Leben in Leer  Mahnwachen in Leer – Pläne, Gründe und Gemeinschaft

Michael Kierstein
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Von Michael Kierstein
| 24.12.2022 15:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Sie organisieren die Mahnwache: Tom Bohmfalk (von links), Wolfram Jäger, Mechthild Tammena, Christa Olearius, Martin Heimbucher, Bruno Schachner, Heino Krüger und Beate Stammwitz. Es fehlt Rolf Boehnke. Foto: Kellner
Sie organisieren die Mahnwache: Tom Bohmfalk (von links), Wolfram Jäger, Mechthild Tammena, Christa Olearius, Martin Heimbucher, Bruno Schachner, Heino Krüger und Beate Stammwitz. Es fehlt Rolf Boehnke. Foto: Kellner
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Seit Monaten stehen jeden Montag Menschen in der Stadt und halten Mahnwachen für den Frieden ab. Was motiviert sie?

Leer - „Überall da, wo Menschenrechte verletzt werden, wollen wir zeigen, dass wir uns mit den Menschen solidarisieren. Das gilt auch für alle, die auf der Flucht sind“, erklärt Beate Stammwitz. Deshalb hat eine Gruppe die Mahnwachen für den Frieden ins Leben gerufen. Auslöser war der Angriff Putins auf die Ukraine. Deshalb sind bis heute jeden Montag vor allem ukrainische Flaggen präsent bei den Mahnwachen. Doch auch andere Konflikte spielen eine Rolle.

„Am zweiten März haben wir die erste Demonstration organisiert. Wir können da doch nicht einfach nur zusehen. Wir müssen ein Zeichen setzen“, sagt Mechthild Tammena. Von diesem Moment an ging es ganz schnell. Nach einer weiteren großen Solidaritätsaktion verstetigte sich das Bild. Seit dem 14. März stehen sie nun jeden Montag gemeinsam auf. Meistens auf dem Denkmalsplatz mitten in der Stadt. Mit dabei sind auch die Kirchen und viele Passanten, die stehen bleiben. Mittlerweile kommen wöchentlich rund 60 bis 70 Personen zusammen.

Bunt gemischt

Und seitdem ist das Team weiter gewachsen. Heute besteht es aus neun Leuten, die über Parteigrenzen hinweg zusammenarbeiten. Auch das zeigt den Stellenwert der Aktion. Jeder kann kommen und bleiben, egal welche Ansichten oder Vorlieben er vertritt. Es geht darum, gemeinsam ein Zeichen für den Frieden zu setzen. „Ich war zum Beispiel am Anfang auch nur Gast. Aber man brauchte eine vernünftige Box und Mikrophon. Darum kümmere ich mich nun“, erklärt Heino Krug.

So hat jeder seine Aufgabe. Bei Rolf Boehnke laufen dann alle Fäden zusammen und er koordiniert die einzelnen Aktionen. „Wir wollen so auch dafür sorgen, dass das Thema in der Öffentlichkeit und den politischen Debatten bleibt“, sagt Stammwitz. Immer wieder wird auch gesagt, dass eine Mahnwache in Leer nichts ausrichten werde. Dem treten die Organisatoren entschieden entgegen: „Wir haben bestimmt bei vielen eine Diskussion im Kopf angestoßen. Außerdem wollen wir verhindern, dass man Krieg als normal ansieht. Hier alleine eine Mahnwache reicht natürlich nicht. Aber wenn es überall auf der Welt welche gibt, dann kann das in der Masse etwas ändern“, sagt Tammena.

Auch Gegenwind

Trotzdem hätten immer wieder Einzelne Spaß daran, die Mahnwachen zu stören und ihr Missfallen kundzutun. Das stört die Organisatoren jedoch gar nicht. Man könne ja reden. „Im Vergleich zu dem Mut, den die Menschen in der Ukraine oder im Iran aufbringen, ist das nichts“, sagt Stammwitz.

Auch während der Mahnwache gibt es immer die Möglichkeit, sich zu Wort zu melden. „Jeder kann zur Sprache kommen und etwas sagen. Dazu meldet man sich einfach bei uns“, sagt Tammena. Die Mahnwache werde immer stattfinden. Egal ob bei Wind oder bei Regen. „Wir hatten es einmal, da hat es geschüttet. Da haben wir uns untergestellt und gesungen“, erinnert sie sich. So habe sich in den letzten Monaten immer mehr eine Gemeinschaft gefunden. „Wir wollen unseren Teil dazu beitragen, auf der Welt Frieden zu stiften. Ich meine, mir geht es gut. ich kann doch etwas abgeben“, sagt Heino Krug.

Pläne für die Zukunft

Von der Resonanz sind die Organisatoren überrascht. Deshalb laufen auch schon die Planungen für das kommende Jahr. „Eigentlich ist ja unsere Hoffnung, dass wir im kommenden Jahr nicht mehr so viele Mahnwachen brauchen, weil Frieden herrscht“, sagt Mechthild Tammena. „Wenn wir Frieden hätten, könnten wir uns aber für andere einsetzen“, betont Stammwitz. Ihnen ist eins wichtig: Bei den Mahnwachen geht es nicht nur um die Ukrainer. „Es geht auch um die Russen: Die beziehen wir natürlich mit ein“, betonen die Organisatoren.

Für das kommende Jahr ist eine der großen Aufgaben, jüngere Mitstreiter für die Mahnwachen zu gewinnen. „Es kostet nicht viel Kraft oder Zeit“, sagt Beate Stammwitz. Die nächste Mahnwache ist auch schon geplant. Diese findet am 29. Dezember um 15 Uhr auf dem Liesel-Aussen-Platz in Leer statt. Abbas Jabbarian, der in Leer wohnt und noch viele Kontakte in den Iran hat, wird dabei sprechen. Und so entwickelt sich die Mahnwache weiter. „Wir sind diejenigen, die den Baum pflanzen“, sagt Heino Krug. Dieser wächst nun und soll Wurzeln schlagen. Am besten sogar in andere Städte und Gemeinden austreiben.

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