Hamburg  Ist es ok, sich die Haare zu färben und gegen Brustvergrößerung zu sein?

Katharina Preuth
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Von Katharina Preuth
| 29.12.2022 07:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ob Brüste schön sind, bewertet die Gesellschaft. Kann man Frauen verurteilen, die chirurgisch nachhelfen, um dem Ideal zu entsprechen? Foto: dpa/Jan Kopriva
Ob Brüste schön sind, bewertet die Gesellschaft. Kann man Frauen verurteilen, die chirurgisch nachhelfen, um dem Ideal zu entsprechen? Foto: dpa/Jan Kopriva
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Ich färbe meine Haare, schminke mich und lackiere meine Nägel. Gleichzeitig bin ich gegen Schönheitschirurgie. Ist meine Bewertungsskala zu einfach?

Wer kann von sich schon behaupten, völlig uneitel zu sein? Wir wählen unsere Kleidung so aus, dass sie uns möglichst schmeichelt. Wir machen Sport nicht nur, weil es gesund ist, sondern um definierter auszusehen. Und so gut das Vitamin C im Apfel auch für unser Immunsystem ist, wenn durch bewusste Ernährung ein paar Kilos purzeln, haben wir nichts dagegen.

Zusätzlich färbe ich regelmäßig meine Haare. Ich mag meine Naturhaarfarbe, die netterweise Straßenköterblond genannt wird, nicht besonders. So oberflächlich es klingt, aber mit blonden Strähnen fühle ich mich schöner, vielleicht sogar selbstbewusster.

Beim Blondieren wird das Haar allerdings geschädigt. Das Wasserstoffperoxid im Färbemittel raut die Oberfläche auf und entzieht dem einzelnen Haar die Pigmente. Ohne Pflege würden sich meine Haare anfühlen wie Stroh. Ich färbe seit ungefähr 17 Jahren, mit kurzen Pausen und auch mal braun, aber dennoch.

Stimmen Sie ab:

Ist eine Schönheitsoperation wirklich etwas komplett anderes? Jemand ist unzufrieden mit seinem Körper und möchte daran etwas ändern. Sicher: Eine Vergrößerung der Brust wird unter Vollnarkose durchgeführt, es ist ein operativer Eingriff und am Ende bleibt eine Narbe. Eine Operation, die aus gesundheitlichem Aspekt unnötig ist.

Außerdem ist der Eingriff nicht so einfach reversibel und teuer ist er im Zweifel auch. Trotzdem haben sich im Jahr 2020 laut Statista 9,2 Prozent der Frauen in Deutschland für eine Vergrößerung der Brust entschieden. Im Jahr 2016 waren es sogar 17,8 Prozent.

Wie kann ich es verurteilen, wenn sich eine Frau vielleicht mit ihren Brüsten noch nie wohlgefühlt hat, oder nach Schwangerschaften und Stillzeiten eine Korrektur möchte, um die alte Form ihrer Brüste zurückzubekommen?

Wir sind alle in einer Gesellschaft großgeworden, in der Aussehen eine wichtige Rolle spielt – gerade bei Frauen. Es gibt ein Schönheitsideal, das uns vorgelebt wird. Abweichungen davon werden als weniger schön empfunden. Das sagt uns der Blick von außen und vor allem auch wir uns selbst.

In einer idealen Welt verzichte ich auf Blondierungen, Lippenstift und Nagellack und andere Menschen auf schönheitschirurgische Eingriffe, weil unser natürliches Aussehen ausreicht. In dieser Welt fragt mich niemand, ob ich müde bin, nur weil ich keine Wimperntusche trage. Soweit sind wir aber nicht.

Bis dahin muss ich zugegeben, dass ich mit den Blondierungen meinem Körper schade, es kein einmaliger Eingriff ist wie eine Brustvergrößerung, sondern ich mehrmals jährlich mehrere Stunden beim Frisör verbringe. Und mal ehrlich, von dem Geld, das ich dafür schon ausgegeben habe und noch werde, könnte ich meinen Körper chirurgisch komplett erneuern.

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