Hannover „Absurd“: Niedersachsens Ärztekammer lehnt „Flohmärkte für Medikamente“ ab
Ärztepräsident Klaus Reinhardt schlägt „Nachbarschafts-Flohmärkte“ für Medikamente vor. Aus Niedersachsen erhält er dafür heftigen Gegenwind.
Die Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN) lehnt den Vorschlag, Lieferengpässen bei Medikamenten mit Nachbarschafts-Flohmärkten zu begegnen, entschieden ab. „Jede medikamentöse Therapie bedarf einer klaren Indikationsstellung. Wer Tauschbörsen vorschlägt, darf dabei die Arzneimitteltherapiesicherheit nicht ignorieren“, sagte ÄKN-Präsidentin Martina Wenker unserer Redaktion.
Es gebe schließlich nicht ohne Grund Heilberufe. „Sie dienen dazu, die Dosierung von Medikamenten, die vorige Indikationsstellung und auch mögliche Kontraindikationen genau festzulegen, damit Patientinnen und Patienten zielgerichtet und sicher geholfen werden kann“, erklärte Wenker. Die Idee eines Medikamenten-Flohmarktes stehe dazu im krassen Widerspruch und sei „absurd“.
Wenker reagierte mit ihrer Kritik auf einen Vorschlag von Ärztepräsident Klaus Reinhardt. Dieser hatte dem „Tagesspiegel“ am Wochenende gesagt: „Wer gesund ist, muss vorrätige Arznei an Kranke abgeben. Wir brauchen so was wie Flohmärkte für Medikamente in der Nachbarschaft.“
Die Bundesärztekammer erläuterte am Montag, in der jetzigen Infektionswelle sollte man sich im Familien- und Freundeskreis mit nicht-verschreibungspflichtigen, originalverpackten Arzneimitteln aushelfen. Selbstverständlich sei damit kein „Flohmarkt“ im wörtlichen Sinne gemeint.