Braunschweig Nach Polizei-Razzia zurück in Wohnung: Klimaaktivist lässt sich nicht stoppen
Am 13. Dezember durchsuchten Polizisten bundesweit Wohnungen von Klimaaktivisten der „Letzten Generation“. Auch die Wohnung von Edmund Schultz in Braunschweig war darunter. Was denkt der Aktivist über die Vorwürfe? Wie sieht seine Wohnung nach der Razzia aus? Ein Besuch.
Im Schlafzimmer von Edmund Schultz stapeln sich Kisten: In einer ist Kleidung, aus einer anderen fallen Kabel. „Normalerweise verstaue ich das ordentlich unter dem Bett. Das hat die Polizei bei der Durchsuchung hier so hingemüllt”, sagt er und zuckt mit den Schultern. In der Küche der kleinen Einzimmer-Wohnung stehen auf dem Tisch Kisten, ein Lautsprecher, außerdem stapeln sich Briefe und Papiere. Schultz zeigt auf eine freie Stelle des Tisches: Hier lag der Durchsuchungsbeschluss”.
Am 13. Dezember um 6.18 Uhr bohrten Polizisten das Schloss zur Wohnung des 58-Jährigen auf. Das gelbe Polizeisiegel klebt noch immer an der Haustür. Erst am 22. Dezember hat Schultz seine Wohnung wieder betreten. In den Tagen davor, war er weiter „in Aktion”, wie er sagt. Die Nachricht von der Durchsuchung war für ihn kein Grund, früher zurückzukehren. „Das ist die erwartete Repression“, sagt er.
Schultz ist nicht das einzige Mitglied der Klimaaktivisten der „Letzten Generation”, dessen Wohnung durchsucht wurde: Die Staatsanwaltschaft Neuruppin hat am 13. Dezember in sieben Bundesländern die Wohnungen von insgesamt elf Mitgliedern der „Letzten Generation” durchsuchen lassen. Den Aktivisten wird unter anderem die „Bildung einer kriminellen Vereinigung“ vorgeworfen. Dabei geht es vor allem um Übergriffe gegen die PCK-Raffinerie Schwedt in Brandenburg. Die Aktivisten sollen immer wieder versucht haben, die Leitungen abzudrehen.
Schultz bestreitet nicht, an Aktionen beteiligt gewesen zu sein: „Ja, ich war dabei und stehe dazu auch mit meinem Namen und meinem Gesicht.“ Eine kriminelle Vereinigung sei die „Letzte Generation” allerdings nicht. „Wir weisen den Staat darauf hin, endlich seine verfassungsmäßige Plicht zu tun und echten Klimaschutz zu betreiben”, sagt er.
Er hält die Durchsuchungen und den Vorwurf der „Bildung einer kriminellen Vereinigung” für einen Vorwand, um die „Letzte Generation” einzuschüchtern. „Der Staat verhält sich wie ein bockiges Kind und „schlägt mit den Mitteln zurück, die ihm zur Verfügung stehen”, sagt er.
Spurlos geht die Durchsuchung dennoch nicht an dem 58-Jährigen vorbei. „Das ist schon unangenehm. Sie haben in meinen privaten Dingen gewühlt und das könnte jederzeit wieder passieren“, sagt er. Die Polizei hat neben einem Ordner und einem Handy auch seinen Einkaufszettel mitgenommen, wie aus dem Protokoll hervorgeht. „Ich weiß nicht, was sie damit wollen. Ich hoffe, ich vergesse beim nächsten Einkauf das Vogelfutter nicht“, sagt er.
Bei den elf Durchsuchungen stellte die Polizei mehrere elektronische Datenträger und Unterlagen sicher. Auf Nachfrage unserer Redaktion äußerten sich die Staatsanwalt Neuruppin und die Polizei Braunschweig nicht zu der Durchsuchung. Dr. Andreas Pelzer von der Staatsanwaltschaft Neuruppin verweist auf die laufenden Ermittlungen.
Für Schultz ist klar, dass er nicht aufhören wird. „Ich bin Klimaaktivist und plane, den Rest meines Lebens weiterzumachen. Die Hausdurchsuchung wird mich nicht stoppen”, stellt er klar.