Soziales Engagement „Post mit Herz“ von Schülern für 235 Senioren
Schüler des Albrecht-Weinberg-Gymnasiums Rhauderfehn haben den Bewohnern des Reilstifts Weihnachtsgrüße geschrieben. Die Resonanz war so groß, dass sich jeder Senior über zwei Karten freuen darf.
Rhauderfehn - „Lieber besonderer Mensch, ich bin Viktoria und 15 Jahre alt. Ich gehe in die 10. Klasse. Ich hoffe, du feierst schöne Weihnachten und freust dich über diese Karte.“ Das sind die ersten Zeilen eines Weihnachtsgrußes, den die Schülerin Viktoria Mieth des Albrecht-Weinberg-Gymnasiums Rhauderfehn während einer Schulstunde schreibt.
Wer ihre Karte an Weihnachten lesen wird, weiß sie nicht. Auf jeden Fall aber ist es ein Mensch, der im Reilstift in Westrhauderfehn lebt. Auch ihre Mitschülerinnen und Mitschüler sind fleißig dabei, Weihnachtsgrüße zu formulieren. Alle sind hochkonzentriert. Im Hintergrund läuft Weihnachtsmusik.
Es wurde gedichtet, geschrieben und gemalt
Zusätzlich werden in anderen Klassen aller Jahrgänge des Gymnasiums weitere Karten verfasst. Es wird gedichtet, geschrieben und gemalt. Dass die Bewohnerinnen und Bewohner des evangelischen Seniorenzentrums dieses Jahr so viel festliche Post vom Gymnasium bekommen, verdanken sie Lehrerin Wiebke Rademacher. Die Postkarten-Aktion war ihre spontane Idee. „Wir hatten im Unterricht das Thema ‚Soziales Engagement‘, dabei hab ich mich an ‚Post mit Herz‘ erinnert. Ich dachte mir, das wäre schön, die Aktion mal lokal zu machen.“
Schulleiterin Ulrike Janssen war von Rademachers Vorschlag begeistert. So wie auch Viktoria: „Ich finde das sehr nett. Da können sie sich über die Karte freuen. Dann ist ihr Weihnachten schöner.“ Mitschüler Leon Krallmann (16) schreibt eher selten Karten per Hand. Für „Post mit Herz“ macht er eine Ausnahme. Er findet die Aktion cool. Für seine Karte holt er sich im Internet Inspiration, einiges ist auch von ihm selbst. „Es ist schön zu sehen, was sie sich alle überlegen. Noch dazu für einen Menschen, den sie nicht kennen“, freut sich die Gymnasiallehrerin. „Wir hoffen, dass wir am Ende der Aktion für jeden Bewohner im Reilstift einen Weihnachtsgruß haben.“
414 Weihnachtsgrüße überreicht
Das Ziel wurde mehr als erreicht. Am Ende sammelte sie 414 Weihnachtsgrüße ein und überreichte sie Rainer Helmers, dem Leiter des Reilstifts. Die Freude über so viel Aufmerksamkeit war groß. „Das ist mehr, als wir an Bewohnern haben. Aktuell sind es 235. Wir werden dafür sorgen, dass keiner beim Verteilen übersehen wird“, verspricht Helmers. „Dann gibt es dieses Jahr gleich zwei Grüße für alle zu Weihnachten. Und sie freuen sich, dass jemand an sie gedacht hat.“ Weihnachten werden die Grußkarten ausgeteilt.
Vergleichbares kenne er aus vergangener Coronazeit. Genau da wurde die Initiative „Post mit Herz“ von Hamburgern auch entwickelt. In der Zeit von Kontaktsperren, Lockdowns und Vereinsamung. 2020/21 habe es viel Post an die Reilstift-Bewohner gegeben. Das habe für viel Freude und positive Stimmung gesorgt. Rademacher wies darauf hin, auch viele Schülerinnen und Schüler formulierten in ihren Karten, dass auch gerne zurückgeschrieben werden dürfe. Vielleicht entwickeln sich aus „Post mit Herz“ generationsübergreifende Brieffreundschaften sogar über die Feiertage hinaus.