Kommentar zur Woche  Bei 342 Medikamente gibt es Engpässe

Geertje Wehry
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Ein Kommentar von Geertje Wehry
| 23.12.2022 16:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
In mancher Schublade schlummern noch Medikamente, jedoch fehlt oft das, was gebraucht wird. Foto: Pixabay
In mancher Schublade schlummern noch Medikamente, jedoch fehlt oft das, was gebraucht wird. Foto: Pixabay
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Fieber- und Hustensaft ist derzeit schwierig zu bekommen. Doch schlimmer ist es, wenn es um Krebsmedikamente oder Antibiotika geht.

So neu ist die Nachricht vom Medikamenten-Engpass nicht. Seit Monaten ruckelt es in den Lieferketten. Die Leidtragenden sind Kranke. Beim Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte werden in einer Datenbank alle Medikamente aufgelistet, bei denen es derzeit zu Engpässen kommt. 342 Datensätze befanden sich in dieser Woche darin. Jeder steht für ein Medikament eines bestimmten Herstellers. Es bedeutet also nicht unbedingt, dass es einen so deutlichen Engpass wie bei Fiebersäften für Kinder gibt. Manche Medikamente können auch durch Alternativen ersetzt werden.

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Trotzdem zeigt es ein deutliches Problem, dass wir Menschen hier in Deutschland nicht gewohnt sind: Nicht alles ist immer verfügbar. Bei Luxusartikeln ist das noch verschmerzbar. Bei Medikamenten ist die Notwendigkeit jedoch groß, dass diese oder passende Alternativen vorhanden sind. Die Ursachen für die Engpässe sind vielfältig, und machen das Problem damit auch schwieriger zu lösen. Zeitweilig fehlen Rohstoffe, anderswo gibt es Ausfälle in der relativ globalen Produktion, oder es gibt Qualitätsprobleme.

Eigentlich kein neues Problem in der globalisierten Welt. Doch scheinbar wirkt Corona nach wie vor wie ein Katalysator auf dem Weltmarkt und verdeutlicht Abhängigkeiten. Ideen, man möge eine Art Medikamentenflohmarkt unter Nachbarn und Bekannten anbieten, sind da nur ein heißer Tropfen auf den Stein. Denn das mag zwar für Hausapothekenmittel wie Fieber- oder Hustensaft funktionieren – ist aber für Krebsmedikamente oder Antibiotika höchst problematisch. Es bleibt zu hoffen, dass die Lage sich wieder beruhigt und eine Versorgung von kranken Menschen mit Medikamenten nicht davon abhängt, ob ihre Apotheke glücklicherweise die notwendigen Stoffe geliefert bekommen hat.

Die Autorin erreichen Sie unter g.wehry@ga-online.de