Kolumne „Digital total“ Ist das Kunst oder kann das weg?
Am Dienstag geht es in unserer Kolumne immer um Digitales und Technik. Heute geht es um Kunstwerke und Texte, die von einer KI erschaffen werden – und die Folgen für Künstler und Schriftsteller.
Die Welt der Kreativen wird momentan durch Innovationen in der digitalen Technik erschüttert. Auf Portfolio-Webseiten wie „ArtStation“ wehren sich Zeichner, Maler und Illustratoren gerade gegen „KI-Kunst“, durch die sie sich um ihre eigene Kreativität betrogen sehen. Erste Experimente mit dem KI-Algorithmus „ChatGPT“ rufen ähnliche Sorgen bei Schriftstellern und professionellen Textern aller Art auf den Plan. Was genau passiert hier gerade?
Zur Person
Fabian Scherschel, geboren in Duisburg und nun in Düsseldorf lebend, arbeitete bis 2019 als Redakteur für das Tech-Portal Heise-Online und für die Tech-Newsseite „The H“ in London. Als Freiberufler schreibt er unter anderem für das Magazin „c’t“. Mittlerweile hat der begeisterte Podcaster sein eigenes Projekt: fab.industries. Fernseh- und Radiosender schätzen ihn als Experten.
Vielleicht haben Sie schon mal eines dieser komischen KI-Gemälde gesehen: Etwa ein Bild, das so aussieht, als stamme es von einem klassischen Maler – das komischerweise aber Donald Trump oder Elon Musk zeigt und irgendwie den Eindruck erweckt, dass etwas damit nicht stimmt?
Solche Bilder kann man innerhalb von Sekunden von künstlicher Intelligenz malen lassen – also genaugenommen handelt es sich dabei um Machine-Learning-Algorithmen. Die sind mit Millionen von Bildern aus dem Internet trainiert und haben sich beigebracht, Objekte in diesen Bildern zu erkennen und Stile wie die von bekannten Malern oder Illustratoren nachzuahmen. Der bekannteste dieser Algorithmen heißt „DALL-E“. Die Software „ChatGPT“ macht das ganze mit Text: Sie schreibt auf Wunsch Texte zu beliebigen Themen.
Warum haben Kreative damit ein Problem? Weil ihre Bilder und Texte aus dem Netz verwendet wurden, um diese Machine-Learning-Systeme damit zu füttern. Das ist rechtlich völlig in Ordnung, die KI erschafft schließlich eigene Bilder oder Texte. Allerdings stellt sich jetzt die Frage, ob es moralisch zu vertreten ist, wenn wir Computer mit der Kreativität von Menschen füttern, ohne dass diese Menschen das explizit erlaubt haben. Schließlich können Computer nicht kreativ sein und diese Machine-Learning-Algorithmen werden immer durch die Kreativität begrenzt sein, die sie aus menschlich erzeugter Kunst sozusagen stehlen können.
Ich bin sehr gespannt, wie unsere Gesellschaft mit dieser Problematik umgehen wird.
Kontakt: kolumne@zgo.de
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