Kolumne „Artikel 1, GG“ Bornierte Muslime erschrecken mich
Wussten Sie, dass manche Muslime Christen zu Weihnachten kein frohes Fest wünschen mögen? Unsere Kolumnistin ärgert das.
Dürfen Muslime Christen zu Weihnachten gratulieren? Mit dieser Frage habe ich mich bisher nie beschäftigt. Aus einem einfachen Grund: Sie kam mir nicht in den Sinn. Im Gegensatz zu mir scheint es – wie ich dieser Tage in Sozialen Medien feststellte – Muslime zu geben, die darüber grübeln, wie sie sich bezüglich christlicher Feiertage verhalten sollten.
Zur Person
Canan Topçu (57) ist als Tochter türkischer Arbeitsmigranten in Hannover aufgewachsen. Nach der Ausbildung bei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung wechselte die Journalistin zur Frankfurter Rundschau. Seit 2012 ist die Hanauerin freiberuflich als Autorin sowie als Referentin und Dozentin tätig.
Ein Religionswissenschaftler und muslimischer Theologe hat zu diesem Thema einen Aufsatz verfasst; anlässlich der Weihnachtszeit kursiert der Beitrag in Sozialen Medien. In dem langen Text erörtert der promovierte Theologe die Positionen zu dieser Frage – historisch und kontextbezogen, also dem Umfeld entsprechend. Er schreibt: „Die Ansicht, dass die Beglückwünschung der Christen zu ihren Festen oder der Besuch von Kirchen verboten sind, hat meistens den Hintergrund, dass man die religiöse Identität vor allem junger Menschen bewahren will. Wenn das Umfeld aber grundsätzlich nicht als bedrohlich, sondern als gut und tolerabel empfunden wird und man von einer selbstbewussten religiösen Identität ausgeht, ist man eher bereit, sich den Herausforderungen gegenüber zu öffnen. In dieser Hinsicht sind viele der Meinung, dass ein selbstbewusster Umgang mit diesen Themen sogar die eigene Religiosität stärkt, weshalb man dazu tendiert, diese Handlungen im Sinne einer guten Nachbarschaft für förderlich zu betrachten.“
Ich weiß zu wenig, um die Ausführungen des Islamwissenschaftlers und Theologen, der in Deutschland forscht, beurteilen zu können. Was mich erstaunt und erschreckt, sind bornierte Muslime, die eine religiöse Instanz und ein Rechtsgutachten brauchen, um ihr Sozialverhalten in den Griff zu bekommen. Mir genügen mein Verstand und mein ethischer Kompass, um entscheiden zu können, was ich an christlichen Feiertagen darf und nicht darf.
Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern, die Weihnachten als christliches Fest feiern, ein frohes Fest! Und uns allen schöne Feiertage.
Kontakt: kolumne@zgo.de
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