Berlin Kind non-binär: Hollywood-Star ringt mit Gender-Sprache
„Avatar“-Star Sigourney Weaver hat ein non-binäres Kind. Im Interview berichtet sie, dass sie das vor sprachliche Probleme stellt: Sie vertut sich oft bei den gender-neutralen Pronomen.
In der Welt von James Camerons „Avatar“ teilen Pflanzen und Tiere sich ein gemeinsames neuronales System. Und die 73 Jahre alte Sigourney Weaver, im ersten Teil noch als Wissenschaftlerin zu sehen, spielt nun ein 14-jähriges Alien-Mädchen. In einem Wort: Der „Avatar“-Kosmos hebt alle Grenzen auf. Teil 2 trägt das Fluide, nicht Festzulegende jetzt sogar im Titel: „Avatar: The Way of Water“ erhebt die Geschmeidigkeit des Wassers zum Prinzip.
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Bei alledem klingt auch das Zeitthema der Trans-Identitäten an. Und im Interview vor dem Filmstart am 14. Dezember berichtet Sigourney Weaver im Gespräch mit unserer Redaktion, dass sie selbst davon familiär betroffen ist: Ihr (erwachsenes) Kind ist non-binär, ordnet sich also weder dem männlichen, noch dem weiblichen Geschlecht zu.
Für Weaver ist das immer noch eine sprachliche Herausforderung. Als sie davon erzählt, spricht sie zunächst von ihrer Tochter, dann korrigiert sie sich und wechselt zu den geschlechtsneutralen Pronomen they und them: „Für mich ist das Schwerste die Grammatik. Ich mache ständig Fehler“, sagt Weaver in der Interview-Runde. „Mich daran zu gewöhnen, they statt she zu sagen, war schwerer als erwartet. Aber ich stehe voll dahinter und glaube, dass es perfekt für them ist. They leben in einer Welt voller anderer theys; und they sind eine wirklich starke Community.“
Vor allem auf Social-Media-Profilen hat es sich bei vielen eingebürgert, die eigenen Personalpronomen anzugeben. Die Bewegung stammt aus den USA; auch viele „Cisgender“ – das sind Leute, bei denen das bei der Geburt festgestellte Geschlecht mit ihrer Identität übereinstimmt – geben hier zum Beispiel „she/her“ oder „sie/ihr“ an. So soll von Nicht-Binären der Druck genommen werden, sich immer wieder erklären zu müssen.
Bei vielen nicht-binären Menschen – Personen, die sich nicht in die Kategorie Frau oder Mann einordnen – hat sich im englischen Sprachraum „they/them“ etabliert. Im Deutschen gibt es noch keine Anrede abseits der männlichen und weiblichen Form, die allgemein verstanden wird. Das neutrale Pronomen „es“ wird in der Community als unpassend abgelehnt; und Experimente mit dem Kunstwort „em“ haben noch nicht in den allgemeinen Sprachgebrauch gefunden. (Mit dpa)