Nager im Oberledingerland  Nutrias sorgen jährlich für mehrere 10.000 Euro Schaden

Geertje Wehry
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Von Geertje Wehry
| 20.12.2022 08:15 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Nutrias unterwühlen Deiche und sind ein Risiko für den Hochwasserschutz. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Nutrias unterwühlen Deiche und sind ein Risiko für den Hochwasserschutz. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
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Nutrias sehen fast ein wenig niedlich aus, dabei zerstören sie Deiche und Lebensraum von heimischen Tieren. Jäger probieren, dem Problem Herr zu werden.

Oberledingerland - Auf den ersten Blick sehen Nutrias kuschelig aus. Ein bisschen wie Biber mit langen Schnurrhaaren. Doch anders als die Nagetiere, die ihre Dämme aus Holz bauen, buddeln sich die Tiere, die ursprünglich aus Südamerika kommen, ihren Bau selbst. Das ist insbesondere in Regionen wie Ostfriesland ein Problem. „Die buddeln sich in Deiche und Böschungen“, sagt Meino Kroon, Geschäftsführer der Sielacht Stickhausen. Allein im Geschäftsgebiet der Sielacht würden die Nager jährlich für Schäden in Höhe von mehreren 10.000 Euro sorgen. Kleinere Bauten von Nutrias würden aufgebaggert und eingestampft, während größere Schäden aufwendiger mit Schüttsteinen behoben werden müssten.

Jäger Gerhard Struck (von links) gibt Schwänze ab, die die amtliche Bisamjägerin Johanne van Scharrel-Bruns, die amtliche Bisamjägerin Folma Rademacher und Meino Kroon von der Sielacht überprüfen. Die Jäger erhalten pro erlegtem Tier eine Prämie. Für Nutrias 8 Euro, für Bisamratten 5 Euro. Foto: Wehry.
Jäger Gerhard Struck (von links) gibt Schwänze ab, die die amtliche Bisamjägerin Johanne van Scharrel-Bruns, die amtliche Bisamjägerin Folma Rademacher und Meino Kroon von der Sielacht überprüfen. Die Jäger erhalten pro erlegtem Tier eine Prämie. Für Nutrias 8 Euro, für Bisamratten 5 Euro. Foto: Wehry.

Die Anzahl der Tiere nimmt immer weiter zu. „Vor fünf oder sechs Jahren habe ich das erste Mal die Löcher gesehen“, erzählt Karsten Janssen, Leiter des Hegerings Ihrhove. Inzwischen seien sie jedoch häufiger zu entdecken. Der Nutria wird seit seinem Auftreten in Deutschland bejagt. Unter anderem von Janssen und seinen Jägerkollegen. Dazu werden Fallen aufgestellt. „Die bekommen wir von der Sielacht“, so der Jäger. Sobald ein Tier sich in der Falle befindet, bekommt er eine Nachricht auf sein Smartphone. „Innerhalb von 10 Sekunden weiß ich, wenn sie zugeschnappt hat“, erzählt er. In den Fallen befinden sich Köder wie Mais oder Zuckerrüben. Manchmal tappen auch andere Tiere hinein. „Die lassen wir dann natürlich frei“, erklärt Janssen. Nutrias dahingegen werden getötet, denn die Tiere vermehren sich schnell und viel. Das lässt sich auch an der steigenden Anzahl der erlegten Nutrias allein im Hegering Ihrhove erkennen. Waren es 2016/2017 noch 13, so waren es 2019/2020 bereits 193. Für die Jagdsaison 2021/2022 waren es 133. Im gesamten Leda-Jümme-Gebiet wurden 2019 1686 Nutrias erlegt, laut einer Statistik der Sielacht ging die Anzahl dann etwas zurück. 2020 wurden 580, 2021 990 und in diesem Jahr 1039 Nutrias erlegt. Natürliche Feinde hat das Tier in Europa nur wenige. Dazu gehören Füchse, frei laufende Hunde, Wölfe oder Luchse. Doch die Tiere können dreimal im Jahr bis zu sechs Junge bekommen und vermehren sich deshalb rasant.

Es wird genau nachgezählt, wie viele Schwänze von was für Tieren abgegeben werden? Darauf basiert die Zahlung der Prämie. Foto: Wehry
Es wird genau nachgezählt, wie viele Schwänze von was für Tieren abgegeben werden? Darauf basiert die Zahlung der Prämie. Foto: Wehry

Deiche werden instabil

Damit ist man im Oberledingerland nicht allein. In 58 Prozent aller Jagdbezirke in Niedersachsen wurden 2021 Nutria-Vorkommen gesichtet, teilte der Deutsche Jagdverband (DJV) mit. Das entspricht demnach einer Verdopplung gegenüber 2015. Generell breiten sich diese Nagetiere in ganz Deutschland aus, teilte der Jagdverband weiter mit. Von 2015 bis 2021 sei der Anteil der Jagdreviere mit Vorkommen von 20 auf 44 Prozent gestiegen. Demnach lebt die Art insbesondere entlang der Flüsse Ems, Weser und Elbe. Das aus Südamerika stammende Tier gräbt sich unter anderem durch Deiche und macht sie dadurch teilweise instabil. Damit ist die Eindämmung der Tiere Küstenschutz.

Jäger Karsten Janssen geht sogar einen Schritt weiter. „Es ist auch Vogelschutz. Hier in Niedersachsen gibt es so viele Vogelschutzgebiete und der Nutria zerstört durch seinen Bau die Nistmöglichkeiten“, sagt er. Die invasiven Nutrias würden die heimische Tierwelt verdrängen. Deshalb ärgert es ihn besonders, dass immer wieder Nutriafallen kaputt gemacht werden. „Die Leute wissen nicht, was die echte Gefahr ist“, so der Jäger. Aus Tierliebe würde dann ohne nachzudenken die Falle zerstört.

Verwertung der Nurtias

Er hat beobachtet, dass es inzwischen sogar für Nutriafleisch eine Nachfrage gebe. „Es gibt die Tendenz, Teller statt Tonne“, erzählt er. Auch er selbst habe es bereits gegessen.

Mit Material von dpa

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