das Haltbarkeitsdatum für Lebensmittel ablösen und durch eine geeignete Alternative ersetzen. Dem neuesten Vorschlag des Bundesernährungsministers kann er dagegen nichts abgewinnen.

Wenn bei Milch, Fleisch oder anderen Lebensmitteln das Mindesthaltbarkeitsdatum abläuft, ist das für viele das Zeichen, diese unmittelbar zu entsorgen. Dabei bedeutet das Datum auf der Verpackung nicht zwangsläufig, dass das Produkt nach Ablauf ungenießbar ist.

Um diesem Irrglauben einen Riegel vorzuschieben und die hohe Lebensmittelverschwendung zu reduzieren, will sich Baden-Württembergs Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) für die Abschaffung des Haltbarkeitsdatums einsetzen. „Die Menschen müssen sich auch wieder auf ihre Sinne verlassen und riechen, sehen und schmecken, ob Essen noch gut ist“, sagte er dem SWR. Als eine mögliche Alternative sieht er an, das Haltbarkeitsdatum durch das Produktionsdatum zu ersetzen.

Gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z.) führte er die Idee weiter aus und sprach von einem „Qualität garantiert bis“-Schriftzug als „geeignetere Bezeichnung“. Sein Ministerium kündigte laut der Zeitung einen Antrag für die Abschaffung des Haltbarkeitsdatums an. Wann damit zu rechnen ist, ist nicht bekannt.

Mit diesem Vorstoß macht Hauk, der seit Anfang des Jahres den Vorsitz der Konferenz der Landesverbraucherschutzminister übernommen hat, auch Druck in Richtung seines Landeskollegen Cem Özdemir (Grüne), Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft. Der Bund solle „seiner Verpflichtung nachkommen und im Hinblick auf die Vermeidung von Lebensmittelabfällen das Mindesthaltbarkeitsdatum überprüfen“, äußerte der Unionspolitiker gegenüber der F.A.Z.

Özdemir hatte zuvor gefordert, dass das Containern, also das bislang verbotene Herausfischen von genießbaren Lebensmitteln aus Mülltonnen, straffrei gestellt wird: „Wer noch verzehrfähige Lebensmittel aus Abfallbehältern retten will, sollte dafür nicht belangt werden. Ich glaube, wir alle wünschen uns, dass sich unsere Polizei und Gerichte stattdessen um Verbrecherinnen und Verbrecher kümmern“, sagte der Grünenpolitiker der Rheinischen Post.

Während sich Özdemir bezüglich Hauks Vorschlag offen für Veränderungen bei der Kennzeichnung von Lebensmitteln zeigt, spricht sich der CDU-Politiker gegen die Forderung des Bundesministers aus, weggeworfene Lebensmittel zu retten. Man müsse vielmehr das Ziel verfolgen, dass Lebensmittel gar nicht erst in der Tonne landen, findet der Verbraucherminister.

In Deutschland werden jedes Jahr etwa elf Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen, allein 6,5 Millionen Tonnen davon fallen in privaten Haushalten an. Demnach landen jährlich pro Kopf rund 78 Kilogramm an Lebensmitteln im Müll. Neben noch verzehrbaren Produkten gehören zählen hier aber auch nicht verzehrbare Dinge wie Nuss- und Obstschalen, Knochen und Verdorbenes dazu.

In der gesamten EU ist die Verschwendung fast 14 Mal so hoch: Einem Bericht der Stiftung Feedback EU zufolge werden 153,5 Millionen Tonnen weggeworfen, den größten Teil macht hier die Primärproduktion mit 89,8 Millionen Tonnen aus. In privaten Haushalten werden EU-weit 32,5 Millionen Tonnen verschwendet, fünf Mal so viel wie in Deutschland.

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