Autofahren in Leer 45 Jahre hinterm Steuer – Taxifahrer Wolfgang Merks hat viel erlebt
Er wurde überfallen und lernte seine Partnerin in seinem Taxi kennen. Nach 45 Jahren am Steuer zieht Wolfgang Merks die Handbremse an.
Leer - Die Jahre hinterm Steuer sind für Wolfgang Merks gezählt. Knapp 45 Jahre lang war der Leeraner Taxifahrer. Nun ist damit Schluss. Offiziell ist Silvester sein letzter Arbeitstag, doch fahren wird er nicht mehr. Er hat seine Zeit voll. In der Zeit hat sich viel verändert, doch durch seine Gelassenheit konnte der heute 67-Jährige diesen Wandel zu seinem Nutzen formen.
Was und warum
Darum geht es: Etwa 45 Jahre lang fuhr der Leeraner Wolfgang Merks Taxi. Diese Zeit endet nun. Bei seiner Arbeit hat er viel erlebt.
Vor allem interessant für: Alle, die wissen wollen, wie das Leben als Taxifahrer läuft.
Deshalb berichten wir: Das Unternehmen machte uns auf den Ruhestand des verdienten Mitarbeiters aufmerksam. Den Autoren erreichen Sie unter: m.kierstein@zgo.de
„Nur ein integriertes Navi war mir immer wichtig und die 9 ist das letzte Auto, das das noch hat“, sagt er und lacht. Eigentlich setzt man beim Leeraner Taxenruf nämlich auf mobile Geräte oder Tablet-PCs für die Navigation. Doch Merks hatte nun einmal seine Vorlieben. Dazu gehört beispielsweise auch, dass er seit einer Nacht vor etwa vier Jahren seine Türen abschließt.
Überfall erlebt
Im Mai 2018 hatte ein vermummter Mann einen Taxifahrer mit einem Messer vom hinteren Sitz aus bedroht. „Das war das schlimmste, was mir je passiert ist. Auf einmal hatte ich eine 30 Zentimeter lange Klinge an mir“, erinnert sich der Leeraner. Nur ein Geistesblitz verhinderte eine Eskalation. Der Räuber wollte nämlich Geld. „Ich sagte ihm, Geld sei im Kofferraum. Als er ausstieg, bin ich zu einem Kollegen gerannt. Wie ich darauf kam, weiß ich nicht“, sagt er.
Der Dieb sei dann geflohen. „Soweit ich weiß, haben sie ihn nie gekriegt. Aber seitdem schließe ich die Türen ab.“ Solche Erlebnisse seien jedoch die Ausnahme. In der Regel läuft das Leben als Taxifahrer anders: „Da haben sich richtige Freundschaften entwickelt“, sagt Wolfgang Merks. Gerade deshalb möchte er keine Einzelheiten nennen. „Da erfährt man auch Dinge, die man überhaupt nicht wissen will“, sagt er und lacht. Ebenfalls im Taxi lernte er seine Partnerin kennen.
Liebe über Funk
Sie stieg allerdings nicht bei ihm ein, sondern meldete sich per Funk. „Wir bekamen da eine neue Zentralistin und heute sind wir 20 Jahre zusammen.“ So einfach kann es gehen. Die beiden kannten sich schon aus der Kindheit, aber „es passte auf einmal“.
Ohne seinen Job hätte er seine Partnerin also gar nicht kennengelernt. Dabei war die Wahl für den Beruf des Taxifahrers eher ein Unfall. „Ich bin da so reingerutscht und dann hängen geblieben“, sagt er. Im Spiel war dabei eine Unstimmigkeit mit einem Beamten. Nach einer Meinungsverschiedenheit kamen die beiden ins Gespräch, der Sohn eines Taxiunternehmers ist. „Ich bin dann hängen geblieben“, fasst Merks zusammen und lacht.
Keine Arbeit an Silvester
Dieses Hängenbleiben hat 45 Jahre gedauert. Offiziell wird er Silvester seinen letzten Arbeitstag haben. Und zum Jahreswechsel hat er immer gern gearbeitet. „Man steht nicht rum, sondern hat immer zu tun“, sagt der 67-Jährige. Dieses Jahr wird er aber nicht am Steuer sitzen. Denn vor Kurzem bekam er von der stellvertretenden Leiterin diesen einen Anruf: „Es war komisch, ihn anzurufen und zu sagen, dass er seine Stunden voll hat. Denn für Silvester war er tatsächlich eingeplant“, sagt Diane Blome. Als sie beim Leeraner Taxenruf anfing, war Wolfgang Merks schon lange da. Gerade deshalb sei es so seltsam gewesen, dass sie ihm die Nachricht überbringt
„Ich wusste da ja gar nicht, dass das meine letzte Tour war. Ich wollte das gern so, wusste aber nicht, dass es so schnell geht“, sagt er. Generell sei er immer gern nachts gefahren. „Da stimmt das Trinkgeld“, erklärt er und lacht. Viel wichtiger sei aber die Stimmung im Taxi. „Tagsüber hat man oft Fahrten für Ältere zum Arzt. Nachts sind es Stammkunden“, sagt Merks. Es gebe auch Kunden, die anrufen und explizit nach ihm fragen. Und gerade diese Fahrten seien lustig.
Lustig und eindrücklich
„Oft wird das Radio aufgedreht, gesungen und ich fahre sie nach Hause. Dann drehe ich das Radio wieder leiser“, so Merks. Neben vielen schönen Erinnerungen nimmt er auch einige eindrückliche mit. Neben dem Überfall bleibt da die Erinnerung an einen Unfall an der Logaer Hauptstraße. „Ich stand an der Kreuzung und ein LKW fuhr vorbei. ich dachte, er ist durch, also fuhr ich los. Der hatte aber einen Anhänger. Also klemmte ich auf einmal zwischen Zugmaschine und Anhänger. Da hab ich schnell die Beine eingezogen“, erinnert er sich.
Doch, was macht er nun: „Als Rentner hat man doch keine Zeit. Nur zu Hause sein, möchte ich nicht. Aber, was ich alles machen möchte, darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht“, sagt er. Seine Taxifahrerzulassung läuft auch noch drei Jahre. „Im Notfall werde ich immer einspringen. Möglich also, dass einige Stammkunden ihren Taxifahrer doch noch sehen werden. Nur nicht mehr jedes Wochenende. „Wir brauchen weiterhin Fahrer. Besonders für Krankenfahrten oder das Abholen von Schülern“, betont Diane Blome.
Wolfgang Merks ließ an diesem Tag seinen Blick über den Parkplatz beim Leeraner Taxenruf gleiten. „Ich vermisse das Fahren schon. Vor allem aber die Kollegen, die ich sonst ja täglich gesehen habe“, sagt er zum Abschluss.