ÖPNV Bürgermeister will Bahnstrecke nach Sedelsberg reaktivieren
Friesoythes Rathauschef denkt groß. Aktuell denkt Sven Stratmann über die Reaktivierung der Bahnstrecke zwischen Friesoythe und Sedelsberg nach. Die alte Trasse ist noch entsprechend gewidmet.
Sedelsberg / Friesoythe - Vielleicht wird es mittel- bis langfristig ja doch wieder was mit der Renaissance der Eisenbahn in Friesoythe. Zumindest was den Güterverkehr zwischen Cloppenburg und der Eisenstadt angeht, ist die Friesoyther Eisenbahngesellschaft F.E.G. einigermaßen optimistisch. Friesoythes Bürgermeister Sven Stratmann hat in diesem Zusammenhang jetzt auch die Zugverbindung in den Norden für den Personenverkehr ins Visier genommen. „Warum sollen wir nicht groß denken?“, fragt der Rathauschef mit Blick auf die IC-Strecke zwischen Oldenburg und Norden-Norddeich. Die nämlich ist von Sedelsberg aus über Ramsloh, Barßel und den Bahnhof Ocholt auf Bahngleisen noch zu erreichen, auch wenn dort derzeit keine Züge fahren.
Der Landkreis hatte bereits im Februar 2022, eine „standardisierte Bewertung“ für die Gesamtstrecke Cloppenburg-Ocholt und für die Teilstrecken Cloppenburg-Friesoythe und Friesoythe-Ocholt in Auftrag gegeben. Der Haken daran: Zwischen dem aktuellen Endpunkt in Friesoythe und dem Anschluss in Sedelsberg klafft eine gut acht Kilometer lange Lücke.
Abschnitt ist nicht überbaut
Die allerdings ließe sich schließen. Der Abschnitt ist noch als Bahntrasse gewidmet und demnach nicht bebaut. Er führt vom Bahnhof über den Radweg, der in der Kurve der St.-Marien-Straße beginnt, bis zum C-Port. Problematisch wäre allenfalls das Stück zwischen Bahnhof und dem Beginn des Radweges. Den allerdings lässt Stratmann bei seinen Überlegungen außen vor. „Eine Bahnstrecke durch die Stadt ist nach heutigem Stand nicht realisierbar“, sagt er.
Stattdessen schwebt ihm ein (zweiter) Sackbahnhof in Friesoythe auf dem Gelände der Straßenmeisterei vor. Die zieht demnächst auf das Gelände des C-Ports. Das rund einen Hektar große Areal könnte nach Ansicht Stratmanns gut für einen neuen Bahnhof genutzt werden. Die neue Strecke würde dann von dort entlang des Radweges und der Sedelsberger Straße bis zum C-Port und über eine Brücke zu den Gleisen nördlich des Küstenkanals führen. Vorher noch, etwa bei der S-Kurve in der Sedelsberger Straße, könnte die Bahnstrecke auch geteilt und in einem Bogen um den C-Port herum zurück zur Hauptstrecke führen.
Straße, Kanal und Schiene würden C-Port optimal anbinden
„Das alles sind langfristige Gedanken“, gibt Stratmann zu. Andererseits gebe es immer mehr Unternehmen, die eine mögliche Ansiedlung mit einem Bahnanschluss für den Güterverkehr in Zusammenhang bringen. „Mit der Trimodalität aus Straße, Schiene und Wasser wäre der C-Port wirklich optimal angebunden“, betont Stratmann. „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, den Reaktivierungsgedanken aufzugreifen und zu schauen, welche Pflöcke wir einschlagen können“, sagt er und bezieht sich dabei auf entsprechende Programme des Bundes und des Landes. „Da möchte man natürlich aufgenommen werden, und ich würde gerne mal austesten, was mit dem Land möglich ist.“
Zuvor aber muss der Verwaltungschef austesten, was mit dem Friesoyther Stadtrat möglich ist. „Ich will das Projekt dem Rat vorstellen und hoffe, dass die Verwaltung dann den Auftrag bekommt, mit den Nachbarkommunen, dem C-Port, den zuständigen Ministerien und auch mit Unternehmen Gespräche zu führen“, sagt Stratmann. Zwei Trümpfe hat er zumindest in der Hand. „Es gab wegen einer möglichen Reaktivierung der Strecke noch nie echte Dissonanzen“, betont er. „Und wenn wir eine Güterverkehrsanbindung des C-Ports in Betracht ziehen, sollten wir gleich den ÖPNV auf der Schiene mitdenken.“
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